Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 16
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Bremsbrutto. - Bremsen.

Bei den schweizerischen Eisenbahnen, die
das B. ebenfalls nach der Achsenzahl bestimmen,
gilt derzeit vorstehende Bremstabelle.
Biir Steigungen und Gefälle über 30%0 sind die |
jeweilig erlassenen besonderen Vorschriften maß- !
gebend. Bruchteile sind aufzurunden. Eine unbe-
ladene Güterwagenachse ist für die Berechnung
der Zahl der Bremsen als halbe Achse zu rechnen.
Die Anzahl der zu bremsenden Wagenachsen ist
für die stärkste auf der fraglichen Strecke vorkom-
mende Bahnneigung (Steigung oder Gefälle), die
sich ununterbrochen auf eine Länge von 1000 //z oder
darüber erstreckt, zu bestimmen. Erreicht die stärkste
vorkommende Neigung an keiner Stelle die Länge
von 1000 m, so ist die gerade Verbindungslinie
zwischen den zwei Punkten des Längenschnittes,
die bei 1000 m Entfernung den größten Höhen-
unterschied zeigen, als stärkst geneigte Strecke an-
zusehen.
Als beladen ist jede Achse anzusehen, wenn der
Wagen mit oder ohne Ladung mindestens 9 t wiegt.
Lokomotiven an der Spitze des Zuges zählen weder
bei Bestimmung der Achsenzahl noch bei Lest-
stellung der Zahl der erforderlichen Bremsen. Eine
arbeitende Lokomotive am Schlüsse des Zuges zählt
auf Steigungen für 4 Bremsachsen.
Bei Eis-, Schnee- oder Nebelwetter sowie bei !
anderen die Adhäsion ungünstig beeinflussenden Ver-
hältnissen ist im Gefälle von i5%o und darüber die
Zahl der bedienten Bremsen um % zu vermehren
oder, falls dies nicht möglich ist, die Achsenzahl
des Zuges zu vermindern, bzw. die Höchstgeschwindig-
keit auf das der Anzahl der Bremsachsen entsprechende
Maß zu erniedrigen.
Personen- und Schnellzüge müssen mit durch-
gehenden selbsttätigen Luftdruckbremsen geführt
werden. Haben die Züge mehr als 60km Geschwindig-
keit, so muß der letzte Wagen mit Bremseinrichtung
versehen sein, und soll die Zahl der zwischengestellten
Leitungswagen nicht mehr als ein Drittel der Brems-
wagen betragen und unter diesen gleichmäßig ver-
teilt sein. Die Zahl der Handbremsen dieser Züge
muß den in der Tabelle angegebenen Werten ent-
sprechen.
Liir die Bahnen Großbritanniens und Ir-
lands sind die Angaben bezüglich der Berechnung des
B. in einem Anhang zu der für den betreffenden Zug
geltenden Dienstfahrordnung enthalten. Austin.
Bremsen (brakes; frei ns; freni).
Als B. für Eisenbahnfahrzeuge bezeichnet
man jene mechanischen Vorrichtungen, durch
deren Anwendung der Bewegungswiderstand
der Fahrzeuge nach Bedarf gesteigert werden
kann.
Die B. finden Verwendung zur Regelung
der Zugsgeschwindigkeit, zum Anhalten der
Züge und zur Sicherung stehender Fahrzeuge
oder Züge gegen eine nicht beabsichtigte In-
gangsetzung.
Inhalt: A. Allgemeines (Bremsarten). B. Be-
schreibung der einzelnen Bremssysteme: I. Hand-
bremsen; II. Gewichtsbremsen; III. Federbremsen;
IV. Lriktionsbremsen; V. Schaltwerksbremsen; VI.
Bufferbremsen; VII. Druckluftbremsen; VIII. Luft-
saugebremsen; IX. Dampfbremsen. — C. Brems-
gestänge. — D. Stand der Bremseinrichtungen in
den einzelnen Staaten. — E. Verbreitung der ein-
zelnen Bremssysteme.

A. Allgemeines.
Rücksichtlich der Art, in der die hemmende
Wirkung zu stände kommt, lassen sich fol-
gende Flauptgruppen von B. unterscheiden:
1. Klotzbremsen, bei denen das Bremsen
durch Anpressen von Backen (Klötzen) an
die Radumfänge erfolgt. Zu dieser Gattung
gehören fast alle derzeit bei den Eisenbahn-
fahrzeugen in Verwendung stehenden B.
2. Schlittenbremsen sind mechanische
Vorrichtungen, mittels der Gleitbacken (Brems-
schlitten, s. d.) gegen die Laufflächen der Schienen
gedrückt werden können. Beim Bremsen er-
folgt eine teilweise Entlastung der Räder, da
ein Teil des Wagengewichts durch die Schlitten
auf die Schienen übertragen wird. Infolge
dieses Umstandes, und nachdem sieh bei diesen
B. beim Befahren von Weichen und Kreuzun-
gen verschiedene Übelstände ergeben, ist die
Verwendung von Schlittenbremsen auf ein
Mindestmaß gesunken.
Bei elektrischen Lokalbahnen mit starken
Gefällen von über 60°/00 werden sog. elek-
trische Schienenbremsen benützt, die in
die Gruppe der Schlittenbremsen fallen. Diese
arbeiten in der Weise, daß ein mit dem Wagen
verbundener Gleitschuh durch elektromagne-
tische Wirkung zum Anhaften an die Fahr-
schiene gebracht wird.
3. Keil bremsen, bei denen ähnlich wie
bei Bremsschuhen (s. d.), Keile zwischen Rad
und Schiene gepreßt werden und ein teil-
weises Abheben des Rades von der Schiene
erfolgt. Die Keilbremsen wirken zwar kräftig,
aber stoßartig, und ergeben sich beim Be-
fahren von Gleisverbindungen dieselben
Schwierigkeiten wie bei Schlittenbremsen. Aus
diesem Grunde werden Keilbremsen nicht mehr
angewendet.
4. Bandbremsen, bei denen das Bremsen
der Räder mittelbar durch Bremsscheiben be-
wirkt wird, die auf den Radachsen festgekeilt
sind. Nebenstehende Abb. (Abb. 3) versinnlicht
in schematischer Darstellung eine Bandbremse.
Das Stahlband, das die Scheibe 5 umgibt, ist
mit seinen Enden mit dem zweiarmigen Hebel
abc, dessen fester Drehpunkt c ist, in den
Punkten a und d verbunden. Durch das
Niederdrücken des Hebels wird das Band ge-
spannt und kommt am Umfang der Scheibe
mit einem bestimmten Druck zum Anliegen.
In der Regel werden Bandbremsen in der
Weise ausgeführt, daß der Druck des Bandes
nicht unmittelbar, sondern durch eine Anzahl
Futterstücke auf den Umfang der Scheibe
übertragen wird. In beiden Fällen hemmt die
entstehende Reibung die Drehung der Scheibe
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