Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart. (Bd. 1) — Berlin, 1911

Page: 306
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Kapitel XVII.

Das Fahrplanwesen.
Von Ministerialrat Ruckdeschel im K. Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten in München.

1. Wesen, Zweck und Arten des Fahr-
planes.
Der Fahrplan hat die Aufgabe, die Regelmäßig-
keit und Pünktlichkeit der Beförderung und damit
auch die Sicherheit des Betriebes zu gewährleisten.
Er setzt die Verkehrszeiten der Eisenbahnzüge
zwischen der Anfangs- und Endstation einer Strecke,
also die Ankunfts- und Abgangszeiten auf den
Stationen und die Streckenfahrzeiten fest und bildet
die Richtschnur für den gesamten Zugverkehr.
Nach den in Deutschland geltenden Grundsätzen
muß jeder Zug nach einem bestimmten Fahrplan ver-
kehren.
Auch die Zusammenstellung der Einzelfahrpläne
aller Züge eines Verkehrsgebietes wird Fahrplan ge-
nannt.
Allgemein wird zwischen Personenzugs- und
Güterzugsfahrplan unterschieden. Der Personen-
zugsfahrplan regelt den Verkehr der Schnell- und
Eilziige, Personenzüge und der lediglich die Post be-
fördernden Züge. Im Güterzugsfahrplan wird übungs-
gemäß auch der Verkehr der Eilgüter-, Güter- und
Viehzüge geregelt.
Schließlich unterscheidet man nach der äußeren
Darstellung noch den Aushängefahrplan, bildlichen
Fahrplan und die Kursbücher.
Entsprechend der Entwicklung des Eisenbahn-
wesens seit Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden
auch die Fahrpläne immer vielgestaltiger. Im Anfang
gestattete die Einfachheit der Verhältnisse, den
gleichen Fahrplan sowohl für das Publikum als für
den Dienstgebrauch zu verwenden.
Mit der Zunahme des Verkehrs und insbeson-
dere unter dem großen wirtschaftlichen Aufschwung
Deutschlands Ende der 70 er Jahre verdichtete sich
der Zugverkehr derart, daß die Fahrpläne immer
komplizierter wurden.

Infolge dieser mächtigen
Entwicklung war die Tren-
nung der Fahrplandarstel-
lung für die verschiedenen
Gebrauchszwecke, d. i. für die Bedürfnisse
1. des reisenden Publikums,

Trennung der Fahrpläne
für die verschiedenen
Gebrauchszwecke.

2. des Dienstgebrauchs innerhalb der Verkehrs-
verwaltungen
geboten.

1. Fahrplan für das Publikum.
Die Bedürfnisse des Publikums erforderten eine
übersichtliche Darstellung der sämtlichen Fahr-
gelegenheiten aller einzelnen Strecken, der Über-
gangsmöglichkeiten von einer Strecke zur anderen
und der Anschlüsse auf größere Entfernungen für
weite Reisen.
Hiermit war der Weg vorgezeichnet, den die
Fahrplandarstellung für das Publikum zu beschreiten
hatte. Von den meisten Verwaltungen wird zur Er-
reichung dieses Zweckes die tabellarische Darstel-
lung gewählt. Sie ist sowohl den Kursbüchern als
den Wandfahrplänen zugrunde gelegt.
Die einheitliche Bezeichnung der Tageszeiten in den Fahr-
plänen nach dem bei der Mehrzahl der deutschen Verwaltungen
bereits eingeführten Systeme wurde auf der Sommerfahrplan-
Konferenz Hamburg Januar 1886 angenommen. Hiernach
werden die Nachtzeiten von 6 Uhr abends bis 5,59 Uhr morgens
durch Unterstreichung der Minutenzahlen kenntlich gemacht.
Die Minutenzahlen sind hierbei stets in zweistelligen Zahlen
auszudrücken, z. B. 12,03. Bei zahlreichen außerdeutschen Ver-
waltungen werden die Tages- und Nachtzeiten durch-
numeriert von 1 bis 24 Stunden. Auf der Fahrplan-Konferenz
in Wiesbaden Januar 1887 wurde auch eine einheitliche Be-
zeichnung der Fakultativaufenthalte der Personen befördernden
Züge in den Fahrplänen, wenn genügender Raum vorhanden,
X = Halt nach Bedarf,
a = Halt nur zum Aussteigen,
e = Halt nur zum Einsteigen.
unter gleichzeitiger Beifügung der Verkehrszeiten beschlossen.

, , , , , Die Aushang- oder Wandfahr-
us taut, a rp an. p|dne steuen jm wesentlichen auf
jedem Blatt nur den Fahrplan der Züge von einer
oder mehreren Strecken tabellarisch dar. Sie werden
auf einer Anzahl von Einzelblättern gedruckt, wobei
die zusammengehörigen Fahrpläne auf einem Blatte
erscheinen. Im übrigen darf der Inhalt der Wand-
fahrpläne als bekannt vorausgesetzt werden.
, , In Deutschland müssen die
Veröffentlichung der FahrpBne gemäß dcr § 10
Fahrplane. der deutschen Eisenbahn-Ver-
kehrsordmmg enthaltenen Vorschrift von allen Eisen-
bahnverwaltungen vor ihrem Inkrafttreten veröffent-
licht und auf den Stationen ausgehängt werden. Aus
ihnen müssen Gattung, Wagenklassen und Abfahrts-
zeiten, für die größeren Übergangs- und die End-
stationen auch die Ankunftszeiten der Züge sowie
die wichtigeren Zuganschlüsse zu ersehen sein. Die
ausgehängten Fahrpläne des eigenen Verwaltungs-
bezirkes müssen auf hellgelbem, die anderer inlän-
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