Schmitt, Eduard
Vorträge über Bahnhöfe und Hochbauten auf Locomotiv Eisenbahnen / von Eduard Schmitt (Die Anlage der Bahnhöfe) — Leipzig, 1873

Page: 213
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Da die Anlage einer mobilen Glorine keines Unterbaues benöthiget und auf
gewachsenem Boden geschehen kann, was durch Anwendung des zur Garnitur gehörigen
eisernen Oberbaues (System Köstlin und Battig) ermöglicht ist, so kommt es nur
darauf an, die zu einander gehörigen und passenden Bestandteile zusammenzufiigen
und zu befestigen. Würde nun die einer solchen Garnitur zugewiesene Mannschaft
schon in Friedenszeiten in dem Auf- und Abladen, Zusammenfügen und Abreissen der
einzelnen Theile gehörig eingeübt werden, so könnte wohl eine Glorine von etwa 3800m
Geleislänge in 24 Stunden hergestellt werden, um sofort dienstfähig zu sein.
Die etwas lockere Legung des Geleises ohne den üblichen Unterbau, sowie die
scharfen Curven und der Mangel an regelrechten Weichenverbindungen, dem durch
Einschiebegeleise abgeholfen ist, üben keinen besonders nachtheiligen Einiluss auf die
Betriebssicherheit aus, weil ein schnelles Fahren daselbst ganz unnöthig ist.
Es lässt sich nicht läugnen, dass in der Idee der Glorine, die in der practischen
Ausführung mancherlei Aenderungen und Vervollkommnungen erfahren dürfte, ein
ganz hoffnungsvoller Keim zu einer ganz neuen Verladungs- und Expeditionsweise von
Truppen etc. gelegen sei.

Anhang.
Im Anhänge zu den vorstehenden allgemeinen Betrachtungen über die Anlage von
Hauptstationen, werden noch, um in passenden Beispielen Gesammtbilder von Bahnhofsdis-
positionen darzustellen, fünf Beispiele von ausgeführten Bahnhofsbauten hinzugefügt, wobei
es aber nicht die Absicht ist, dieselben unbedingt als Muster für die Projectirung ähnlicher
Anlagen hinzustellen. Die Erfahrungen über die zweckmässige Anordnung dieser Bauten
sind meist noch so neuern Datums und so wenig zur allgemeinen Kenntniss gelangt,
dass es zu den schwierigsten Aufgaben der Technik gehört, Geleisprojecte für den Neu-
oder Umbau grosser Hauptstationen derart zu entwerfen, dass sie allen an sie gestellten
Anforderungen gerecht werden. Jede Bahnhofsanlage zeigt ein anderes Getriebe und
zwingt zu besonderen Rücksichtnahmen in Bezug auf Bau- und Betriebsverhältnisse;
doch sind die letzteren vorwiegend maassgebend für das zu wählende Geleissystem. Aus
diesem Grunde wurde auch im Folgenden eine kurze Klarlegung des Baues und Betriebes
der zu beschreibenden Anlagen für nutzbringend erachtet.
Die vorzuführenden Bahnhofsanlagen betreffen:
a) ein Beispiel einer Hauptstation, auf welcher Personen-, Güter- und Rangir-
bahnhof unmittelbar neben einander gelegen sind;
b) ein Beispiel eines ganz getrennten Personenbahnhofes;
c) ein Beispiel eines vereinigten Güter- und Rangirbahnhofes;
d) ein Beispiel eines Productenbahnhofes, und
e) ein Beispiel eines ganz getrennten Rangirbahnhofes.
§. 98.
Der Balmhof der Niederschlesisch-Märkischen Balm zu Berlin.*)
(Taf. V. Fig. 2.)
Der Bahnhof der Niederschlesisch-Märkischen Bahn in Berlin, im östlichen
Theile der Stadt, an der Breslauer- und Koppen-Strasse gelegen, war ursprünglich nur
*) Vergl. Der Umbau des Bahnhofes der Niedorschlesiscli-Märkischen Eisenbahn zu Berlin. Erbkavi’a ZrMich.
f. Baum. 1870, S. 151.
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