Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

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Kapitel VII.

Personen-, Post- und Gepäckwagen.
Von Herr, Geheimem Baurat im Königlichen Eisenbahn-Zentralamt zu Berlin.

Grundlegende Vorschriften.

1. Allgemeines.
Für den Bau der Per-
sonen-, Qepäck- und
Postwagen, wie der Fahrzeuge der Eisenbahnen
Deutschlands überhaupt, gibt die Eisenbahn-Bau-
und Betriebsordnung vom 4. November 1904, gültig
vom 1. Mai 1905, die grundlegenden Vorschriften.
In ihr sind die zulässigen Abmessungen der Fahr-
zeuge sowie die Beschaffenheit wichtiger Einzel-
teile festgelegt, von denen nur unter Zustimmung
des Reichseisenbahnamtes abgewichen werden
darf. Daneben sind für diejenigen Betriebsmittel, die
auf Bahnen des Vereins deutscher Eisenbahnverwal-
tungen übergehen, die „Technischen Vereinbarungen
über den Bau und die Betriebseinrichtungen der
Haupt- und Nebenbahnen, Berlin 1909“ zu beachten.
Hierdurch ist besonders der internationale Verkehr
der Wagen geregelt.
Außer diesen auf freier Vereinbarung beruhen-
den, technischen und betrieblichen Bestimmungen
kommen noch für den internationalen Verkehr die
„Bestimmungen über die technische Einheit im
Eisenbahnwesen“ und die „Bestimmungen über die
zollsichere Einrichtung der Eisenbahnwagen im
internationalen Verkehr“, beides Bekanntmachungen
des Reichskanzlers vom 25. Mai 1908, sowie die
„Lübecker Bedingungen für den ausnahmsweise
stattfindenden Übergang einzelner Wagen in
Schnell-, Eil- und Personenzügen von einer Bahn zur
anderen im internationalen Verkehr“, gültig vom
1. August 1907 an,
in Betracht.
In der Hauptsache
sind in allen diesen
Vorschriften und
Vereinbarungen
unter Berücksich-
tigung der Umgren-
zung des lichten
Raumes diejenigen
baulichen Einzelhei-
ten festgelegt wor-
den, die die Über-
gangsfähigkeit der
Wagen auch auf
andere Bahnen

sichern. Dies sind im allgemeinen die Achsen-, Zug-
und Stoßvorrichtungen, Federn, Radstand und
Bremsen. Sie müssen so einheitlich ausgebildet sein,
daß die Wagen ohne weiteres auf die verschiedenen
Bahnen übergehen können.
2. Allgemeine wichtige Einzelteile für Wagen.

Achsen.

Von den erwähnten wichtigen Einzel-
teilen fällt zunächst den Achsen bezüglich
der Übergangsfähigkeit der Fahrzeuge eine Haupt-
rolle zu. Sie müssen in bestimmtem Abstande auf der
Welle feste Räder haben, die zur Führung in dem
Gleise am Umfange Spurkränze tragen. Ihre wesent-
lichen Abmessungen sind festgelegt. Auf den äußeren
Schenkeln der Achsen ruht mit Lagern und Federn
das Untergestell und auf diesem der Wagenkasten.

Zug- und Stoßvorrichtungen.


Abb. 1. Zug- und Stoßvorrichtungen. (Vergleiche Kap. X, Abb. 40 u. 41.)

Zur Verbindung mit
anderen Fahrzeugen
befinden sich an seinen beiden Enden Zug- und Stoß-
vorrichtungen. Erstere bestehen aus der Zugstange
mit Zughaken und der Kupplung, letztere aus den
Puffern. Beide Einrichtungen sind, um die auftreten-
den Zug- und Druckstöße aufnehmen zu können, mit
Federn versehen. Abb. 1 zeigt die allen Fahrzeugen
gemeinsame Anordnung dieser Teile.
Die Zugkraft wird bei allen Wagen durch die in
den Technischen Vereinbarungen vorgeschriebene
durchgehende Zugstange auf das Untergestell federnd
übertragen. Die gewöhnliche Anordnung ist aus
Abb. 1 ersichtlich.
Für die langen 4- und
6-achsigen Personen-
wagen genügen die
gewöhnlichen Puffer
nicht, weil sie beim
Durchfahren von Krüm-
mungen auf deren in-
neren Seiten stark zu-
sammengedrückt wer-
den und auch ineinander
greifen können. Es sind
daher die Puffer bei
diesen Wagen mit je
2 Federn versehen, und
durch Ausgleichhebel
miteinander verbunden,
so daß bei einem Stoß
zunächst die innere

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