Schmitt, Eduard
Vorträge über Bahnhöfe und Hochbauten auf Locomotiv Eisenbahnen / von Eduard Schmitt (Die Anlage der Bahnhöfe) — Leipzig, 1873

Page: 214
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für die Balm von Berlin nach Frankfurt a. 0. angelegt, deren Eröffnung im Jahre
1842 stattfand. Durch Weiterführung der Bahn bis Breslau, eröffnet im Jahre 1846,
erlitt der Bahnhof nur unerhebliche Veränderungen; erst durch die Uebernalime der
Bahn durch den Staat im Jahre 1852 entwickelte sich der Verkehr, besonders der
Güterverkehr so stark, dass nicht allein die Anzahl der Geleise vermehrt, sondern auch
die Güterschuppen vergrössert werden mussten.
Bei dem in den Jahren 1855 und 1856 sich steigernden Verkehre, zu dessen
Bewältigung die Bahn zwischen Berlin und Breslau mit einem zweiten Geleise versehen
werden musste, fand abermals eine Geleisvermehrung auf dem Bahnhofe statt. Durch
Erbauung eines dritten Güterschuppens wurde dem Bedürfnisse für grossem Lagerraum
entsprochen, während zur Unterbringung der für den gesteigerten Verkehr erforder-
lichen Locomotiven die vorhandenen Schuppen durch Anbauten vergrössert wurden.
Durch diese, nach und nach entstandenen Vermehrungen der Geleise und Gebäude
hatte der Bahnhof im Jahre 1860 schon eine solche Ausdehnung gewonnen, dass eine
weitere Vergrösserung, welche sich durch die rasche Steigerung des Kohlenverkehres
für die nächste Zeit als notliwendig herausstellte, nur durch einen vollständigen Umbau
des ganzen Bahnhofes ermöglicht werden konnte.
Ebensowenig wie der Güterbahnhof genügte der Personenbahnhof dem gesteiger-
ten Bedürfnisse. Das alte Hauptgebäude, welches durch An- und Umbauten schon viel-
fache Veränderungen erlitten hatte, entsprach selbst den bescheidensten Anforderungen
nicht mehr; Billetausgabe, Gepäckräume und Wartesäle reichten nicht mehr zur Auf-
nahme des reisenden Publikums, sowie zu einer raschen und pünktlichen Expedition
aus; die hölzernen, hohen Perrons waren zu kurz und zu schmal und entsprachen
nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen; ausserdem lagen die Expeditions- und
Warteräumc für die abfahrenden Züge links, die Ankunftshalle rechts der Geleise, so
dass sämmtliche ein- und auslaufenden Züge auf dem Bahnhofe kreuzen mussten.
Es wurde deshalb beschlossen; eine Vergrösserung des Bahnhofes durch einen
vollständigen Umbau herbeizuführen.
Der Ausführung dieses Planes stellten sich jedoch nicht unerhebliche Schwierig-
keiten entgegen. Durch die Stadtmauer, welche zugleich die Begrenzung des Steuer-
bezirkes für die Schlacht- und Mahlsteuer bildete, wurde jede Vergrösserung des Bahn-
hofes nach der Längenrichtung unmöglich, die Vergrösserung hätte deshalb nur in der
Breitenrichtung geschehen und die Verbindung mit den Geleisen der Bahn nur durch
einzelne, von der Steuerbehörde bewachte Thore in der Stadtmauer ermöglicht werden
können.
Durch die Verlegung der Steuergrenze bis zu den äussersten Grenzen des Stadt-
gebietes, welche nach vielen und langen Verhandlungen zwischen Staats- und Stadt-
behörde zur Ausführung kam und den Abbruch der alten Stadtmauer zur Folge hatte,
fielen die oben geschilderten Beschränkungen fort, und stand nunmehr einer rationellen
Erweiterung des Bahnhofes nichts mehr im Wege.
In der Richtung nach Frankfurt a. 0. zu wurde der Bahnhof bis Rummelsburg
verlängert; hierdurch erhielt die gesammte Stationsanlage eine Totallänge von 3163,6“
= 0,42 Meilen; die von dem Bahnhofe eingenommene Grundfläche beträgt 495,321Qm.
Wie aus dem Situationsplane (Taf. V. Fig. 2) hervorgeht, wird der Güterbahn-
hof von dem Hauptgebäude durch die Fruchtstrasse getrennt, welche durch fünf Geleise
der Personenhalle im Niveau der Strasse überschritten wird. Weiter gegen die freie
Bahn zu, zwischen den Güterschuppen und den später auszuführenden Rangirgeleisen,
wird der Bahnhof durch eine Ueberbrückung von 17 “ Breite zur Ueberführung der
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