Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 49
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Siebentes Kapitel.
Die betriebsfähigen Lokomotivmodelle der Gesellschaft für Präzisions-
lehrmittel.
„Das Beste ist gerade gut genug.“
Goethe.
ie ersten praktischen Ergebnisse der vier Vorbereitungs-
jahre von 1909—1913 der Gesellschaft für Präzisionslehr-
mittel zu Frankfurt a. Main sind die neun Handmuster-
lokomotiven der Abbildungen 14 bis 16 und 19 bis 21.
Wenn auch vorerst nur Versuchsmodelle mit dem Zweck, dem Publikum überhaupt ein-
mal zu zeigen, wie ein wahrhaftiges Lehrmittel aussehen muß und bis zu welchem Grad
der Vervollkommnung ein solches auf dem Wege der Massenfabrikation nach vorher-
gegangener, genauer technischer Durchkonstruktion zu jedermann möglichen Preisen
hergestellt werden kann, so weisen diese Lokomotiven gegenüber den gleichartigen zeit-
genössischen Modellen der deutschen Spielwaren- und Lehrmittelindustrie bereits einen
bedeutenden Fortschritt auf.
Das einfache Mittel der Gegenüberstellung zeigt im ersten Augenblick schon dem
Laien diesen bemerkenswerten Unterschied. Von der gemeinsamen, durch ein und dieselbe
Spurweite von 45 mm charakterisierten Vergleichsbasis ausgehend, werden einer 1-B-l
Type der Gesellschaft für Präzisionslehrmittel in Abbildung 19 eine moderne 2-B-O Type
Nürnberger Bauart nach englischem Vorbild in Abbildung 18, eine 2-A-O Type deutscher
Bauart in Abbildung 17 gegenübergestellt, die hier zum erstenmal den Versuch der Durch-
führung einer Heusinger-Walschaert-Steuerung zeigt.
Was den ersten Fall anbetrifft, so kennzeichnet die Nürnberger Vergleichsmaschine
(Abbildung 18) trotz der ihre Konstruktion bedeutend vereinfachenden Nachahmung
des englischen Typus die Mängel technischer Durchbildung. Der große Zwischenraum
zwischen Drehgestell und Hauptrahmen der Maschine läßt nur eine primitive Bolzen-
verbindung ohne Lagerung erkennen, so daß das Drehgestell beim Abheben der
Maschine lose unter dem Rahmen herumbaumelt und, da jede automatische Selbstein-
stellung in die Mittellage fehlt, beim Wiederaufstellen der Lokomotive sich neben die
Schienen setzt.
Im Gegensatz dazu wird das Deichseldrehgestell der Vergleichsmaschine (Abbildung 19)
durch Federwirkung selbsttätig in die Mittellage eingestellt und kommt durch einfaches
Aufsetzen der Triebräder auf das Gleis von selbst ohne jegliche Nachhilfe auf die Schienen
zu stehen, wie es überhaupt bei aller, in jeder Kurve leicht einspielenden Beweglichkeit
niemals in Unordnung geraten kann und stets führend verbunden ist. Neben diesem
namentlich für die Handhabung von Dampflokomotiven schätzenswerten Vorteil hat
diese innige Führung und Befestigung des Drehgestells am Hauptrahmen auch auf den
Gang der Lokomotive günstigen Einfluß, weil es infolge seiner radialen Einstellung zum
Krümmungsmittelpunkt der jeweilig durchlaufenen Strecke den Hauptrahmen nach
diesem hin zu ziehen sucht, also den stoßfreien Einlauf der Maschine von dem geraden
in das gekrümmte Gleis vermittelnd vorbereitet.
Strauß, Eisenbahnwesen.


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