Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

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Zur Einführung.

!ilcr^s)ie Welt am Ende des 19. Jahrhunderts
stellt unter dem Zeichen des Verkehrs; er
I \\yM) durchbricht die Schranken, welche die
Völker trennen, und knüpft unter den
Nationen neue Beziehungen an.“ (Kaiser Wilhelm II.)
Die Eisenbahnen, obwohl die jüngste der großen
dem Verkehr dienenden Schöpfungen, sind in ihrer
machtvollen Entwicklung doch bereits an die Spitze
aller Verkehrsanstalten getreten. In der Mannig-
faltigkeit und Ausdehnung des technischen Apparats,
der Millionenzahl der beförderten Personen und Güter,
den Riesensummen der Geldanlagen und des Geld-
umsatzes, der Masse der beschäftigten Beamten und
Arbeiter und in der Einwirkung auf das gesamte Er-
werbsleben kommt den Eisenbahnen keine der anderen
Verkehrsanstalten gleich.
Wie die Eisenbahnen aller hochentwickelten
Länder der Welt, so haben auch die deutschen Eisen-
bahnen besonders große Aufgaben zu erfüllen. Daß
ihnen dies gelungen ist, darf man nach den erzielten
Erfolgen wohl annehmen. Auch das Urteil der Eisen-
bahnfachleute, die in immer größerer Zahl aus anderen
Ländern entsandt werden, um sich über die techni-
schen, Verkehrs- und Verwaltungseinrichtungen der
deutschen Eisenbahnen an Ort und Stelle zu unter-
richten, ist günstig. Jeder weitere Aufschluß über
unser heimisches Eisenbahnwesen wird diesen
Kreisen willkommen sein. Das gleiche gilt für die Be-
wohner solcher Länder, in denen Eisenbahnen ganz
oder teilweise noch fehlen.
Nicht minder wird es allen Klassen von Ge-
bildeten, namentlich auch unseres Landes selbst, er-
wünscht sein, über die Einrichtungen des deutschen
Eisenbahnwesens in ihrer neuesten Form und
Wirksamkeit Aufschluß zu erhalten. Der Eisenbahn-
betrieb vollzieht sich vor der breitesten Öffentlichkeit.
Unregelmäßigkeiten machen sich weiten Kreisen der
Bevölkerung unangenehm bemerkbar. Unfälle, so
selten sie im Verhältnis zu dem gewaltig gesteigerten
Verkehr glücklicherweise sind, treffen Menschen aus
allen Klassen der Bevölkerung; kein Wunder, wenn
daher viel über die Eisenbahnen geredet und ge-
schrieben wird. Nur zu oft aber geht aus solchen
Auslassungen hervor, wie sehr das Verständnis dafür
fehlt, welches vielseitige Wissen, welche Menge

geistiger Arbeit, welcher enorme technische Apparat
und ausgedehnter Dienstbetrieb, welche Fülle von
mechanischen und menschlichen Kräften dazu ge-
hören, um das Riesenwerk der Eisenbahnen jahraus
jahrein betriebssicher und leistungsfähig in rastloser
Bewegung zu halten.
Erwägungen solcher Art gaben Veranlassung zu
einem Werke, das in Ergänzung anderer zahlreicher
Bücher, die sich mit einzelnen Gebieten des Eisen-
bahnwesens befassen, in einer nicht nur für die
Eisenbahnbeamten aller Fachrichtungen, sondern auch
für alle anderen gebildeten Leserkreise verständlichen
Weise im Zusammenhang über den neuesten Stand
der sämtlichen Gebiete des deutschen Eisenbahn-
wesens Aufschluß gibt.
Diesem Zwecke will das nun vorliegende Werk:
„Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart“ die-
nen. Es besteht aus einer planmäßig geordneten
Reihe von Abhandlungen, die teils von praktisch
tätigen Fachmännern aller deutschen Staatsbahnver-
waltungen, teils von Professoren technischer Hoch-
schulen verfaßt sind.
Das Werk ist entstanden unter Förderung der
leitenden Verkehrsminister der deutschen Bundes-
staaten, in erster Linie des Königlich preußischen
Staatsministers und Ministers der öffentlichen Ar-
beiten v. Breitenbach und des Königlich bayri-
schen Staatsministers für Verkehrsangelegenheiten
v. Frauendorfer. Der Würdigung, die dem Buch durch
die obersten leitenden Staatsmänner zuteil geworden
ist, ist es zuzuschreiben, daß alle Angaben und Mit-
teilungen auf unbedingt zuverlässiger Grundlage be-
ruhen.
In erster Linie soll das Werk praktische Zwecke
erfüllen. Daher ist nur ein Kapitel, das erste,
der Darstellung des geschichtlichen Werdegangs der
deutschen Eisenbahnen gewidmet. Für die übrigen
Kapitel ist der Grundsatz leitend gewesen, daß es
nicht so sehr auf die Schilderung der Entstehung, als
vielmehr auf die Darstellung der Dinge in ihrer heu-
tigen Gestalt und Vollkommenheit ankommt.
Der Werdegang der deutschen Eisenbahnen ist
ein Stück der glanzvollen Entwicklung eines ehedem
mühsam um die Ernährung seiner Bevölkerung
ringenden Landes zu einem Lande allgemeinen Wohl-
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