Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 8
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BremsaufsiclitsdiensL - Bremsbrutto.

und Handhabung der Bremseinrichtungen
der Fahrzeuge auf die Sicherheit bei der Ab-
wicklung des Fahrdienstes nimmt, wenden die
Bahnverwaltungen der übergeordneten Kon- I
trolle des Bremsdienstes ein besonderes Augen-
merk zu. U. a. hat das österreichische Eisen-
bahnministerium verfügt, daß bestimmten, mit
dem Bremsdienst besonders vertrauten In-
genieuren der Direktionen, der Werkstätten und
Heizhäuser, außer sonstigen Obliegenheiten, die
Pflicht auferlegt wird, die Einhaltung der Vor-
schriften für die Instandhaltung und Handhabung
der Bremsen strengstens zu überwachen sowie
das unterstehende Personal zu prüfen und ent-
sprechend zu unterweisen. Austin.
Bremsberge sind zweischienige Standseil-
bahnen mit Schwerkraftsantrieb, bei denen
in der Regel die bergab gehenden beladenen
Wagen die leeren Wagen wieder aufwärts
ziehen.
Beide Wagen hängen daher an einem Seile,
das durch Rollen unterstützt wird und
das über die am oberen Ende der Bahn an-
geordnete Triebrolle oder Seilscheibe ge-
schlungen ist.
.Man kann auch zwei getrennte Seile ver-
wenden, die mit der gleichen Triebrolle fest
verbunden sind. An der Seilscheibe wirkt eine
Band- oder Backenbremse, die den Kraft-
überschuß des abwärts gehenden beladenen
Wagens abzubremsen und die Fahrgeschwin-
digkeit, die meist 1 - 2 ////Sek. beträgt, zu
regeln hat.
Bei der Abwärtsfahrt des beladenen und
Aufwärtsfahrt des leeren Wagens ändern sich
die Längen, daher die Gewichte der mit den
Wagen verbundenen Seile; es muß sohin die
erforderliche Bremswirkung wechseln.
Bei gleichbleibenden Gewichten und un-
veränderten Laufwiderständen der beiden Wagen
kann man die Neigungsverhältnisse der Bahn
so wählen, daß der Einfluß der Seilgewichts-
unterschiede unschädlich gemacht wird.
Der theoretisch richtige Längenschnitt wird
hiernach durch eine Parabel zu bilden sein.
Da aber die Einhaltung der parabolischen
Bahnform meist recht hohe Baukosten er-
fordert, die B. aber billige Fördermittel sein
sollen, und daher dem vorhandenen Gelände
tunlichst angepaßt und meist mit verschiedenen
Neigungsverhältnissen ausgeführt werden, so
findet häufiger Wechsel der Kräfte und Wider-
stände statt, der eine dauernde Bedienung der
Bremse an der Seilscheibe erfordert. Der '
Längenschnitt muß in jedem Falle so ange-
ordnet sein, daß das Seil von den Rollen nicht
abgehoben wird.

Damit die erforderliche Wirkung am Brems-
berge erreicht wird, muß die Bedingung er-
füllt sein:
(Q' + Q“) Qu sin u > Q'sinß-f (2 Q'-fQ")
w qh* - qh“ Ar C + W.
Hierin bezeichnen:
Q‘ das Gewicht des leeren Wagens,
Q" die Nutzlast des beladenen Wagens,
a und (3 die Neigungswinkel der Bahnstellen,
an denen sich der beladene und der leere
Wagen befinden,
w der Laufwiderstand der Wagen, wobei
genau genug cos a = cos (3 — 1 gesetzt werden
kann,
q das Seil gewicht für 1 rn Länge,
h' und //" die Höhenabstände des leeren
und beladenen Wagens vom oberen Bahn-
ende,
C die gesamten Widerstände des über Rollen
laufenden Seiles,
W die Widerstände der am oberen Bahn-
ende angeordneten Seilscheibe.
Als Drahtseil wird in der Regel ein Litzen-
seil mit Kreuzschlag verwendet, das zur Ver-
meidung größerer Widerstände und Abnutzung
über Rollen läuft, die in Abständen von 5 bis
15 m in den Gleisen angeordnet sind.
Die B. haben bei kürzeren Längen zwei
Gleise, bei großen Längen jedoch, um
an Baukosten zu sparen, auch nur ein Gleis
mit selbsttätiger Ausweiche in der Mitte, dort,
wo der abwärts- und aufwärtsgehende Wagen
sich begegnen. Statt auf 2schienigen Stand-
gleisen können die Wagen auch auf je einem
Tragseile laufen.
Die B. finden, abgesehen vom Bergbaue,
namentlich für Bauzwecke, im Steinbruch-
betriebe, auch für andere Lastförderungen
von der Höhe nach abwärts zweckmäßige
Verwendung. Über die Einzelheiten der Seile,
Rollen, Seilscheiben, Ausweichen sowie über
andere Anordnungen mit Schwerkraftantrieb
s. Seilbahnen. Dolezalek.
Bremsbrutto (total weight to be braked ;
poids freine du train; peso del treno frenato),
die Summe der durch die bremsbaren Achsen
des Zugs auf die Schienen übertragenen Ge-
wichtsdrücke.
Unter Bremsprozenten (percentage of
brake power; pourcentage de freinage; per-
centuale del peso frenante) ist das auf 100
Teile des Zugsgewichts (Bruttowagengewichts)
entfallende B. zu verstehen.
Die Größe des B. ist nach der Größe des
für eine gegebene Neigung und für eine be-
stimmte Zugsgeschwindigkeit sowie für das
Anhalten innerhalb der angestrebten Brems-
weglänge erforderlichen Bremswiderstands zu
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