Cantor, Moritz
Die römischen Agrimensoren und ihre Stellung in der Geschichte der Feldmesskunst : eine historisch-mathematische Untersuchung / von Moritz Cantor: eine historisch-mathematische Untersuchung — Leipzig, 1875

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Punkte, während der Grundgedanke derselben von allen
wissenschaftlichen Eichtungen gleichmässig anerkannt wird,
anerkannt zugleich was aus allen diesen Ergebnissen als
Kern sich herausschält: die Stetigkeit der Wissenschaft, ins-
besondere der Mathematik.
Um eines oft wiederholten, auch von uns in früherer
Zeit schon gebrauchten Bildes uns zu bedienen: es giebt
nur ein Hauptstromgcbiet geistiger Entwicklung, im Grossen
und Ganzen von Süden und Osten nach Norden und Westen
sich abdachend, überall auch in scheinbar wüstesten Gegenden
neue Zuflüsse erhaltend und in sich aufnehmend, wie überall
erquickende und befruchtende Niederschläge veranlassend.
Dass dieses Stromgebiet aus vielerlei Einzelgewässern sich
zusammensetzt, die in nebeneinander gebildeten Flussbetten
rinnen, dass zwischen den gleichlaufenden Senkungen Quer-
verbindungen nicht aller Orten bemerklich sind, das giebt
der Untersuchung nur einen erhöhten Reiz und macht es
möglich demselben grossen Zwecke der Klarlegung des ganzen
Verlaufs zu dienen, ohne stets dieselben Wege zu wandern.
Der Verfasser dieser Schrift beabsichtigt auch heute an
einem besonderen Theile der mathematischen Wissenschaften
nachzuweisen, wie der Entwicklung eines Volkes die eines
zweiten vorherging, die eines dritten folgte, wie Manches
unterwegs verloren ging, Anderes dafür eintrat, wie viel-
leicht nicht selten das Vollkommnere für eine Zeit lang dem
Unvollkommneren den Platz räumte, wie aber eine eigent-
liche, vollständige Stetigkeitsunterbrechung kaum jemals
nachzuweisen ist.
Wir haben als Titel dieses Büchleins die Stellung
der römischen Agrimensoren in der Geschichte der
Feldmesskunst gewählt. Wir wollen diesen Titel nicht
grade als mit dem Inhalte unbedingt sich deckend vertei-
digen. Die römischen Feldmesser werden einen räumlichen
Haupttheil zu bilden haben; ihre Werke werden vollstän-
diger, als es bisher geschehen ist, in dem mittleren Ab-
schnitte behandelt werden. Auf sie hinweisen wird was vor-
hergeht, von ihnen abhängig gemacht werden was nachfolgt.
Aber wir verwahren uns jetzt schon gegen einen allzu been-
genden Zwang, den der Titel uns nach der Meinung dieses
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