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Strauss, Walter
Von eisernen Pferden und Pfaden: Lebensbilder aus dem Reiche der Lokomotive — Hannover, 1924

Page: [138]
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EINSCHIENENBAHNEN: SCHWEBEBAHN BARMEN—ELBERFELD.

ebenfalls Zeit, langsam aus der Schräglage in die Normallage zurückzukehren, so daß ein Pendeln
nicht ein tritt. Konnten doch die Wagen auch dann noch nicht zum Schwingen gebracht werden,
als bei einseitiger Besetzung alle Fahrgäste auf Kommando sich plötzlich erhoben und auf die
aiidere Wagenseite hinübersetzten.
Daß trotz ihrer Eigenartigkeit die Elberfelder Schwebebahn die, wenn auch nicht, wie
einst geplant und auf ein kurzes Probestück bereits ausgeführt, in Berlin (Bild 702) als Stadt-,
so doch in Loschwitz als Bergschwebebahn (Bild 701) in Deutschland Nachahmung fand, an
Poesie den normalen Standbahnen nicht nachsteht, beweist die der Natur abgelauschte Auf-
nahme des Bildes 703: während von dem auf dem Mittelstrang heranfahrenden Wagen vorerst
nur der Boden zu erkennen ist, läßt die Wasseroberfläche der Wupper bereits den ganzen Wagen-
kasten erkennen, gleichzeitig ein malerisches Spiegelbild der hier die Hauptstrecke unter-
schneidenden und im Vordergrund des Bildes mit dieser durch Weichen in Verbindung stehenden
K ehrschleife gebend.
So schuf das eiserne Pferd und sein eherner Pfad schon zu allen Zeiten und in jeder Gestalt
ihrer so mannigfaltigen Entwickelungsformen ein Wunderreich des Märchens und der Poesie
und wird es auch auf alle Zukunft hinaus immer bleiben. Allen denen aber, für die das freudige
Bekenntnis Max Eyths:

,,Die Welt, seihst die sogenannte gebildete Welt, fängt an, zu erkennen, daß in einer
schönen Lokomotive mehr Geist steckt als in der zierlichsten Phrase, die Cicero gedrechselt,
in dem rollendsten Hexameter, den Virgil jemals gefeilt hat44,

noch immer nicht zutrifft, möge das, was die vorliegenden Einblicke in das Erbe Stephensons
als einen nur geringen Bruchteil seiner Schönheit offenbaren können, zum Nachdenken anregen
und ihnen für künftige Fahrten Auge und Herz öffnen, daß sie einst von der Welt des rollenden
Flügelrades mit demselben Stolze sprechen, wie er in den Versen 0. Baumanns wiederklingt:

,,Brause, du Feuerroß,
Fort mit dem Wagentroß,
Fernhin enteilend auf eisernem Pfad!
Über dem Talesgrund
Und durch den Felsenschlund
Bahnt sich den Weg das geflügelte Rad!

Schallend im Widerhall
Donnert der Erdenwall,
Donnert die Brücke, die vierfach sich türmt,
Wenn mit des Windes Flug
Tosend der lange Zug
Uber die Schienen, die dröhnenden, stürmt.
Sprühende Flammenglut,
Schäumende Wasserflut,
Fülle den Schoß dir in lodernder Brunst.
Doppeltes Element,
Feindlich allsonst getrennt,
Einet die schaffende, menschliche Kunst.
Mächtige Riesenkraft!
Lehen und Segen schafft
Deiner Getriebe gewaltig’ Gebraus!
Rings um das Erdenrund
Knüpfest den Völkerbund,
Tauschest die Schätze der Erde du aus!

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