Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

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Zwei Versuche zur Feststellung der unter der Jugend verbreiteten
Kenntnisse über das Eisenbahnwesen.


„Fabula docet.“

ährend die Beobachtungen des vorigen Kapitels
ganz allgemein dem täglichen Leben und seinen
Erscheinungen als eine Kritik der Erwachsenen
* abgelauscht sind, wurden zur Prüfung des Ver-
ständnisses der Jugend für das Eisenbahnwesen
zwei besondere Versuche unternommen, und zwar
sowohl von der Privatindustrie wie auch von der Schule selbst.
Der erste Versuch ging von der Gesellschaft für Präzisionslehrmittel aus in der Form
eines Preisausschreibens, das sie anläßlich ihrer Ausstellung von Miniaturlokomotiven
für Spiel- und Lehrmittelzwecke in Frankfurt a. Main im September 1913 veran-
staltete und in den führenden Zeitungen der Stadt bekanntmachen ließ. Das gestellte
Thema lautete:
,,Wodurch unterscheiden sich die in dem Laden Kaiserstraße 19 von der Gesell-
schaft für Präzisionslehrmittel ausgestellten Lokomotiven von allen, die ich bisher
gesehen habe?“
Aus der Absicht heraus, eine möglichst zahlreiche Beteiligung von den Kleinsten der
Federgewandten bis in das sechzehnte Jahr hinauf ohne Einschränkung zu gewähren,
erklärt sich die weite Fassung der dem jugendlichen Alter angepaßten Fragestellung, welche
die Wahl des Vergleiches mit Spielzeuglokomotiven oder den Maschinen des Großbetriebes,
vielleicht auch mit beiden Gruppen vollständig offen ließ. Auf diese Weise sollte, den
Verhältnissen der Einsender entgegenkommend, ein Ausschluß der Knaben, die etwa
keine Spielzeug- oder Lehrmittellokomotive besaßen, sonst aber vielleicht infolge des
väterlichen Berufes oder anderweitiger Anregungen sich für das Eisenbahnwesen interessiert
hatten, vermieden werden. Andererseits bot die nach oben gesetzte Grenze von 16 Jahren
hinreichend Sicherheit dafür, daß nur laienhafte Darstellungen erzielt würden, nicht aber
solche von bereits vorgeschrittenen Mechaniker- oder Schlosserlehrlingen.
Um aber die jugendlichen Mitarbeiter für ihre Mühe zu entschädigen und zu wirk-
lich ernsthaftem Nachdenken anzuregen, war eine Anzahl für die damaligen Friedens-
verhältnisse nicht geringer Preise ausgesetzt So sollten für die beste Beantwortung der
Frage 100 Mark, für die drei nachfolgenden 75, 50 und 25 Mark ausgezahlt werden, während
zehn weitere gute Einsendungen mit je 10 Mark als Trostpreis bedacht waren. Gleichzeitig
war unter den Bedingungen vorgesehen, die Namen der Preisträger in denselben Zeitungen,
die auch das Preisausschreiben enthielten, öffentlich bekannt zu geben. Außerdem aber
sollte jeder Einsender ohne Bezug auf die Bewertung seiner schriftlichen Darlegung zur
Erinnerung 5 Ansichtspostkarten erhalten, die einen Ausschnitt aus der Reihe der 9 aus-
gestellten Versuchsmodelle mit der Nachbildung einer bayrischen Maffei-Vierzylinder-
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