Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 58
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Oberbaus: Die feste Schiene

„Hochzeitsbänder,
Trauringe blank gegossen,
Liebend tauschen sie die Länder
Und die Ehe ist geschlossen.“
K. Beck 1838.

ich fest halten muß man, wenn die Löcher kommen,
oder in den schlimmen Fällen sich gehörig zum Sprung
spannen, muß auf die Äste acht geben und sich zur
n Zeit ducken, damit der Hut oder Kopf

gehörige
sitzen bleibt“ —
schildert der große Göttinger Lichtenberg seine Reiseerlebnisse auf deutschen Land-
straßen. Aber auch in unserer modernen ,,Welt auf Schienen“ gilt noch immer das be-
kannte Sprichwort „Wie man sich bettet, so liegt man“, das sich gerade für den Eisen-
bahnoberbau mehr denn wie an anderer Stelle in seiner allerwörtlichsten Bedeutung
oftmals bewahrheitet hat. Ein noch so kunstgerecht abgefederter Schlafwagen, von einer
an unangenehmen Begleiterscheinungen wie Nicken, Zucken und Schlingern freien
Maschine gezogen, wird auf einer schlecht gelegten und ausgefahrenen Gleisstrecke nicht
besser laufen als ein ungefederter Güterwagen.
Diese Erfahrungstatsache des Großbetriebs ist leider im Modell- und Spielzeugwesen
nur wenig, man kann sagen, überhaupt nicht in Betracht gezogen und der Oberbau und
dessen Gleisführung recht stiefmütterlich behandelt worden. Die in Deutschland üblichen
Spiel- und Lehrmittelschienen bestehen aus gerolltem Weißblech und sind gewöhnlich
auf nur drei gestanzten Schwellen desselben Materials aufgelötet (Abb. 51). In letzter
Zeit geschieht die Vereinigung von Schiene und Schwelle vielfach auch auf rein mecha-
nischem Wege durch zwei kleine, aus der Oberfläche der Schwelle herausgedrückte Blech-
lappen oder Wülste, die sich zangenförmig um den Schienenfuß herumkrallen. Die Ver-
bindung der einzelnen Schienenelemente untereinander erfolgt vermittelst zweier diagonal
oder wechselseitig an den Enden angebrachten Drahtstifte, die in den hohlen Schienen-
kopf des Gegenstückes eingeführt werden. Auf diese Weise kommt stets ein Stift einem
Loch gegenüber zu hegen, gleichviel, mit welchen Enden auch die einzelnen Schienenstücke
zusammengefügt werden. Ein unzeitgemäßes Loslösen der Schienenverbindung verhindert
eine an der Bolzenseite angebrachte, durch eine Feder arretierte Klammer, die mit ihrem
als Widerhaken ausgebildeten Ende in ein entsprechendes Loch im Steg der Nachbar-
schiene eingreift. Ein anderes, von der Wirklichkeit noch mehr abweichendes Sicherungs-
mittel ist die vielfach angewandte Schwellenkupplung. Eine in den Seitenwänden der
Schwelle gelagerte Drahtkurbel wird mit ihrem anderen, schleifenförmig gekröpften Ende
durch einen rechteckigen Schlitz in die Höhlung der Nachbarschwelle eingeführt und dann
durch eine Vierteldrehung arretiert.
Dieser wegen seiner technischen Unrichtigkeit pädagogisch verfehlte, die Jugend irre-
leitende Oberbau besitzt neben diesen Nachteilen noch den geringer Haltbarkeit. Ein
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