Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 85
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Dreizehntes Kapitel.
Aufklärung durch das nichtbetriebsfähige Modell.
,.Modelle ziehen den Menschen unwidersteh-
lich an. Es ist der uralte Spieltrieb, der un-
bewußt soviel Großes geschaffen hat.“
Max Eyth.
as Bestreben, die Schwierigkeiten in der Herstellung eines
wirklich einwandfreien und betriebsfähigen, d. h. sich selbst
treibenden Lehrmittelmodells zu umgehen, hat zu dem
einfachen Bewegungs- und Schnittmodell geführt, das aus
diesem Grund seiner nahen Verwandtschaft bereits im
dritten Kapitel behandelt und auch durch die Abbildungen
133—136 näher erläutert wurde. Während das betriebs-
fähige Modell als Universallehrmittel für private Aufklärung im engeren Familienkreis,
das Bewegungs- und Schnittmodell für allgemeine Aufklärung in Museen und Hochschulen
in Betracht kommt, stellt das einfache Teilmodell als Ausschnitt der vorher in ihren
Gesamtheit durch Anschauungsbilder vorzuführenden Maschine ein beliebtes, jedoch viel-
fach noch unvollkommenes Lehrmittel in den Schulen dar.
Für den Fall der Erläuterung der Lokomotive ist natürlich in erster Linie die Steuerung
als Seele des Ganzen zu berücksichtigen, weil sie den wagrecht auf den Kolben wirken-
den Dampfdruck in die rotierende Bewegung des Triebrads umsetzt. Abbildung 140
zeigt den heute noch in Schulen gebräuchlichen Normaltyp eines solchen Durchschnitts-
modells für die liegende Anordnung einer Dampfmaschine. Der Antrieb erfolgt hierbei
durch die Hand vermittelst einer auf der Schwungradwelle sitzenden Kurbel, um so
durch langsames, jederzeit zu unterbrechendes Weiterdrehen für jede Kurbelstellung
die zugehörige von Kolben und Schieber in ihrer gegenseitigen Wechselwirkung zu ver-
anschaulichen. Im Gegensatz zu den speziellen stehenden Modellen, die vielfach auch
die Wirkungsweise des Fliehkraftreglers und seines Einflusses auf die Drosselklappe in
der Dampfzuführungsleitung erläutern wollen, ist das allgemeinere liegende Modell wegen
seiner den Lokomotivzylindern gleichkommenden Lage vorzuziehen. Vielfach werden
derartige Modelle auch als Inhalt sogenannter Experimentierkästen für den Privatgebrauch
zusammengefaßt.
Während bei dieser Gruppe von Modellen immer nur ein Teil der betreffenden
Maschine, nicht aber seine Lage zu der ganzen Maschine selbst behandelt wird, tritt durch
Hinzufügung des bildlichen Ausdrucksmittels eine Erweiterung auf historische Maschinen,
vor allem aber die Lokomotive ein. Die gesamte Maschine erscheint hier in bildlicher
Form, wo es nötig, auch im Schnitt dargestellt; bewegliche Teile aber sind beweglich
geblieben und werden durch Drehen der Kurbelwelle in gegenseitige Beziehung zuein-
ander gesetzt. Dies gilt z. B. von Seinigs Schichtenmodell (Abb. 137), welches gleich-
zeitig durch die abnehmbare Oberschicht zur Bloßlegung des darunter befindlichen Längs-
schnittbildes (Abb. 138) seinem Namen entsprechend in die später behandelte Gruppe der
aufklappbaren Schichten- und Faltmodelle hinüberleitet. Wenn auch dieses eines der
besten und in seiner ganzen Aufmachung die Wirklichkeit klar veranschaulichenden
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