Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

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B.

Braunschweigische Eisenbahnen. Die
im Herzogtum Braunschweig gelegenen Eisen-
bahnen umfassen Linien der ehemaligen braun-
schweigischen Eisenbahngesellschaft —seit 1884
preußische Staatsbahnen, - ferner Stücke der
Privatbahnlinien Halberstadt-Blankenburg, der
braunschweigischen Landeseisenbahn und der
Braunschweig-Schöninger Eisenbahn.
1. Braunschweigische Eisenbahn-
gesellschaft. Das Herzogtum Braunschweig
war der erste Staat Deutschlands, der eine
Eisenbahn auf eigene Kosten erbaute und in
Betrieb nahm. Der braunschweigische Finanz-
direktor August von Arnsberg trat schon
1824 für den Plan einer Schienenverbindung
der Städte Braunschweig und Hannover mit
den Seestädten Hamburg und Bremen ein.
Wenn auch die Regierung von Braunschweig
zur Verwirklichung dieses Plans alles Wohl-
wollen betätigte, so scheiterte doch das Unter-
nehmen schon an den vielfachen Bedenken
und Vorurteilen, die man den Eisenbahnen
damals noch entgegenbrachte. Erst 10 Jahre
später wurde der Gedanke wiederaufgenommen,
und trat die braunschweigische Regierung mit
der hannoverischen in Verhandlungen. Ihr
Ergebnis war der Vertrag vom 30. April 1834
- der erste deutsche Staatsvertrag über Anlegung
von Eisenbahnen — wonach Hannover für
den Fall der Herstellung von Eisenbahnen
zwischen den Städten Hannover, Bremen und
Harburg die Anschlüsse von Braunschweig
aus gestattete. Allein die hannoverische Re-
gierung zögerte, ihre Zusicherung einzuhalten,
da man dem Wettbewerb infolge der Einbe-
ziehung Braunschweigs in das hannoverische
Netz fürchtete.
Nun faßte Arnsberg den Plan, zunächst im eige-
nen Lande eine Eisenbahn, u. zw. auf Staatskosten,
zu bauen, und dann die Fortsetzungen, u. zw.
zuerst nach dem Harz, in Angriff zu nehmen.
Die Regierung war alsbald gewonnen, und
als die Landstände das für die Erbauung der
Bahn notwendige Kapital bewilligt hatten, j
konnte mit der Ausführung im Sommer 1837
begonnen werden. Die Arbeiten wurden der-
art gefördert, daß die Bahn bis Wolfenbüttel
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. 111.

(1L75 km) schon am 30. November 1838 be-
triebsfähig war. Die ganze Bahn war vorläufig
nur für den Personenverkehr bestimmt und
auch der Maschinen- und Wagenpark bestand
zunächst nur aus 3 in England beschafften
Dampfwagen und 12 Personenwagen, von
denen nur einer in England, die übrigen in
Braunschweig gebaut waren. Der Güterverkehr
wurde erst später eröffnet.
Im Februar und April 1841 kamen Staats-
verträge mit Preußen und Hannover zu stände,
wonach nunmehr die Verbindung Braun-
schweigs mit Magdeburg und Hannover durch
Erbauung der Bahnen von Wolfenbüttel nach
Oschersleben (53*90 km) und von Braun-
schweig nach Hannover, d. h. Braunschweig
bis Landesgrenze bei Vechelde (18*58 km)
sichergestellt wurde. Mit Eröffnung dieser
Linien am 10. Juli 1843 und 19. Mai 1844,
war eine große Verkehrstraße zwischen dem
Westen und Osten Deutschlands geschaffen.
Allmählich wurde das Netz erweitert. Zunächst
wurde am 5. August 1856 die Bahn von Börs-
sum nach Kreiensen (60*54 km) dem Betrieb
übergeben und der Anschluß an die Hannover-
Kassel-Frankfurter Bahn erreicht. Nachdem die
Strecke Jerxheim-Helmstedt (23*20 km) am
20. Juli 1858 eröffnet war, trat, abgesehen
von der Herstellung der Zweigbahn Büdden-
stedt-Trendelbusch (4*22 km), bis 1864 ein
Stillstand in dem Weiterausbau ein. Erst am
10. Oktober 1865 konnte die Strecke Kreien-
sen-Holzminden (46*66 km) dem Betrieb über-
geben werden; als am 1. Juli 1868 auch
die Strecke Jerxheim-Börssum (23*20 km) voll-
endet wurde, war damit über die Strecke
Oschersleben-Holzminden eine neue Verbin-
dung zwischen Berlin-Magdeburg und der
westfälischen Eisenbahn geschaffen L
Im Jahre 1870 wurden die im Betrieb stehen-
den Linien an die Darmstädter Bank verkauft,
u. zw. unter glänzenden finanziellen Bedingungen,
indem dem Land Braunschweig nicht nur eine
Kaufsumme von 1 1 Milk Talern, sondern über-
dies für die Zeit von 64 Jahren (bis 1932)
1 v. Mühlenfels im Archiv für Eisenbahnwesen.
1889, S. 42 ff.

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