Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

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Kapitel V.

Das Signal- und Sicherungswesen.
Von Hoogen, Geheimem Baurat und Vortragendem Rat im Ministerium der öffentl. Arbeiten in Berlin.



Etwa 700 Millionen Zugkilometer werden gegen-
wärtig im Jahre auf den deutschen Eisenbahnen ge-
fahren, mehr als 25 000 Lokomotiven, über 50 000 Per-
sonenwagen und etwa 600 000 Güterwagen bewegen
sich auf den Strecken und den Bahnhofsgleisen. 180
und mehr Züge werden — von den Stadt- und Vor-
ortbahnen ganz abgesehen -— auf vielen zweigleisigen
Strecken im Laufe eines Tages befördert, Schnell-
züge mit einer Geschwindigkeit von 90 bis 100 km in
der Stunde folgen sich im Abstand von wenigen
Minuten. Von drei, vier und mehr Richtungen
laufen auf den großen Bahnhöfen die Züge gleichzeitig
ein, dabei fahren auf den Nebengleisen die Lokomo-
tiven hin und her und von den Rangierbergen kommen
die Wagen, um zu neuen Zügen sich zu ordnen und zu
weiterem Lauf sich zu rüsten. Und alles dieses soll
sich schnell und pünktlich vollziehen, ohne Störungen
und ohne Gefährdungen von Menschen und Gut. Was
das bedeuten will, ist
für den dem Eisen-
bahnbetrieb Fern-
stehenden nicht leicht
zu übersehen; aber
das leuchtet ohne
weiteres ein, daß es
nur möglich ist, wenn
jeder dabei Beteiligte
in jedem Augenblick
seine bestimmten
Weisungen hat und
sie auf das genaueste
befolgt. Um die er-
forderlichen Befehle
und Anordnungen so
geben zu können,
daß sie leicht und
schnell, wie der Be-
trieb es erfordert,
aufgefaßt werden und
jede Zweideutigkeit
ausgeschlossen bleibt,
dazu bedarf es eines
gut durchgebildeten
Signalwesens. Doch
damit ist es nicht
Abb. 1. Hauptsignal genug. Fehler und
»Halt“. Irrungen haften jeder

menschlichen Tätigkeit an. Unheilvolle Folgen kann
im Eisenbahnbetrieb das kleinste Mißverständnis, ein
falscher Handgriff nach sich ziehen. Einrichtungen
zu schaffen, die unbedachte Handlungen und falsche
Anordnungen ausschließen, sie unter Nutzbarmachung
aller Hilfsmittel der modernen Technik immer weiter
auszugestalten und so die stetig steigenden Ansprüche
des Verkehrs mit den Forderungen der Pünktlichkeit
und Sicherheit des Betriebes in Einklang zu bringen,
ist Aufgabe des Sichernngswesens.

Signale ^c^on ’n ^er ers^en Zeit ^es Eisenbahn-
betriebes sind für gewisse regelmäßig
wiederkehrende Meldungen leicht aufzufassende, hör-
bare und sichtbare Zeichen — Signale — eingeführt
worden. Den verschiedenartigen Anforderungen des
Betriebes entsprechend, zum Teil beeinflußt durch
klimatische Verhältnisse und zufällige Einwirkungen
hat das Signalwesen
in den einzelnen
Ländern sich ver-
schieden entwickelt.
Sowohl in den Signal-
zeichen wie in den
dadurch ausgedrück-
ten Signalbegriffen
findet sich die größte
Mannigfaltigkeit.

Signalordnung
fiir die Eisenbahnen
Deutschlands.
Auf den deutschen
Bahnen wurde in den
wichtigsten Punkten
eine Einheitlichkeit
zuerst durch die
Signalordnung für
die Eisenbahnen
Deutschlands vom
4. Januar 1875 ge-
schaffen. Im Laufe
der Zeit ist diese
vielfach ergänzt und
weiter fortgebildet
worden. In der jetzt Abb- i , Hauptsignal
gültigen Form ist sie für das durchgehende Gleis.
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