Schmitt, Eduard
Vorträge über Bahnhöfe und Hochbauten auf Locomotiv Eisenbahnen / von Eduard Schmitt (Die Anlage der Bahnhöfe) — Leipzig, 1873

Page: 150
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wesentlichen Tlieilen des Bestellenden, statthaft sei.*) Dies wird nur dadurch möglich,
dass man die ganze Anlage auf ein grösseres Bedürfniss projectirt, wenn auch zunächst
nur ein Theil der projectirten Bauten zur Ausführung zu kommen braucht.
Durch Verlegung des Güterbahnhofes ausserhalb der Stadt ist die Acquirirung
eines passenden Terrains meist leicht möglich und man erreicht bisweilen dadurch
auch noch den weitern Vortheil, dass sich einzelne grössere, gleichfalls vor der Stadt
gelegene, industrielle Etablissements mit dem Güterbahnhofe direct durch Schleppbahnen
verbinden lassen. Wenn auch durch die grössere Entfernung des Güterbahnhofes von der
Stadt die bereits in §. 15, S. 53 besagten Uebelstände und auch noch der weitere Nach-
theil entsteht, dass die zwischen Stadt und Bahnhof verkehrenden Fuhrwerke lange
Wege zurückzulegen haben, so werden alle diese Uebelstände hei uns auf dem Continente
meist nicht als genug maassgehend erachtet, um ein sonst günstiges Bahnhofsterrain zu
verlassen und die Güterstation auf ein weniger passendes der Stadt näher gerücktes
Areal zu verlegen. Doch muss unter allen Umständen dafür gesorgt werden, dass
gewöhnliche Fuhrwerke aller Art, ohne dass dieselben Schwierigkeiten zu überwältigen
haben, in rascher, leichter und bequemer Weise nach und von dem Balmhofe verkehren
können. Es wird sich unter Umständen nicht nur vortheilhaft erweisen, die Zu- und
Abfahrt dieser Fuhrwerke vollständig zu trennen, sondern hierin auch noch eine weitere
Scheidung mit Rücksicht auf die verschiedenen Arten von Gütern vorzunehmen, so dass
z. B. eine getrennte Abfahrt für die Kohlen und andere Rohproducte verführenden Wagen,
eine getrennte Zufahrt für solche Fahrzeuge, die sehr schwere Gegenstände (Kessel,
Maschinen etc.) transportiren, etc. besteht.

§. 62.
Abfahrt und Ankunft der Giiterziige.
Auf grossen Güterbahnhöfen ist die Ankunft der Güterzüge von der Abfahrt der-
selben vollständig zu trennen.
Für die Ankunft eines Güterzuges sind folgende Bedingungen zu erfüllen:
a) Der Güterzug muss einfahren können, ohne den innern Bahnhofsdienst zu
hemmen;
b) man muss im Stande sein, die vom Rangirbahnliofe kommende Zugabtheilung
rasch zu zertheilen, die einzelnen Wagen je nach der Natur der geladenen Güter an
die betreffenden Lagerräume oder Rampen zu bringen und die Entladung hinnen der
kürzesten Zeit vorzunehmen;
c) man muss die entladenen Wagen entweder ordnen, zu einer Zugabtheilung
zusammensetzen und sie nach dem Rangirbahnliofe bringen können, oder dieselben in
Reserve zu behalten im Stande sein.
Für die Abfahrt eines Güterzuges ist Folgendes erforderlich:
a) Die leeren Wagen sollen vor die Ladeperrons, Verladeplätze und Rampen leicht
und bequem Vorfahren können;
b) das Beladen derselben muss mit möglichster Schnelligkeit zu vollführen sein;
c) man muss im Stande sein, die beladenen Wagen auf leichte Weise in jenes
Geleise bringen zu können, auf welchem sie vorläufig zu Zügen oder Zugabtheilungen
zusammengestellt und von dort nach dem Rangirbahnliofe gebracht werden sollen;

) Vergl. die zweite Anmerkung auf S. 5G.
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