Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 53
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Achtes Kapitel.

Die Darstellung des rollenden Materials.

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„Periculum privatum,
Utilitas publica.“

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dieser Aufschrift des ersten Eisenbahnwagens „Ex-
periment“ der Stockton & Darlington Railway
„Die Gefahr trifft nur den Einzelnen,
Die Allgemeinheit hat den Nutzen“
und dem heutigen Abkürzungswort „Mitropa“ der
Mitteleuropäischen - Speisewagen - Aktiengesellschaft!
Welch ein beinahe rührender Gegensatz zwischen dem Steward in seiner schmucken Uni-
form, der die D-Zugswagengänge mit duftendem Kaffee entlang eilt, wenige Stunden
später zum Mittagessen einlädt oder des Abends mit einem einzigen Schaltergriff den
Speisewagen strahlend erleuchtet, und dem Kutscher Dickson, der da von seinem Lohn
ein Groschenlicht kaufte und es auf die tannene Tischplatte seines noch immer mit

Winterabenden

Wagens

Einstmals die größte Anspruchslosigkeit, nur der eine, alles beherrschende Wunsch
nach schneller Beförderung ohne die üblichen Zwischenfälle einer Postkutsche, deren oft
jammervollen Zustand der Maler Wilhelm Kügelgen anläßlich einer Thüringer Winterreise
mit den Worten charakterisiert:
„Der Wagen von unbeschreiblichen Proportionen hing altersschwach und lahm
in seinen Federn, die Schläge waren mit Bindfaden befestigt und die fast eingetrock-
neten Fensterladen weder einzuknüpfen noch zurückzuschnallen“,
heute die fast selbstverständlich gewordene Forderung, so wenig wie möglich der häuslichen
Bequemlichkeit aufgeben zu müssen. Als „Rollende Häuser“ hat darum Artur Fürst
mit Recht den mit Licht und Heizung sowie allem modernen Komfort ausgestatteten
D-Zug bezeichnet, der erst vor wenigen Jahren sein 25jähriges Bestehen feiern konnte.
Die in so rascher Entwicklung aus dem ersten sowohl Personen- wie Güter- und Vieh-
transport dienenden Eisenbahnwagen hervorgegangenen, mannigfaltigen Spezialwagen
boten der Spiel- und Lehrmittelindustrie ein willkommenes Feld zur Herstellung von
Modellnachbildungen, um so mehr, als diese Wagen infolge ihres Mangels an betriebs-
fähigen Teilen sich um so enger dem Charakter der auf Massenfabrikation von lackierten
Blechwaren eingerichteten Firmen anpaßten. Aus diesem Grund zeigt das gesamte Wagen-
material den auch dem allgemeinen Eisenbahnzubehör eigenen Anstrich des Spielerischen,
nicht aber des wohldurchdachten Lehrmittels, obgleich fast alle gebräuchlichen Typen
des Großbetriebes als Personen- wie auch Güterwagen zur Darstellung kamen.
Abgesehen von den auch hier auftretenden Fehlern und Verirrungen, wie z. B. zu
engem Abstand zwischen den Drehgestellen im Vergleich zu den viel zu weiten Kupplungs-
abständen, Hervorheben unwichtiger Nebensächlichkeiten sowie Einführung von Aus-
stattungsfiguren, lassen die besseren Wagen auch hier englische Vorbilder erkennen,
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