Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

Page: 251
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1087-1/0250
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Kapitel XIII.

«r

Die Bahn-Bewachung.
Von A. Bake, Finanz- und Baurat in Dresden.

1. Die Streckeneinteilung.
In Kap. XXVII wird des Näheren dargelegt, welche
Verwaltungsbehörden und Ausführungsstellen in den
einzelnen Staatsgebieten zur Verwaltung der Eisen-
bahnen eingesetzt sind. Unter den obersten
Ministerialbehörden wirken Generaldirektionen oder
Eisenbahndirektionen und diesen sind für die Be-
wachung und Unterhaltung der Bahn Ämter oder In-
spektionen unterstellt. Die Einteilung der Direktions-
bezirke in Ämter oder Inspektionen erfolgt im all-
gemeinen nach dem Grundsätze: „der Vorstand soll
in der Lage sein, jeden Punkt seines Bezirks mög-
lichst rasch und bequem zu erreichen und seine ge-
samten Dienstgeschäfte noch persönlich in verant-
wortlicher Weise zu leiten“. Deshalb ist auch überall
die frühere Gepflogenheit, den Ämtern oder In-
spektionen geschlossene Bahnlinien zuzuteilen, auf-
gegeben und die Aufteilung einer größeren Linie
unter mehrere Stellen vorgezogen worden.
Unter den Ämtern oder Inspektionen wirken
Bahnmeistereien, die innerhalb ihres Dienstbereichs
den Bahnunterhaltungs- und Bahnbewachungsdienst
auszuüben, das Grundeigentum der Staatseisen-
bahnen zu beaufsichtigen und bauliche Herstellungen
auszuführen oder zu überwachen haben.
Die Länge einer Bahnmeisterei richtet sich nach der Art
der Bahnen als ein- oder mehrgleisige, nach der Größe der ein-
bezirkten Bahnhöfe und nach dem Geschäftsumfange. Sie wird
außerdem durch die Bestimmung beeinflußt, daß der Bahn-
meister, ohne ständige Unterstützung, seinen Bezirk bei Haupt-
bahnen in der Regel täglich einmal begehen soll. Bei Neben-
bahnen stehen ihm zur Bereisung langer Strecken wohl auch
Fahrräder zur Verfügung. Die Länge einer Bahnmeisterei be-
trägt im Durchschnitt 13 km und schwankt zwischen 5 und
60 km, je nachdem es sich um große Bahnhöfe, doppelgleisige
Hauptbahn oder Nebenbahnen handelt. Für Bahnunterhaltungs-
zwecke kommen auf eine Bahnmeisterei der Hauptbahnen
durchschnittlich etwa 30 Rottenarbeiter, und auf etwa 12 Rotten-
arbeiter je ein Rottenführer, während bei Nebenbahnen die
Rottenführer meist entbehrlich sind und die Gleisunterhaltungs-
arbeiten durch die Bahnwärter mit je 1 bis 2 Arbeitern aus-
geführt werden.
Die Länge der Balmwärterstrecken beträgt auf
Hauptbahnen bis zu 5000 m und auf Nebenbahnen
bis zu 14 000 m, während den Streckenläufern (s. d.)
auf Hauptbahnen Strecken bis zu 10 km und auf
Nebenbahnen bis zu 15 km Länge zugewiesen werden.

In einzelnen Pällen werden diese Längen nicht er-
reicht, in anderen jedoch auch überschritten.
2. Die Streckenbewachung.
, , „ Die Betriebssicherheit erfordert,
a) gemeines. (jaß jecje Ejsenkaillistrecke plan-
mäßig und dauernd auf das sorgfältigste bewacht und
untersucht wird. Zu diesem Zweck sind seitens der
deutschen Eisenbahnverwaltungen peinlich ge-
ordnete Maßnahmen unter Aufwendung eines er-
heblichen Teiles ihrer Betriebseinnahmen getroffen
worden.
Im Sinne der Betriebsordnung für die Haupt-
eisenbahnen Deutschlands gilt eine Haupteisenbahn
als bewacht, wenn sämtliche Stationen, Blockposten
und Schienenübergänge auf die Dauer des Verkehrs
der Züge und der einzeln fahrenden Lokomotiven
besetzt sind. Dabei gelten Schienenübergängc als
besetzt, wenn ihre Schranken verschlossen sind oder
durch Drahtzüge bedient werden. Untersucht ist die
Bahn, wenn die Wärter ihre Strecken begangen und
hierbei deren ordnungsgemäßen Zustand gründlich
geprüft, sowie die ihnen obliegenden Unterhaltungs-
arbeiten ausgeführt haben. Die Betriebsordnung
fordert, daß diese Untersuchung auf den ordnungs-
mäßigen Zustand täglich, d. i. innerhalb 24 Stunden,
3 mal erfolge. Der Rückweg von der Begehung
auf ein- oder zweigleisigen Bahnen gilt nur
dann als eine neue Untersuchung, wenn zwischen
dem Ende des Hinwegs und dem Anfänge des
Rückwegs ein entsprechend großer Zeitraum liegt.
— Nebeneisenbahnen, die mit einer Geschwindig-
keit von mehr als 15 km in der Stunde befahren
werden, gelten nach der Bahnordnung für die
Nebeneisenbahnen Deutschlands als bewacht, wenn
verkehrsreiche oder unübersichtliche Schienenüber-
gänge oder sonstige Stellen, die mit besonderer Vor-
sicht befahren werden müssen, während der Vorüber-
fahrt der Züge und einzelner Lokomotiven besetzt sind.
Bei dichter Zugfolge und größerer Fahrgeschwindig-
keit (bis zu 40 km/Stde.) bleiben der Verwaltungs-
behörde weitere Maßnahmen Vorbehalten. Die
Untersuchung einer Nebenbahn auf ihren ordnungs-
mäßigen Zustand hat täglich während der Tageszeit
einmal zu erfolgen.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list