Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

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Erstes Kapitel.

Überblick über die Verirrungen und Mißstände im Modellwesen sowie über
fehlerhafte Darstellungen moderner Technik in Wort und Bild.
„Was helfen Fackeln, Licht oder Briln,
So die Leut’ nicht sehen wollen.“
H. Khunrath,
Amphitheatrum sapientiae aeternae.
ie Erkenntnis, daß das zwanzigste Jahrhundert
als das Zeitalter der Technik mit deren Er-
rungenschaften das tägliche Leben in allen
Zweigen beherrscht und darum ihr Verständnis
als ein Bestandteil der allgemeinen Bildung
den Begriff des „Laien“ allmählich ausschalten
muß, stellt einen der wichtigsten Fortschritte unserer Kultur dar.
Wie aber bei allen großen Bestrebungen die ihren Anfängen noch anhaftenden Fehler
und Mängel den skeptischen Gegnern eine willkommene Waffe zu ihrer Erstickung in die
Hände geben, so sind die in alle Bevölkerungskreise eindringenden Aufklärungsmittel der
deutschen Spielwaren- und Lehrmittelindustrie als solche von der Wissenschaft wegen
ihrer groben Unzulänglichkeiten nicht einmal anerkannt noch darum für verbesserungswert
befunden worden. Das ist sehr bedauerlich; denn hätte man beizeiten von maßgebender
Stelle aus sachlich in Wort und Bild auf diese Mißstände des öfteren hingewiesen, so wäre
vielleicht jene für unsere Jugend so wichtige Spielwaren- und Lehrmittelindustrie in der
notwendigen Verteidigung am leichtesten zur Selbsterkenntnis gekommen und im Bewußt-
sein ihrer nunmehr wirklich anerkannten Bedeutung eine der einflußreichsten Mithelferinnen
auf dem Gebiete der Jugend- und Volksaufklärung geworden. Weil sie aber leider bisher
in der Verkennung ihres erzieherischen Wertes etwas geringschätzig als „Spielzeug“
betrachtet wurden, konnten die Erzeugnisse dieser sogenannten Lehrmittelindustrie all-
mählich jene irrigen und verbildenden Formen annehmen, mit denen sie nun als einer der
gefährlichsten Gegner der wissenschaftlichen Aufklärung Vorstellungen und Begriffe
verbreiten, die, einmal spielend erfaßt, nur schwer später wieder auszurotten sind.
Solange eben selbst noch der Aufklärung bedürftige Firmen die Herstellung von Lehr-
mitteln in die Hand nehmen und die ehrlichen, selbstlosen Bestrebungen, ein wahrhaftiges,
den Vorbildern der Wirklichkeit genau entsprechendes und darum belehrendes Werkzeug
zu schaffen, ohne Liebe zur Sache in geschäftlichen und werbenden Absichten untergehen,
kann ein einwandfreies Spiel- und Lehrmittel nicht entstehen. Wie aber ist heute eine
umfassende Aufklärung auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens möglich, wenn die Mittel
hierzu nicht allein unzureichend, sondern sogar fehlerhaft und verbildend sind ?
Merkwürdigerweise begegnet man bei derartigen Hinweisen immer wieder ungläubigem
Erstaunen und zweifelndem Mißtrauen. Die Aufklärung des vertrauensseligen und in
rührender Bescheidenheit mit den im Handel befindlichen Spielzeugen zufriedenen
Publikums ist eben noch so im Rückstand, daß es einer solchen Offenbarung ganz ver-
ständnislos gegenübersteht und die Mängel nicht sehen kann und mag, ja sogar unwillig
Strauß, Eisenbahnwesen. *
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