Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 58
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Bremsklotznachstellvorrichtungen. — Bremsschlitten.

Abb. 65 zeigt die B. System Przychocky,
bei der die Winkelverschiebung durch ein Zahn-
segment und zwei Klinken hervorgerufen wird.
Von der Grazer Waggonfabrik wurden zwei
B. gebaut, die in den Abb. 66 (S. 55) und 71
dargestellt sind. Bei Verwendung einer doppelt-
gezahnten Stange, Abb. 66, schleift während
der Bremsung die untere Klinke am Rücken
des Zahnes aufwärts und klinkt bei Erreichung
des Maximalbremsklotzabstandes ein. Bei dem
Rückgänge verschiebt sich die obere Klinke
ebenfalls um einen Zahn, wodurch die Zug-
stange um die Länge eines solchen verkürzt
wird und die Bremsklötze auf den kleinsten
zulässigen Bremsklotzabstand eingestellt werden.
Bei der in Abb. 71 dargestellten B., die
besonders durch ihre Einfachheit und die
Derbheit der einzelnen Bestandteile für den Eisen-
bahnbetrieb geeignet ist, wird die untere
Klinke der früher beschriebenen B. durch
einen Bügel U ersetzt, wodurch sowohl die
mittlere Führung als auch die untere Zahnung
der Zahnstange entfällt. Bei der Bremsung
wird die Zahnstange z durch die Klinke K
mitgenommen. Da der Abstand des Dreh-
punktes dieser Klinke von der Welle W größer
ist als der des Bügels und die Wege der
beiden Elemente proportional diesen Abstän-
den sind, so wird der Bügel bei der Bremsung
auf dem Zahne hinaufschleifen und schließlich
einklinken. Bei der Rückstellung wird die
Klinke ebenfalls um einen Zahn verstellt und
die Zugstange dadurch verkürzt.
Es wurden auch B. verwendet, bei denen
die Zugstangen durch Drahtseile oder Ketten
ersetzt sind, die durch Aufrollen auf eine
Trommel verkürzt werden. Diese Ausführungen
scheinen jedoch nur von geringer praktischer
Bedeutung zu sein. Engels.
Bremsknüppel, Bremsprügel (club, braking
club; barre d’enrayeinent; barra di frenamento)
ein einfacher, runder, 1 — 1*5 m langer, an
einem Ende keilförmig zugeschnittener Knüppel,
der im Verschiebedienst zum Anhalten einzelner
Wagen dient, die nicht mit Handbremsen
ausgerüstet sind. Der B. wird zwischen Rad
und Federgehänge oder Tragfeder so ein-
gestemmt, daß er wie ein Bremsklotz wirkt.
Bremsleitungswagen (vehicle fitted with
brake pipcs only not braked; vehicule ä con-
duitc blanche; veicolo d’allacciamento della
condotta dei freni) sind die für durchgehende
Bremsen zur Verbindung der Bremsapparate
eingerichteten Wagen.
Die B. sind demnach für Druckluft- und
Luftsaugebremsen mit Luftleitungsrohren, für
Dampfbremsen mit Dampfleitungsrohren, für
Friktionsbremsen mit Bremszugleinen u. dgl.

und stets an beiden Stirnseiten mit den
erforderlichen Kuppelungsstücken für die Ver-
bindung der Leitung von einem Wagen zum
andern versehen. Die B. selbst sind jedoch
nicht bremsbar (s. Bremsen).
Bremsplateau, Bremsplattform (brake
platfonn; plate-forme du frein; piattaforma dcl
freno) ist die an den Stirnseiten der mit Hand-
bremsen versehenen Personen- und Güter-
wagen angebrachte Plattform, von der aus die
Bremser während der Fahrt die Bremsen be-
dienen.
Die B. werden für offene Güterwagen ohne
Dachung, für Personen-, Post- und gedeckte
Güterwagen dagegen gedeckt ausgeführt, hier-
bei bildet die Verlängerung des Wagendaches
die Decke der B.
Die B. werden längs der Wagenkopfschwelle
durch geeignete Geländer abgeschlossen (s.
Bremsersitze).
Bremsschlitten (brake Slippers; patins de
frein; pattini del freno) dienen zum Aufhalten
einzelner Wagen oder Wagengruppen, die mit so
großer Geschwindigkeit laufen, daß gewöhn-
liche Bremsschuhe nicht mehr ausreichen. Die
einfachste Form des B. entsteht durch Verbin-
dung zweier Bremsschuhe gewöhnlicher Bau-
art durch eine Stange (s. Gleissperre). Wesent-
lich verbessert wurde diese Einrichtung durch
Schön. Er verwendete (Abb. 72 und 73) zwei
besonders geformte Bremsschuhe. Sie sind
durch eine federnde Stange miteinander ver-
bunden, um Spurerweiterungen folgen zu
können. Beim Auflaufen überspringen die
Räder zunächst eine Nase und legen sich
dann gegen den eigentlichen Bremskeil. Die
Sohle der Bremsschuhe ist aus Hartholz her-
gestellt und mit einem Schmirgel an strich ver-
sehen; dadurch wird eine starke Reibung
hervorgerufen. Bei Versuchen der österrei-
chischen Staatsbahnen wurden mittels eines
Schönschen B. 5 Wagen von 79’4 t Gewicht,
die mit 50 km Geschwindigkeit liefen, inner-
halb einer Strecke von 292 m in 41 Sek. zum
Halten gebracht (vgl. Anton Fl oß, Technische
Neuheiten auf dem Gebiete des Oberbaues
und des Verkehrs; Österr. Eisenbahnzeitung.
1906, Nr. 8 bis 10).
Der B. ist für den gewöhnlichen Verschiebe-
dienst wegen seiner Schwere und Unhand-
lichkeit nicht geeignet. Dagegen wird er mit
Vorteil benutzt, um das unbeabsichtigte Fort-
rollen von Wagen auf Verschiebebahnhöfen
mit durchgehender Neigung zu verhindern.
Ferner kann man ihn auf steilen Strecken
zum Aufhalten entlaufener Wagen, sowie
zum Schutz von Prellböcken an den Enden
von Stumpfgleisen benutzen. Im letzteren
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