Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

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Kapitel XIV.
Die Unterhaltung der Gleis- und Weichenanlagen.
Von R. Scheibe, Finanz- und Baurat bei der Generaldirektion der Sächsischen Staatsbahnen in Dresden.

1. Ungünstige Einwirkungen äußerer Kräfte auf den
Oberbau und ihre Bekämpfung.
Allgemeines. ?ie Q’eise’ d"ren vorschriftsmäßige
Lage für den Betrieb außerordentlich
wichtig ist, erleiden durcli atmosphärische Vorgänge,
durch Wärme und Kälte, sowie durch Drücke und
Stöße der Fahrzeuge Beanspruchungen, die diese
Lage, wie aucli die dauernd feste Verbindung der
Schienen mit den Schwellen oft ändern. Es erscheint
deshalb folgerichtig, nicht nur diesen Einflüssen
große Aufmerksamkeit zuzuwenden, sondern auch
vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Es lassen sich
durch gewisse einmalige Mehrausgaben beim Bau
dauernde Mehrausgaben bei der Bahnunterhaltung
vermeiden.

A. Einflüsse atmosphärischer Niederschläge und der Wärme-
schwankungen.
Wasser mul Eis. Eindrhigendes Regen-und Schnee-
wasser bewirkt, wenn es nicht bald
wieder ablaufen kann, namentlich bei Eintritt von
Frost oder durch Aufweichen des Unterbaues in der
Bettung Veränderungen, die die Schwellen in ver-
verschiedene Höhenlage bringen und die vollständige
und gleichmäßige Druckübertragung aufheben, so daß
Schienen und Schienenverbindungen übermäßig, im
ungünstigsten Falle bis zum Bruche, beansprucht
werden und Entgleisungen die Folge sein können.
Der beste Schutz in dieser Hinsicht besteht in gut
ableitenden Seitengräben, ausreichendem Quergefälle
der regulierten Bettungssohle und einer gut durch-
lässigen, unten womöglich aus fester Packlage und
oben aus hartem Steinschlage bestehenden Bettung.
Sind in nicht genügend entwässerten Strecken Hebungen
kurzer Gleisteile durch Auffrieren entstanden (sogen. Frost-
buckel), so werden sie, solange der Frost anhält, auf den nicht
oder weniger gehobenen Schwellen durch unter die Unterlags-
platten geschobene Brettstücke ausgeglichen.

Ver Schwächung durch Oxydationen.

Übermäßige Verrostung
und daher Schwächung
der Schienen, der Eisenschwellen und des Kleineisens tritt ein,
wenn die atmosphärischen Niederschläge aus der Luft viel zer-
setzende Säuren aufnehmen können (Nähe gewisser industrieller
Anlagen) oder wenn von Kohlenwagen oder anderen Fahrzeugen
säurehaltige Wässer auf die eisernen Gleisteile tropfen. Ebenso
wirken in Tunnels die oxydierenden Rauchgase schädlich auf
die eisernen Teile des Oberbaus, weshalb von den meisten Ver-

waltungen in den Tunnelstrecken Holzschwellen selbst dann ver-
wendet werden, wenn auch im übrigen Eisenschwellen in Ge-
brauch sind.
Ein zeitweise wiederholter Anstrich der Eisenteile auf der-
artigen Strecken mit Steinkohlenteer, öl- und Fettabgängen
aus den Werkstätten usw., wie dies z. B. bei der sächsischen
Verwaltung üblich ist, bietet in solchen Fällen einen guten
Schutz.

e ■ i Großen Einfluß auf das Ver-
Temperaturwirkimgen. , _
Halten des Überbaues, ins-
besondere der Schienen, übt die Temperaturänderung
aus. Wenn auch durch Herstellung von Stoßlücken
und von Langlöchern in Schienen oder Laschen der
Möglichkeit der Ausdehnung und Zusammenziehung
Rechnung getragen ist, so kommt es durch die bereits
in Kap. III erwähnten und weiter unten noch ein-
gehender behandelten Wandererscheinungen der
Schienen häufig zum Verschwinden dieser Zwischen-
räume. Bei Eintritt großer Hitze häufen sich dann
in den Schienensträngen Spannungen von solcher
Größe an, daß bei Störung des Gleichgewichts-
zustands im Gleise (Beseitigung der Schwellenver-
füllung oder Lösung der Schienenbefestigung an ein-
zelnen Stellen bei Ausbesserungs- oder Auswechse-
lungsarbeiten) eine plötzliche Änderung der ganzen
Gleisanlage — Gleisverwerfung — mit unter Um-
ständen schweren Betriebsfolgen eintreten kann. Ein
gleicher Zustand wird herbeigeführt, wenn die
Laschen so fest an die Schienen gepreßt werden,
daß jede gegenseitige Verschiebung verhindert wird.
Entsprechende Stoßlücken bei nur mäßigem Anzuge
der Laschenschrauben sind sonach äußerst wichtige
Erfordernisse der Bahnunterhaltung.

B. Einflüsse der Bewegung der Fahrzeuge.
. Die dynamischen Nebenwirkungen
gemeines. ^ pa]irzeuge ergeben oft schon in
kurzer Zeit unwillkommene Erscheinungen im Gleise.
Die für die Befahrung so überaus geschätzte Elasti-
zität guter, neuer Gleise, wie sie jetzt bei allen
deutschen Verwaltungen gebaut werden, kann durch
ungehemmte Fortwirkung der dynamischen Bean-
spruchung der Gleisteile zur völligen Unbrauchbar-
keit der letzteren führen. Diese von der Bahnunter-
haltung viel Umsicht und Aufmerksamkeit heischen-
den Einflüsse sind im wesentlichen folgende:
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