Schmitt, Eduard
Vorträge über Bahnhöfe und Hochbauten auf Locomotiv Eisenbahnen / von Eduard Schmitt (Die Anlage der Bahnhöfe) — Leipzig, 1873

Page: 261
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VI. Kapitel.
Nebenstationen.
(Taf. XVII und XVIII.)
§. 115.
Allgemeine Gestaltung.
Wie bei den Haupt- und Zwischenstationen ist im Allgemeinen auch hier der
Grundsatz festzuhalten, den Bahnhof auf die der nächsten Ortschaft zugekehrte Seite
zu legen; doch können locale Verhältnisse insbesondere hei Nehenstationen eine gegen-
teilige Disposition bedingen. Ist z. B. die Station nur wegen eines zu erwartenden
grossem Güterverkehres, wegen der Nähe grosser Fabriken, Bergwerke etc. angelegt
worden, so würden für die Lage der Station vor Allem jene Bedürfnisse maassgebend
sein, die durch den Güterverkehr bedingt sind.
In der Regel ist eine Nebenstation in der Nähe eines Niveauüberganges gelegen;
bei den kleinsten Haltestellen dieser Art besorgt der Beamte, der den Barrierendienst
zu versehen hat, auch den Verkauf der Billets und das Abwägen des Gepäckes. Dabei
pflegt ihm seine Gattin in der Weise behilflich zu sein, dass sie das Oeffnen und
Schliessen der Barriere besorgt, wofür sie eine kleine Remuneration bezieht.
Bei grösseren Nebenstationen wird natürlich der Barrierendienst von der Expedi-
tion der Billets und des Gepäckes getrennt. Das Hauptgebäude muss vom Niveau-
übergange weit genug entfernt sein, um nicht unnöthig den Verkehr auf der Strasse zu
hemmen, was am einfachsten dadurch zu erreichen ist, dass der Zug niemals auf dem
Niveauübergange selbst anhält. Es wird somit die zu beachtende Entfernung des Haupt-
gebäudes von dem Uebergange abhängen von der Länge der grössten vorkommenden Züge
(Taf. XVII. Fig. 5).
Das in der Einleitung §. 7, S. 13 betreffs des Bahnhof-Längenprofiles Gesagte
ist ganz besonders bei Nebenstationen zu beachten. Die Bahnhofshorizontale soll minde-
stens einer grössten Zuglänge entsprechen; an dieselbe mögen sich zwei abfallende
Strecken anschliessen, welche die Ankunft und Abfahrt der Züge erleichtern. Dort wo
man auf die Kreuzung von Zügen Rücksicht nehmen muss, soll die Länge des zweiten
Hauptgeleises zwischen den Distanzpfählen so gross sein, dass Züge von grösster vor-
kommender Achsenzahl auf der Station kreuzen können. Rechnet man im Maximum
200 Achsen, so müsste das zweite Hauptgeleise eine Länge von 700m haben. Die dabei
nothwendigen äussersten Weichen können, wo die Horizontalen und die geraden Strecken
der Bahnhöfe dazu nicht lang genug sind, in die davor gelegenen Steigungen und
Curven hineinreichen.
§■ H6.
Einfache Nehenstationen für den Personenverkehr.
Die Einrichtung einer Nebenstation einfachster Art, welche nur für den Per-
sonenverkehr bestimmt ist, besteht im Wesentlichen nur darin, dass man ein kleines
Gebäude herstellt, in welchem die Wohnung eines Bahnbeamten untergebracht ist, nebst
einem Zimmer, in welchem die Reisenden ihre Billets lösen, ihr Gepäck expediren
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