Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 74
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Die Darstellung des Signalwesens.


„Wo an vielen blanken Gleisen
Weiß und gelb und rot und grün
Bunte Lichter Wege weisen,
Stetig wechselnd hell erglüh’n . .
rtur Fürsts ,,schützende“ und ,,seltsam gestikulierende
Arme der Signalmaste“ bilden, wie schon der am Schluß des
vorigen Kapitels erwähnte Mangel einer Abhängigkeit
zwischen Ausschalteschiene und Signalflügel andeutete, als
Vertreter der Sicherungsanlagen wohl die am meisten ver-
nachlässigte Abteilung der gesamten eisenbahntechnischen
Spielzeug- und Lehrmitteldarstellung, da hier mehr denn je ,,das Geistchen fehlt, das
Exaktheit heißt“. Trotz der so leicht zu beobachtenden Vorbilder hat man es nicht
verstanden, das Vorsignal als ein bloßes Benachrichtigungssignal für die zu erwartende
Stellung des Hauptsignals von diesem als Befehlssignal zu trennen. So erklärt es sich
auch, daß man die Ausschalteschiene mit dem Haupt- statt Vorsignal in Abhängigkeit
gesetzt hat. (Abb. 79.) Die Folge davon ist, daß der Zug nach dem Einschnappen der
Bremsen infolge der innewohnenden lebendigen Kraft erst ein beträchtliches Stück, den
sogenannten Bremsweg, hinter dem Hauptsignal zu stehen kommt, was als Überfahren
des Hauptsignals nach der deutschen Signalordnung ein hartes Vergehen bedeutet.
Würde man jedoch die Ausschalteschiene zwischen Vor- und Hauptsignal anbringen
oder zur leichteren konstruktiven Durchführung der Abhängigkeiten direkt am Vor-
signal selbst, so würden bei dessen Halt-Stellung die Lokomotivbremsen einschnappen
und die Geschwindigkeit des Zuges derart verringern, daß er vorschriftsmäßig vor dem
in richtiger Bremslänge der Lokomotive aufgestellten Hauptsignal zum Halten kommt.
Auf diese Weise wäre dann ein der Wirklichkeit entsprechender Vorgang bei einer
Einfahrtsverweigerung dargestellt und dem Knaben ein belehrendes Beispiel von der
Wechselwirkung zwischen Vor- und Hauptsignal gegeben.
Merkwürdigerweise wird das Vorsignal vielfach in einer Formals Spielzeug ausgeführt,
wie sie nur als Ausnahmefall für die Bayrische Staatsbahn verwandt wird. Diese Ab-
weichung ist dadurch gekennzeichnet, daß bei Übergang von der Halt- in die Durch-
fahrtsstellung der Signalteller nicht wie in Preußen zwecks Unsichtbarmachung durch
eine Viertelkreisdrehung in die horizontale Lage umklappt, sondern sich die Hälften
der nunmehr geteilten Scheibe zu einem schräg nach aufwärts gerichteten Flügel mit
der Bedeutung ,,Fahrt-Frei“ aneinanderlegen (Abb. 78). Wenn man aber bayrisches
Signalwesen durchführen will, so muß man auch entsprechend der zweiten Ausnahme-
stellung dieses Staates in der deutschen Signalordnung Folge leisten und für das Haupt-
signal das Zeichen Ruhe mit senkrecht nach unten gerichtetem Signalarm und blauem
Licht hinzufügen, welches angibt, daß in dem so gedeckten Gleis eine Zugfahrt nicht zu
erwarten ist und Verschiebebewegungen ohne Gefahr darauf vorgenommen werden
können. Eine Vereinigung von halb preußischem und halb bayrischem Signalwesen dagegen
ist unstatthaft und der aufklärenden Belehrung nur schädigend.
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