Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 19
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Bremsen.

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3. Kräftige, entsprechend schnelle und ver-
läßliche Wirkung.
4. Billige Herstellung und Erhaltung.
Für hohe Verkehrsansprüche sollen die B.
außerdem noch den folgenden Bedingungen
entsprechen:
5. die B. soll durchgehend und automa-
tisch (selbsttätig) sein.
6. Sie soll sowohl durch den Lokomotiv-
führer als auch durch das Zugspersonal, in
besonderen Fällen auch durch die Reisenden
in Wirksamkeit gesetzt werden können.
7. Sie soll bezüglich ihres Betriebszustands
und Wirkungsgrades leicht kontrollierbar sein
und soll überdies eine Selbstkontrolle aus-
üben.
8. Die Wirkung soll regelbar und an-
haltend sein, möglichst rasch, aber nicht stoß-
artig erfolgen. Die Bremswirkung soll im
ganzen Zug möglichst gleichzeitig und gleich-
mäßig eintreten. Das Gleiten der Räder auf
den Schienen soll vermieden werden.
9. Die B. muß in Notfällen in derselben
Weise wie unter normalen Verhältnissen be-
nutzt werden können.
10. Die Bremsleitung und deren Verbindung
von Fahrzeug zu Fahrzeug, d. i. die Kupplung,
soll leicht und sicher in betriebsfähigem Zu- |
stand zu erhalten sein.
11. Die Bauart soll übersichtlich und für
das Zugbegleitungspersonal verständlich sein.
12. Die Betriebskosten sollen sich möglichst
gering gestalten.
Inwieweit bei den in Verwendung stehen-
den Bremsarten den aufgestellten Bedingungen
entsprochen ist, wird bei Beschreibung der
einzelnen Systeme näher erörtert werden.
In manchen Fällen werden die Fahrzeuge
für 2 oder mehrere verschiedene Brems-
systeme eingerichtet. Für durchgehende B.
eingerichtete Wagen erhalten in der Regel
auch die Einrichtung für Einzelbremsung (Hand-
bremse), teils um die Wagen in Zügen, die
keine durchgehende B. besitzen, als Brems-
wagen ausnutzen zu können, teils um den
Wagen eine B. für Verschubzwecke zu geben.
Fahrzeuge (Personenwagen), die auf mehreren
Bahngebieten verkehren müssen, werden für
die bei diesen Bahnen eingeführten Brems-
systeme und außerdem noch für Handbremsung
eingerichtet.
B. Beschreibung dereinzelnen Brems-
systeme.
Nach den unmittelbar auf das Bremsgestänge
einwirkenden Bremskräften und unter Berück-
sichtigung der hauptsächlich in Verwendung
stehenden Systeme ergeben sich folgende
Gattungen von B.:

I. Handbremsen.
II. Gewichtsbremsen.
III. Federbremsen.
IV. Friktionsbremsen.
V. Schaltwerksbremsen.
VI. Bufferbremsen.
VII. Druckluftbremsen.
VIII. Luftsaugbremsen.
IX. Dampfbremsen.
I. Handbremsen sind B., bei denen die
Muskelkraft des Bremsers als Bremskraft wirkt.
Die wichtigsten dieser B. sind:
a) Die Hebelbremsen, bei denen die
Muskelkraft unmittelbar auf das Hebelwerk



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Abb. 4.


Abb. 5.

übertragen wird. Gewöhnlich wirkt jedoch
nicht allein die Muskelkraft, sondern auch ein
Teil des Körpergewichtes des Bremsers auf
die B. Durch das Niederdrücken eines längeren
Handhebels kann entweder ein Räderpaar
(Abb. 4) oder es können beide Räderpaare
(Abb. 5) gebremst werden.
Ähnliche Bauarten, wie solche in Abb. 4 u. 5
dargestellt sind, finden im Eisenbahnbetriebe
vielfach in England und Frankreich als Rangier-
bremsen Verwendung. In der Nähe des freien
Endes des großen Hebels ist gewöhnlich
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