Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

Page: 173
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Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart.

Ausnahmen in den letzten Jahren in Deutsch-
land hergestellt worden. Die rasche Zunahme
des Bestandes gibt also auch einigermaßen ein
Bild der Leistung des deutschen Wagenbaues. Von
1906 auf 1907 hat der Bestand an Güterwagen allein
um rund 31 000 Stück zugenommen.

Übersicht über den deutschen GfRenrage/iiesfandlvergl. umstehend).

Bestand an

Durchschnittliches

<D
G

5 «
o <+-
CD O
<D T3
J3 G

Güterwagen

Schau-
linie
a

Schau- Schau-
linie linie
b i c

£
(D
bJD
C
o>
5

£
<D
W>

Durchschnittliches

eines bedeckten Güter-
wagens in Tonnen

Schau-1 Schau-
linie ! linie
1 2

jbß
s

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bJD
(u
T3
a
—1

£
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bJD
O)
T3

U3

eines offenen Güter-
wagens in Tonnen

Schau-
linie
3

Schau-
linie
4

1880
1885
1890
1895
1900
1905
1909

75209
81911
89398
101283

143093
162846
191666
221480

1207U6 281978
134763307611
159790:373192

218302
244757
281064
322763
402684
442374
532982

6,74
6,81
7.01
7,39
8.01
8,51
8,94

9,35
9,45
9,68
10,81
12,10
13,01
13,51

1,39
1,39
1,38
1,46
1,59
1,53
1,51

5,51 9,78 1,78
5,79 i 9,99 ! 1,73
6,03 10,44 1,73
6,38 11,68 1,83
6,77 12,54 1,85
7,09 | 13,121 1,85
7,49 13,92 ! 1,86

Der Raddruck, d. h. die Belastung der
c senza i. gc]1jene unter jedem Rade, darf im all-
gemeinen 7 t nicht überschreiten. Um trotzdem für
Wagen mit großem Ladegewicht volle Freizügigkeit
zu erzielen, muß die Zahl der Achsen nach Bedarf
erhöht werden, und so unterscheidet man neben der
Regel - Bauart des 2-achsigen Wagens solche mit
3 und mehr Achsen.
Um auch in Krümmungen leichten Lauf zu er-
zielen, werden bei 4- und 6-achsigen Wagen je 2
bezw. 3 Achsen in einem Drehgestell vereinigt,
während bei 3 Achsen die mittlere seitlich verschieb-
bar angeordnet wird. Die weit auseinanderstehen-
den Endachsen werden in diesem Falle, wie auch bei
2-achsigen Wagen mit großem Radstande, nicht fest,
sondern als sogen. Lenkachsen (vergl. das voraus-
gehende Kapitel VII) so eingebaut, daß sie sich beim
Lauf in Krümmungen diesen anschmiegen können.
Nach diesen Gesichtspunkten unterscheidet man also
Wagen mit festem Radstande, mit Lenkachsen, mit
verschiebbarer Mittelachse oder mit Drehgestellen.
In Hinsicht auf die Länge der Wagen-Drehscheiben und auf
scharfe Krümmungen, für die Wagen mit festem Radstande nur
zugelassen werden können, wenn dieser ein bestimmtes Maß
nicht überschreitet, muß der feste Radstand und das etwaige
Vorhandensein von Lenkachsen und verschiebbaren Mittelachsen
an jedem Wagen angeschrieben sein; an Wagen mit Lenkachsen
und einem Radstand von mehr als 4,5 rn ist außerdem nach
internationaler Vereinbarung bei der Radstands-Anschrift das
Zeichen -<-©> anzubringen.
Nach der Verwendung unterscheidet man weiter Wagen
für den allgemeinen Frachtenverkehr — Betriebswagen — und
solche für die eigenen Zwecke der Eisenbahnen — Werkstätte-

und Arbeits- oder
Bahndienstwagen—,
nach dem Eigner
bahneigene und
Privatwagen, letz-
tere hinter der
Nummer mit [Fj
bezeichnet. Wie auf
dem ganzen Kon-
tinente, so sind
übrigens auch in
Deutschland weit-
aus die meisten
Güterwagen Eigen-
tum der einzelnen
Eisenbahnverwal-
tungen, nur ein
kleinerer Bruchteil,
zurzeit etwa 2 v.
H„ und zwar vor-
wiegend Wagen für
besondere Zwecke,
ist im Besitze von
Leihwagen - Gesell-
schaften und von
Industriellen.

Bremswagen.
Endlich bedingt
noch die Rück-
sicht auf den
Betrieb und die
Zusammen-
setzung der
Züge die Unter-
scheidung der
Wagen nach
solchen mit und
ohne Bremse,
mit durchgehender Bremse oder mit Leitungen für
solche. Der Gesamtbestand der deutschen Bahnen
an Güterwagen mit Bremse beträgt seit Jahren ziem-
lich genau 1/3 aller Güterwagen (vergl. Tabelle 14 der
Reichsstatistik).
Wenn schon diese allgemeine Übersicht auf die
Mannigfaltigkeit der Typen und Anordnungen von
Güterwagen schließen läßt, so ist zu verstehen, daß
so verschieden gestaltete Fahrzeuge doch in vielem
einheitlich ausgebildet, benutzt und unterhalten
werden müssen, sofern für sie die Möglichkeit der
Verwendung mit anderen Fahrzeugen und des Über-
gangs auf fremde Strecken sowie die Betriebs- und
Zollsicherheit gewährleistet werden soll, mit anderen
Worten, wenn für sie in engerem und weiterem Ge-
biet Freizügigkeit beansprucht wird.
Einheitlichkeit in diesem Sinne wird gewahrt durch die Vor-
schriften der nachgenannten Verordnungen und Vereinbarungen::
a) zunächst als rein deutsche Verordnungen die Betriebs-
ordnung und die Militär-Eisenbahn-Ordnung, Teil C, Be-
stimmungen, betr. die Ausrüstung und Einrichtung von
Eisenbahnwagen für Militärtransporte;

Boom


Abb. 2. Schaulinien
des deutschen Güterwagenbestandes.
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