Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 2
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0011
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
9

Braunschweigische Eisenbahnen.

noch der Genuß von jährlich 875.000 Talern
gesichert war. Die Darmstädter Bank trat die
Bahnen an eine Privatgesellschaft ab, die
unter der Firma „Braunschweigische Eisen-
bahn gesell Schaft“ 1871 ins Leben gerufen
wurde. In der Zeit der Privatverwaltung erfuhr
das Netz keine nennenswerte Ausdehnung, da
die Gesellschaft zunächst mit den Wirkungen
der finanziellen Krise von 1873 und 1874 zu
kämpfen hatte und außerdem in allen finan-
ziellen Unternehmungen an die Zustimmung der
Bergisch - Märkischen und Berlin - Potsdam-
Magdeburger Eisenbahn gebunden war, die die
gesamten Aktien der braunschweigischen Eisen-
bahngesellschaft an sich gebracht hatten. Es
gelangten zur Eröffnung: die Linien Seesen-
Gittelde (Landesgrenze) am 1. September 1871
(15*42 km), Braunschweig-Königslutter am
1. Juli 1872 (23 km), Königslutter-Helmstedt
am 15. September desselben Jahres (16 km),
ferner Neuekrug-Langelsheim am 15. Sep-
tember 1877 (9*81 km), Salzderhelden-Einbeck
am 10. September 1879 (4*21 km), Langels-
heim - Goslar (7 km) und Goslar - Grauhof
(6 km) am 1. März 1883. Außerdem hatte
die braunschweigische Eisenbahngesellschaft
die preußische Staatsbahnstrecke Vienenburg-
Goslar und die llmebahn in Betrieb. Als in
den Jahren 1880 und 1882 die Bergisch-
Märkische und Berlin-Potsdam-Magdeburger
Bahn verstaatlicht wurden, ging ihr Besitz an
Aktien der Braunschweigischen Eisenbahnge-
sellschaft auf den preußischen Staat über;
später wurden die Bahnen dem Netz der
preußischen Staatsbahnen einverleibt (Staats-
vertrag zwischen Preußen und Braunschweig
vom 27. und 30. Juni 1884, Vertrag mit der
braunschweigischen Eisenbahngesellschaft vom
31. Dezember 1884 und 3. Januar 1885, Ge-
setz vom 23. Februar 1885). Am 1. April 1885
übergab die Direktion der braunschweigi-
schen Eisenbahngesellschaft die Verwaltung
und den Besitz des gesamten beweglichen
und unbeweglichen Vermögens an die vom
preußischen Staat eingesetzte Behörde, die
„königliche Direktion der braunschweigischen
Eisenbahn
Der preußische Staat gewährte den Inhabern
der Aktien (36 Milk M.) bis zum Eintritt
der Liquidation eine feste jährliche Rente
von 1 Y2 0I0 des Nennbetrages, also von 9 M.
für die Aktie von 600 M. und übernahm die
Prioritätsschuld (13 Milk M.), sowie die 5 % ige
Rentenschuld von 50,187.699 M. Nachdem die
kgl. Direktion der braunschweigischen Bahnen
die Aufgabe der Überleitung in die neuen
Verhältnisse erfüllt hatte, wurde sie mit
1. April 1886 aufgehoben und der größte

Teil des Netzes dem Eisenbahndirektionsbezirk
Magdeburg, der Rest der kgl. Eisenbahn-
direktion Hannover unterstellt. Die preußische
Staatsregierung hat sich den Ausbau der B.
in weitem Umfange angelegen sein lassen.
Die preußischen Staatsbahnen im Herzogtum
Braunschweig haben zurzeit einen Umfang von
rund 433 km, darunter 342 km Hauptbahnen.
2. Halberstadt-Blankenburger Eisen-
bahn mit dem Sitz der Gesellschaft und Di-
rektion in Blankenburg (Harz), ist infolge des
Staatsvertrages zwischen Braunschweig und
Preußen vom 19. November 1869 von der
braunschweigischen Regierung unterm 16. April
1870 und von der preußischen Regierung
am 8. Juli 1870 für die Strecke Halber-
stadt-Blankenburg (18*87 km) konzessioniert
worden. Am 29. Juli 1870 wurde mit dem
Bau bei Blankenburg begonnen und die
Bahn am 31. März 1873 dem Betrieb über-
geben. Von dieser Bahn liegt nur das Stück
Blankenburg bis Börnecke auf braunschwei-
gischem Gebiet (4*14 km), während der Teil
Halberstadt-Börnecke zu dem preußischen Re-
gierungsbezirk Magdeburg gehört (14*73 ^//z).
Im Jahre 1875 schritt die Gesellschaft auf
Grund einer Konzession vom 30. Oktober 1874
an die Herstellung einer Bahn von Blanken-
burg nach den Harzer Werken zu Rübeland
und Zerge (3*46 km). Diese auf braunschwei-
gischem Boden gelegene Eisenbahn, die fast
ausschließlich für die Beförderung der Hütten-
erzeugnisse diente, wurde am 24. Juli 1875 er-
öffnet. In den Jahren 1884 und 1885 hat die
braunschweigische Regierung den weiteren
Ausbau der Halberstadt-Blankenburger Eisen-
bahn in der Richtung nach Tanne in
den Harz durch finanzielle Unterstützung
ermöglicht und es wurden die Linien Blan-
kenburg-Hüttenplatz (3’4 km), Hüttenplatz-
Rübeland (10-10 km), Rübeland-Elbingerde
(3*90 km), Elbingerde-Rothehütte (6*35 km)
und Rothehiitte-Tanne (6*80 km) unterm 20. De-
zember 1884 und 20. April 1885 konzessioniert.
Die Llalberstadt-Blankenburger Eisenbahn ist
eine normalspurige Nebenbahn und bietet
besonders in der Strecke Blankenburg-Tanne
insofern ein hervorragendes Interesse, als hier
zum ersten Mal für eine gleichzeitig dem
Personen- und Güterverkehr dienende Bahn
die Abtsche Zahnstange zur Anwendung ge-
kommen ist, u. zw. abwechselnd mit Strecken
von geringerer Steigung, auf denen Ad-
häsionsbetrieb stattfindet. Die Länge der
Halberstadt-Blankenburger Bahn beträgt zur-
zeit rund 87 km.
3. Braunschweigische Landeseisen-
bahn, Privateisenbahngesellschaft, die in be-
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list