Cantor, Moritz
Die römischen Agrimensoren und ihre Stellung in der Geschichte der Feldmesskunst : eine historisch-mathematische Untersuchung / von Moritz Cantor: eine historisch-mathematische Untersuchung — Leipzig, 1875

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Geschichte der Geometrie. Für jeden Nachweis wird der
Verfasser dieser Arbeit höchst dankbar sein. Sind wir
doch überzeugt, dass jede Vermehrung des Materials nur
dazu beitragen kann, den Satz fester und fester zu stützen,
zu dessen Klarlegung gegenwärtige Untersuchung angestellt
wurde: Alles, was die Römer Mathematisches wussten, ent-
spricht dem griechischen Standpunkte dieser Wissenschaft,
etwa im Jahre 100 v. Uhr. Geb. Die Römer selbst mögen
in der Feldmesskunst, worin sie seit Alters Uebung hatten,
manche .praktische Neuerungen eingeführt haben; in der
Feldmesswissenschaft haben sie nur abgeschrieben, zuerst
den Ilcron von Alexandrien, später wahrscheinlich eine
älteste lateinische Bearbeitung dieses Schriftstellers, an
welcher jeder neue Abschreiber nur kleine stylistische Ver-
änderungen vornahm. Das wissenschaftliche Verständniss
hat dabei eher abgenommen als zugenommen. Der folgende
Abschnitt soll uns nun zeigen, wie sich das Gleiche bei den
Schülern der Römer fortsetzt.

Abschnitt III.
Die Schüler der Römer.
Die arithmetischen Aufgaben und Auflösungen, welche
sowohl in den Gesammtwerken des Beda Venerabilis, als
in denen des Alcuin zum Abdrucke gekommen sind 264),
bieten mancherlei, auch den Gegenstand unserer heutigen
Untersuchung Berührendes. Wem sie ursprünglich angehört
haben mögen, wir meinen, wer ursprünglich diese Sammlung
von Aufgaben tlieils ersonnen, theils und vielleicht zum
wichtigeren Theile zusammengetragen hat, kann uns ziemlich
gleichgültig sein, da er uns nur als Bestimmungsmoment für
eine Zeitgrenze dient, zu welcher man unter dem nachweis-
baren Einflüsse römischer Gelehrsamkeit stand. Dass in-
dessen die Zeit Alcuins innerhalb dieser Grenze liegt, bedarf
für Jeden, der die Biographie dieses Gelehrten kennt205),
keines Beweises, und .auch die Verfasserschaft der Aufgaben
zur Verstandesschärfung hat man ihm nicht ohne jeglichen
Grund zugesprochen. Es ist gradozu bezeichnende Art der
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