Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 95
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wohlgelungen, daß sie, wie z. B. das Rathaus zu Wernigerode oder das Tor zu Rothen-
burg o. d. Tauber der Tuttibogen, wert sind, den Schulsammlungen einverleibt zu werden.
Die oben geschilderte Entwicklung, die, vom Ankersteinbaukasten ausgehend, heute
über den Maschinen- bis zum englischen Eisenbahnbaukasten vorgeschritten ist, hat hier
leider noch keine Parallele gefunden. Bahnhofsanlagen wie Stationsgebäude, Güter-
hallen, Tunnels und Brücken waren daher ihres baulichen Charakters wegen das Nächst-
liegende, während das Eisenbahnbetriebsmaterial selbst nur in einem einzigen ,,Eisen-
bahnzug“ als völlig veraltetes, vierbogiges Modell im Schulwartkatalog aufgeführt ist.
Nähere Umfragen in den einschlägigen Spielwaren- und Lehrmittelgeschäften trafen bei
den Inhabern wiederholt auf das Bedauern, daß trotz der namentlich um die Weihnachts-
zeit so regen Nachfrage ein der Neuzeit entsprechender eisenbahntechnischer Modellier-
bogen leider immer noch nicht erschienen sei.
Demgegenüber legt Basset-Lowke, Northampton, den Hauptwert auf die Lokomotive.
Wird dies schon in der Bezeichnung des Great Northern Railway Train als ein ,,Card-
board Model of G. N. R. Atlantic Express Locomotive No. 251 and Carriages“ deutlich
zum Ausdruck gebracht, so enthält der ,,Young Model Maker“ einen Modellbogensatz
allein zur Herstellung einer 2-A-l Midland Express Locomotive ,,The Princess of Wales“
mit Drehgestell-Tender. Schwieriger anzufertigende Teile, wie Schornstein, Dom und
Sicherheitsventil, sind maschinell gepreßt, ebenso Rundholz als Radachsen wie Draht für
Hand und Geländerstangen besonders beigegeben, um an Hand eines ausführlichen
Anleitungsheftes ein wirklich lehrreiches Lokomotiv-Pappmodell zu ermöglichen. Die
Einführung eines ähnlichen Modellierbogens nach diesem auf Grund von Erfahrungen
vorbereiteten englischen Beispiel wäre auch in Deutschland ein vorzügliches Hilfsmittel,
einem jeden Knaben auf billigem Wege eine Eisenbahn und mit dieser eine Interessen-
weckung sowie Vorstellung von der mannigfachen Typengestaltung der Lokomotiven zu
geben. Auch der einfache Papp-Modellierbogen eröffnet hier ein noch jungfräuliches
Gebiet volkstümlicher Jugendaufklärung.
Wie sehr man aber gerade in unserer wirtschaftlichen Notlage mit dem Wahlspruch:
„Unserer Hände Kraft
Neues Leben schafft“
auf die Entwicklung der Handfertigkeit unserer Jugend hinzielt, zeigt das deutsch-
österreichische Anschluß-Notgeld der Stadtgemeinde Hallein bei Salzburg (Vignette
Seite 151). So gibt der 10 Hellerschein das Bild eines an der Hobelbank beschäftigten
Knaben mit der Unterschrift „Schülerwerkstätte Hallein“ wieder und läßt sogar die er-
forderlichen Handwerkszeuge in ihren Wandschränken deutlich erkennen, während die
im Sinne des Uhrzeigers zu lesende Umschrift in steirischer Mundart nach Erklärung
des Bildes:
„Wer no nöt bastln ko,
Lernt's da in der Schui“
den treuherzigen Wunsch ausdrückt:
„Daß ondaswo a so wird,
Söll war's, was i wui.“ —
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