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Strauss, Walter
Von eisernen Pferden und Pfaden: Lebensbilder aus dem Reiche der Lokomotive — Hannover, 1924

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GELEITWORT.

bisher leider der Allgemeinheit verloren ging. Aber auch manches geläufige Dichterwort möge
hier, in Beziehung zum eisernen Pferd und Pfad gebracht, in ganz neuartiger Bedeutung zum Be-
wußtsein kommen und oft seine Erfüllung in dem heutigen Eisenbahnwesen verkörpert sehen. So
soll es ein fröhliches Durcheinanderschallen fremder Stimmen sein, ein buntes Kommen und Gehen
längst vertrauter Gestalten aus den Frühlingstagen der Eisenbahn bis auf unsere heutige Zeit.
Doch wie die Allmacht der Natur unser Herz ergreift, ohne daß wir wissen, von welchem
lateinischen Namen diese Pflanze, von welchem Gestein jener Felsen, so soll auch das Erbe des
Altmeisters Stephenson zu uns sprechen allein aus sich selbst heraus, ohne Diagramm und Formel,
ohne Tabellen und Zahlenwerte. Denn die vorliegende Bildersammlung will und kann ja auch
kein Lehrbuch sein in ihrer knappen Form, sondern nur ein Erholungsbuch für des Tages Feier-
abend, eine Heerschau des Eisenbahnwesens. Wie viele Bilderatlanten gibt es doch aus
Natur- und Geistesleben und wie viele werden noch täglich neu erscheinen! Nur eines ward
und wird immer wieder stiefmütterlich vergessen: das der Eisenbahn und seiner so reichen
Poesie.
,,Edelmann, Bettelmann, Bauer, Soldat, alle haben ihren Dichter gefunden,“
klagt Max Eyth,
,,dem Künstler, dem Handwerker, dem Kaufmann, dem Arzt, dem Juristen, dem Theologen
haben bedeutende Schriftsteller ein Denkmal errichtet. Wir sind noch immer fast leer aus-
gegangen.“
Möge daher die folgende Sammlung der Grundstock für das erste Internationale Eisenbahnkunst-
album werden, wie es der Verfasser bereits vor Jahren in seinem früheren Werk über
Modellwesen*) ausführlich unter Nennung verschiedener charakteristischer Bilder entwickelte,
und manchen Leser dazu anregen, nun auch seinerseits ein Scherflein zum Gelingen in Wort
und Bild beizutragen. Es wird ihm hierfür zu allen Zeiten herzlicher Dank gewiß sein.
Und darum, Ihr Kritiker und Philister, die Ihr mit Eurer Hornbrille im gelben Schein
der Diogeneslaterne unseren Fußspuren folgt, schüttelt nicht Eure bezopften Puderköpfe über
den Zickzackweg, den wir vielleicht gegangen, frei und ungeachtet jeder geographischen Be-
ziehungen, ohne Wegweiser dreifacher Integrale, aber als schauende Menschen. Vergebt nicht
das eine, daß der eiserne Pfad die ganze Welt umspannt. Das alles zu sehen darum
nicht möglich war, und manches, das wir gern gesehen hätten, uns verschlossen blieb durch die
widerrechtliche Besetzung des Ruhrgebietes und seiner für das Eisenbahnwesen so grund-
legenden Industrie. Vergebt das nicht! Steckt Eure spitzigen Gänsekiele wieder ein und denkt
lieber mit Dankbarkeit der großen Zahl rheinländischer Firmen, die ungeachtet der schweren
wirtschaftlichen Krisis ihrer und eines ganzen Volkes Existenz das Beste gaben, was sie besaßen,
und kostenlos Bilder und Druckplatten zur Verfügung stellten. Schließt darum rasch wieder
Eure Unheil bergenden Tintenfässer und freut Euch mit, daß es in der harten Zeit überhaupt
noch möglich war, ein neues Buch zu schaffen, um uns allen, die wir so arm geworden sind an
Freude und innerem Schauen, eine stille Stunde des sorgenfreien Ausrollens zu bereiten. Erkennt
darum den guten Willen und helfet mit, über der Not des Tages den Triumph des hundert-
jährigen Geschlechts des eisernen Pferdes, unserem Nachwuchs nicht vergessen zu machen.
Allen denen aber gegenüber, die da mit Justinus Kerner noch immer glauben, daß
,,Voin Dampfer und vom Segelschiff
Und von des Dampfwagens wildem Pfiff“
das Idyll des Posthornes zerstört sei,
*) „Die Darstellung des modernen Eisenbahnwesens, insbesondere der Lokomotive, als Lehrmittel für
Hochschule, Schule und Volksaufklärung“, Kap. XVI „Aufklärung durch das Bild“. Frankh's Technischer
Verlag, Dieck & Co., Stuttgart.

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