Schmitt, Eduard
Vorträge über Bahnhöfe und Hochbauten auf Locomotiv Eisenbahnen / von Eduard Schmitt (Die Anlage der Bahnhöfe) — Leipzig, 1873

Page: 56
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§• 16.
Militärische Rücksichten.
Ausser den im vorhergehenden Paragraphen -angeführten Regeln sind hei Anlage
von Hauptstationen noch alle jene Bedingungen zu erfüllen, welche in §. 9 der Ein-
leitung (S. 16) aufgestellt wurden. Ferner wird in den drei folgenden Kapiteln bei
Betrachtung der Personen-, Güter- und Rangirbahnhöfe auch noch in detaillirter Weise
die Disposition solcher Stationen besprochen werden. Am Schlüsse des §. 9 wurde aber
auch schon auf die strategische Bedeutung der, Bahnhöfe überhaupt aufmerksam gemacht
und möge hier noch der besondern Wichtigkeit der Hauptstationen bei grossen Militär-
Transporten gedacht werden.*) Sind Hauptstationen zur Truppenverladung bestimmt, so
müssen sie hinreichenden Raum und genügende _ Geleise sowohl für die Zusammen-
stellung und Verschiebung der diesfälligen Züge überhaupt, als auch für deren durch
die Ein- und Ausladung und durch die technische Revision bedingte Aufenthalte dar-
bieten. Um beurtheilen zu können, ob die vorhandenen Geleise für die Zahl der täg-
lich aus einer Verladungsstation abzusendenden Züge genügen, muss berücksichtiget
werden, dass schon die Formirung des vorhandenen Materiales in Militärzüge eine
geraume Zeit und mehrere Geleise erfordert, dass jeder zusammengestellte Militärzug
wenigstens iy2 Stunden vor dessen Abgang bereit stehen muss, dass die Revision der
leer zurückgehenden Züge häufig mehrere Stunden in Anspruch nimmt, dass ausser den
zwei Hauptgeleisen auch die Verbindungen mit den Locomotivsclmppen, Kohlendepots
und Wasserstationen frei sein müssen, und dass der ungehinderte Uebergang jedes Zuges
von dem Seitengeleise in die Hauptbahn nur mittelst Weichen, ohne Anwendung von
Drehscheiben, möglich bleibe.

I. Kapitel.
Personenbahnhöfe.
(Taf. I bis XIII.)
§. 17.
Allgemeines.
Eine der schwierigsten Aufgaben im Eisenbahnwesen bildet die Anlage grösserer
Personenbahnhöfe, sowohl in Bezug auf den Grund- und Aufriss des Hauptgebäudes,
als auch der übrigen baulichen und Geleisanlagen. Lösungen der verschiedensten Art
sind in den einzelnen im Laufe der Zeit vorgekommenen Fällen schon versucht worden,
ohne dass sich eine vollkommen mustergiltige herausgebildet hätte. Eine gute Anord-
nung verlangt vor Allem eine dem rasch steigenden Personenverkehre entsprechende
Entwicklungsfähigkeit.**) Man muss nicht nur die Baulichkeiten und sonstigen Anlagen
gleich im Vorhinein grösser anlegen, als sie der muthmaassliche anfängliche Verkehr

*) Vergl. Das Eisenbahnwesen vom militärischen Standpunkte. Wien 1863..
**) Vergl. Oppermann , C. A. La nouvelle gare du chemin de fer d'Orldans. Nouv. annales de la const. 1870:
,,Une bonne construction de gare terminale, aussi bien en plan qu’en dldvation , est une des choses les plus difficiles a
rdaliser, et un des problkmes dont la solution a subi les plus grandes variations , dans les cas succossifs qui se sont
präsentes. — Pour bien faire, il faudrait, en quelque sorte, une distribution dlastique et indöfini ment deve-
loppable, appropride k toutes les formes de terrain, car le mouyement des voyageurs et de marcbandises k grande
vitesse se ddveloppe avec une teile rapiditd qu’il peut ddcupler en trds-peu d’anndes, et varier, suivant les rdseaux, dans
des proportions qu’il est presque impossible de prdvoir.“
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