Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 52
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Bremsen. — Bremsersitze.

d) Amerika.
1. Nordamerika. Hier herrscht ausschließ-
lich die Westinghouse-Bremse. Einige Bahnen
benutzen neben der Westinghouse-Bremse die
New-York-Air-Brake.
2. Südamerika. Von dem größeren Teil der
Bahnen wird die selbsttätige Vakuumbremse,
von dem kleineren Teil die Westinghouse-
Bremse angewendet.
e) Australien.
Die Staatsbahnen in Australien und einige
kleinere Bahnen benutzen die selbsttätige
Vakuumbremse. Von anderen Bahnen wird
die Westinghouse-Bremse verwendet.
Literatur: Einschlägige Abhandlungen s. Bru n n er,
Schnellzüge und kontinuierliche B., und eine sach-
beziigliche Studie über die Entgleisung auf der
Nordostbahn (20. Juni 1874). Bern 1874. — Con-
tinous Brakes, Replies to circular letter of the
Board of Trade dated lOthe June 1880, addressed
to the several Railway Companies in the United
Kingdom, with regard to the adoption of Continous
Brakes on Railway Trains. London 1880. — Meyer,
Der Eisenbahnwagenbau. Berlin 1884. — Congres
international des chemins de fer ä Milan. Compte
rendu general, Question XII „Freins continus".
Bruxelles 1888. — Bonn in, Freins continus pour
chemins de fer. Paris 1888. — Congres international
des chemins de fer. Paris 1889 (elektrische B.).
Heusinger, Handbuch für spezielle Eisenbahn-
technik, Bd. II u. III: Der Eisenbahnwagenbau,
Leipzig 1870, woselbst auch Angaben über ältere
Literatur sich vorfinden; Eis. T. d. G. I. Bd., I. Ab-
schnitt, II. Teil, 1911. — v. Stockert, Das Hand-
buch des Eisenbahnmaschinenwesens. I. Bd. —
Rapaport, Hamulce parowozowe i wagonowe.
Krakau 1903. — Beschreibungen der einzelnen
Systeme sind den zahlreichen Broschüren der Er-
finder, bzw. Vertriebsgesellschaften zu entnehmen.
Derartige Veröffentlichungen sind unter anderem
erfolgt von Westinghouse, Carpenter, Hardy,
Schleifer, Körting, Heberlein, Schmid,
Sou ler in u. a. m. Ri ho sek.
Bremsersitze (brakeman’s seafs; sieges
des scrre -freins; posti dei guarda-freni),
die an den Stirnenden der für Handbremsen
eingerichteten Wagen angebrachten Sitze für
Bremser.
Die B. müssen von beiden Seiten des Zugs
leicht zugänglich sein und bei Güter- und
Gepäckwagen eine freie Aussicht über den
Zug und auf die Strecke gewähren; auch sollen
von ihnen aus die Pfeifensignale gut hörbar sein.
Bei Güterwagen werden die B. entweder
ganz offen, als halb geschlossene oder auch
ganz verschließbare Hütten (sog. Bremser-
hütten) ausgeführt.
Bei Personen- und Gepäckwagen mit Hand-
bremse werden, soferne nicht lediglich Brems-
plattformen Verwendung finden, zurzeit nur
geschlossene B. angeordnet.
Die offenen B. verringern nicht den Laderaum
(bzw. die Bodenfläche), lassen sich mit geringem

Gewicht herstellen und ermöglichen bei ent-
sprechender Höhenlage die gute Wahrnehmung
der Signale; dagegen haben sie den Nachteil,
daß das Personal gegen die Witterungsunbilden
nicht geschützt ist, wodurch selbst die Sicherheit
des Verkehrs beeinträchtigt werden kann.
Statt der offenen B. werden daher aus Rück-
sichten für das Personal zumeist halb offene
oder ganz schließbare Bremserhütten gebaut.
Letztere haben aber den Nachteil, daß die
Fenster der Hütten durch Rauch, im Winter
auch durch Eis, undurchsichtig werden.
Die B. werden entweder mit der Rücken-
lehne gleichlaufend mit der Wagenachse als
Längssitze oder senkrecht zur Wagenachse als
Quersitze ausgeführt.
Erstere Anwendung gestattet eine bequemere
Aussicht über den Zug nach beiden Richtungen,
jedoch nur auf einer Seite des Zugs, die letz-
tere Anordnung dagegen eine Aussicht über
den Zug von beiden Seiten, aber nur nach
einer Zugsrichtung.
Die halboffenen Bremshütten mit Längs-
sitzen sind jenen mit Quersitzen vorzuziehen,
weil letztere den Nachteil haben, daß die
Bremser bei der Stellung des Wagens mit
nach vorn offener Hütte durch Rauch, Zug-
luft, Funkenflug, Regen und Sturm zu leiden
haben.
Bei offenen Wagen mit umlegbaren Stirn-
wänden werden umklappbare offene Bremser-
sitze an einer Wagenecke mit Kettengeländern
angebracht, damit bei Verladungen, für die ein
Umlegen der Stirnwände erforderlich ist, auch
die B. und das Bremsgeländer kein Hindernis
bilden.
Für Güterwagen und für Personenwagen
nach dem Abteilsystem wird der Aufstieg zu
den B. außen an den Stirnwänden der Wagen
mittels stiegenartig angebrachter Trittbleche
hergestellt; bei Gepäckwagen und bei Per-
sonenwagen nach dem Durchgangssystem
wird der Aufstieg zum hoch angeordneten B.,
insoferne nicht besondere Plattformen für die
Bremse vorhanden sind, im Innern der
Wagen durch Anbringung geeigneter Treppen
(Stufen) vermittelt; bei Personenwagen mit
Seitengang wird in letzterer Zeit der Bremser-
sitz am Stirnende des Seitenganges, nächst
der dort befindlichen Bremskurbel, in gleicher
Höhe mit den Sitzen der Abteile angeordnet.
Die Anordnung der B., der Fußtrittbretter
und ihrer Geländer sowie der Bremshütten
und deren Türen muß derart sein, daß die
in Betracht kommenden Durchfahrtsprofile
anstandslos durchfahren werden können. Selbst
bei vollkommen zusammengedrückten Buffern
dürfen keine Teile der B. über die Buffer
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