Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

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Kapitel XVI.

Die Betriebsmaterialien, insbesondere zur Lokomotivfeuerung.
Von W. Kuntze, Geheimer Baurat in Berlin.

Allgemeines.
Die Materialien, Stoffe und Waren aller Art, die
zur Anlage, Instandhaltung und Betriebsfiihrung der
Eisenbahnen nötig sind, pflegen bei den deutschen
Eisenbahnen in die drei großen Gattungen: Oberbau-
und Baumaterialien, Werkstattsmaterialien und Be-
triebsmaterialien eingeteilt zu werden. Über die
Oberbau-, Bau- und Werkstattsmaterialien, die zum
Bau und zur Instandhaltung der Bahn, ihrer Anlagen
und Fahrzeuge gebraucht werden, geben Kap. II und
XV näheren Aufschluß.
Alle übrigen Materialien werden unter dem Be-
griff Betriebsmaterialien zusammengefaßt. Das Be-
triebsmaterialienwesen der Eisenbahnen ist unge-
mein vielseitig, weil die Art und der Umfang des
Eisenbahnbetriebes nicht nur große Mengen selbst an
sich unbedeutenderer Stoffe und Waren erfordert, son-
dern auch in ganz besonderem Maße eine planmäßige
Unterhaltung fast aller Materialiensorten erheischt,
damit die für das Erwerbsleben des Volkes unerläß-
liche Stetigkeit des Eisenbahnverkehrs nicht beein-
trächtigt wird. Um einen Überblick über das
Betriebsmaterialienwesen darzubieten, mögen nur
die Materialien im Zusammenhänge genannt werden,
die in großen Massen für den Betrieb der Eisen-
bahnen zu beschaffen sind. Es sind dies Kohlen
(Stein- und Braunkohlen), Koks und Briketts, Holz
zu Brennzwecken, Holzkohlen in gewöhnlichem und
brikettiertem Zustande; öle aller Art wie rohes und
gereinigtes Rüböl, Petroleum, Zylinderöl, Schmieröl,
Putzöl, Desinfektionsöl; Putzbaumwolle (Garn-
abfälle) sowie Tücher, Leder, Pulver, Lappen und
Creme zum Putzen; Besen, Seife, Soda, Stärke, Fette
aller Art; Lampen und ihre zahlreichen Einzelteile
wie Dochte, Glühkörper, Kohlenstifte, Kerzen,
Stearin, Lampenzylinder und -Glocken; Kaicium-
carbid, Kalk, Teer, Gas, Spiritus, elektrischen Strom
und Wasser; Telegraphenmaterialien wie Bittersalz,
Kupfervitriol, Schreibfarbe, Kupfer- und Zinkpole,
Trockenelemente, Papierstreifen; Schreib-, Zeiclmen-
und Druckereimaterialien, Stoffe zu den Dienst-
kleidungen der Bediensteten.

Mengen und Geldwerte.

Unter den Betriebsmate-
rialien nehmen die Stoffe,
die zur Lokomotivfeuerung dienen, nach ihrer Menge,
ihrem Geldwerte und den mechanischen Anlagen, die
bei ihrer Verladung und bei der Speisung der Loko-
motiven benutzt werden, den ersten Platz ein. Die
Aufwendungen der deutschen Eisenbahnen für den
Ankauf von Betriebsmaterialien aller Art erreichen
für das Jahr 1910 mehr als 9 % der gesamten Be-
triebsausgaben oder in runder Summe 220 Mil-
lionen Mark. Die Verzinsung der Kapitalschuld ist
also hierbei nicht berechnet. Bei den preußisch-hessi-
schen Staatseisenbahnen werden 173,7 Millionen
Mark für diesen Zweck verausgabt, wobei noch zu be-
achten ist, daß etwa 11 Millionen Tonnen als Betriebs-
dienstgut von den Kohlengebieten, den Landesgrenzen
oder den Erzeugungsorten bis zu den Verbrauchs-
stellen frachtfrei befördert werden, und daß ferner
noch für 17,4 Millionen Mark Wasser, Gas und Elek-
trizität angekauft wird, deren Beschaffung oder Her-
stellung in bahneigenen Werken einen ähnlichen
Kostenaufwand verursachen würde. Auch dieser Be-
trag ist zum größten Teile auf die Beschaffung von
Feuerungs-, Beleuchtungs- und Schmierstoffen in An-
rechnung zu bringen. Von den wirklich gezahlten Be-
trägen ist der für die Feuerung der Lokomotiven mit
122 Millionen Mark bei weitem am bedeutendsten,
und man findet daher bei den wirtschaftlichen Auf-
stellungen nicht allein die Gesamtbeträge für die ein-
zelnen Arten der Heizstoffe eingesetzt, sondern es
werden auch eingehende Vergleiche angestellt, wie
sich die Menge und der Preis in den einzelnen Bahn-
gebieten im Vergleich zu den nutzbringenden
Leistungen verhalten. So entfielen z. B. bei den
preußisch-hessischen Staatsbahnen im Jahre 1910
auf 1000 gefahrene Lokomotivkilometer 226,27 M.
und auf 1000 Wagenachskilometer 8,39 M. Aus-
gaben für Kohlen, Öl und sonstige im Be-
triebe verbrauchte Stoffe; übrigens wurden ins-
gesamt 729 Millionen Lokomotivkilometer und
19 662 Millionen Wagenachskilometer gefahren.
Die Lokomotivfeuerung allein erfordert 9,6 Mil-
lionen Tonnen Steinkohlen, Steinkohlenbriketts und
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