Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

Page: 129
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1087-1/0128
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Kapitel VI.
Lokomotiven und Zubehör.
Von Müller, Wirklichem Geheimem Oberbaurat und Vortragendem Rat im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin.

1. Einleitung.
Die Dampflokomotive, deren Erfindung die Vor-
bedingung für die gewaltige Entwicklung der Eisen-
bahnen war, beherrscht auch heute noch die Zug-
förderung der Haupt- und Nebenbahnen Deutsch-
lands.
Das stetige und schnelle Anwachsen des Eisen-
bahnnetzes und der gewaltige Aufschwung des Ver-
kehrs hat einerseits ein außerordentliches An-
wachsen der für die Beförderung benötigten Loko-
motivzahl verursacht, anderseits aber auch immer
höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der
einzelnen Lokomotiven gestellt. Während die bei
Beginn der Eisenbahnzeit benutzten Lokomotiven
etwa 20—30 PS. (Pferdestärken) leisteten, besitzen
die neuesten deutschen Lokomotiven 1500 PS. und
mehr, ihr Dienstgewicht ist auf 138 t (einschl.
Tender) gestiegen.
Die unten und umstehend folgenden Tabellen
veranschaulichen das starke Anwachsen des Loko-
motivparks der deutschen Eisenbahnen seit dem
Jahre 1880 und die gleichzeitige, mit Erhöhung der
Leistungsfähigkeit Hand in Hand gehende Steigerung
des Lokomotivgewichts; sie geben gleichzeitig eine
Übersicht über das große, immer wachsende Kapital,

1880
1885
1890
1895
1900
1908
Lokomotivbestand (Anzahl)
Staatsbahnen . . .
7488
11529
13345
15256
18207
24691
Privatbahnen:
a) unter Staatsverwal-
tung.
b) unter eigener Ver-
1482
76
21
21
< 862
943
waltung ....
1899
845
822
830
)
zusammen
10869
12450
14188
16107
19069
25634
Anzahl Lokomotiven für 10 km
Betriebslänge
Staatsbahnen . .
3,31
3,52
3,50
3,64
3,95
4,65
Privatbahnen
a) unterStaatsverwal-
tung.
b) unter eigener Ver-
3,95
1,63
2,02
2,02
| 2,15
2,22
waltung ....
2,46
1,97
2,13
2,36
zusammen
3,19
3,32
3,37
3,54
3,80
4,47

das die Lokomotiven in ihrem Beschaffungswert
darstellen.
2. Einteilung der Lokomotiven.
Je nach der Bau- und Betriebsart der Eisen-
bahnen unterscheidet man
I. Reibungslokomotiven,
II. Zahnradlokomotiven,
III. Vereinigte Zahnrad- und Reibungslokomo-
tiven.
Bei den Reibungslokomotiven wird der zwischen Rädern
und Schienen vorhandene Reibungswiderstand, dessen Größe
von dem auf die gekuppelten Achsen der Lokomotive ent-
fallenden Lokomotivgewicht abhängig ist, zur Fortbewegung
der Lokomotive und des daran hängenden Zuges ausgenutzt.
Bei den Zahnradlokomotiven erfolgt die Fortbewegung
durch ein Zahnrad, das in eine zwischen die Schienen gebettete
Zahnstange eingreift.
Die Zahnradlokomotiven gelangen bei größeren Steigungen
zur Verwendung, da der Zugwiderstand mit zunehmender
Steigung so rasch wächst, daß eine Reibungslokomotive bei
einer Steigung von etwa 1 : 20 nur noch ein dem Reibungs-
gewicht gleiches Zuggewicht befördern kann. Bei den deutschen
Eisenbahnen ist deshalb für die Reibungsbahnen eine höchste
Steigung von 1 : 40 festgesetzt.
Die Reibungslokomotiven werden wieder ein-
geteilt in solche für Haupt-, Neben- und Kleinbahnen.

1880
1885’
1890
1895
1900
1908
durchschnittliches
Lokomotivgewicht
in Tonnen
Staatsbahnen . . .
39,73
40,09
40,11
41,06
43,90
50,35
Privatbahnen:
a) unter Staatsverwal-
tung .
b) unter eigener Ver-
42,99
37,93
31,04
31,61
>32,71
35,39
waltung ....
39,18
33,68
32,78
31,51
)
zusammen
40,08
39,64
39,68
40,66
43,40
49,80
Durchschnittsalter der im Betriebe
befindlichen Lokomotiven in Jahren
Staatsbahnen . . .
10,97
12,48
14,07
13,30
13,3
12,2
Privatbahnen
a) unter Staatsverwal-
tung .
b) unter eigener Ver-
9,82
10,94
14,08
13,13
11,8
12,9
waltung ....
11,38
12,81
14,81
14,52
)
zusammen
10,89
12,49
14,11
13,36
13,2
12,2
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list