Strauss, Walter
Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für Hochschule, Schule und Volksaufklärung — Darmstadt, 1922

Page: 108
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Aufklärung durch das Bild.


„In keinem Berufe ist die Unwahrheit, die
Lüge, so sicher, bestraft zu werden wie bei
uns .... Wir sind unerbittlich an die großen,
ewigen Gesetze der Natur gebunden und
müssen wahr sein, ob wir wollen oder nicht.“
Max Eyth.

ie die Zeichnung die „Sprache des Ingenieurs“darstellt,

so muß ebenso das Anschauungsbild, wenn auch nicht
für sich allein, so doch in Verbindung mit Text oder
Vortrag als ein vollwertiges Aufklärungsmittel heran-
.■**»^ «'.• gebildet werden. Je weniger aber erläuternde Worte
notwendig sind, um so vollkommener ähnelt das Bild der Zeichnung des Ingenieurs in
seiner Fähigkeit als sprechender Überbringer und Erklärer einer bestimmten Idee oder
Vorrichtung. Ähnlich der Einteilung der Lehrmittelmodelle läßt sich auch hier hinsichtlich
der Staffelung nach Bewegungszu- bzw. -abnahme eine Gruppierung vom starren, leblosen
Bild bis zum beweglichen Film über das plastisch wirkende Stereoskop, das Klapp-,
Schieb- und Faltmodell und teilbewegliche Diapositiv feststellen.
Was nun die Darstellung der Lokomotive durch Schulwandbild oder -karte anbetrifft,
so ist hier merkwürdigerweise ein ganz beklagenswerter Tiefstand zu verzeichnen. Im
Gegensatz zu der peinlichen Sorgfalt in der Kontrolle der Schulbücher, die bei den gering-
sten Änderungen, ja sogar bloß Neuordnungen des Stoffes eine „völlig veränderte“ Neu-
auflage nötig machten, sind die Fortschritte des modernen Lokomotivbaues, überhaupt
des ganzen Eisenbahnwesens wie auch der modernen Reproduktionskunst, spurlos vor-
übergegangen. Der Grund mag vielleicht einmal in der leider immer noch vorkommenden
Bequemlichkeit mancher Lehrer liegen, erläuternde Abbildungen, auch wenn sie im
Lehrmittelkabinett vorhanden sind, zur Lebendiggestaltung des Unterrichtes nicht
heranzuziehen, das andere Mal in der versäumten Verständigung mit der Industrie
und den Literaturabteilungen der Firmen bei der Herstellung der Tafeln.
Ein noch so erfahrener Pädagoge kann kein Ingenieur sein, jedoch muß die heute
nicht mehr seltene Benutzung der Eisenbahn, wozu die monatlichen Wandertage wie
auch die Ferienfahrten öfters Gelegenheit geben, immer klarer die Rückschrittlichkeit
derartiger Schultafeln, wie sie die Abbildungen 158—160 wiederzugeben versuchen, zum
Bewußtsein kommen lassen und eine der Neuzeit entsprechende Reform in die Wege
leiten. Ein wertvolles Anregungsmittel hierzu bieten die Schulmuseen, die als eine be-
ständige Musterausstellung von Lehrmitteln durch geeignete Gegenüberstellung guter
und schlechter Beispiele erzieherisch und fördernd einwirken können.
Wie herrlich aber muß es sein, nach vorangegangener Erklärung der Lokomotive an
Hand eines zeitgemäßen, der Wirklichkeit entsprechenden, technisch richtig durchge-
führten Anschauungsbildes nun während eines Wandertages seiner aufhorchenden Klasse
beim Verlassen des Zuges einmal zur Maschine vorzugehen und hier die Theorie durch
die Praxis zu befestigen, denn „was das Auge sieht, glaubt das Herz“, hat schon der Alt-
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