Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 65
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Brennerbahn. — Brennstoffe.

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bis 25 kmjStd. und die größte Zuglast bei
Inverwendung des Nachschiebedienstes 510/.
Literatur: C. v. Etzel, Österreichische Eisen-
bahnen. Entworfen und ausgeführt in den Jahren
1857—1867. — Instruktionen über die Bauaus-
führung der Brennerbahn. Innsbruck 1864— 1865.
Bücher & Pollak, Skizzen von Hilfsvorrich-
tungen beim Bau der Brennerbahn. Wien 1867.
Rziha, Reiseerinnerungen. Ztg. d. VDEV. 1867.
- Wilhelm Flattich, Der Eisenbahnhochbau in
seiner Durchführung auf den Linien der Südbahn.
Wien 1875. - Kramer, Der Maschinendienst auf
der Brennerbahn. Wien 1878. — Doppler, Re-
konstruktion des Mühltaler Tunnels. Ztsclir. d. Österr.
'Ing.-V. 1878. Pichler.
Brennstoffe (fuels; combnstibles; combusti-
bili) Brennmaterialien, alle zur Heizung
(Wärmeentwicklung) verwendeten, in der Natur
vorkommenden oder durch chemische und
Mischungsprozesse erzeugten Stoffe.
Der Hauptverwendungszweck der B. bei
Eisenbahnen ist die Lokomotivheizung, hieran
reiht sich der Betrieb elektrischer Kraft- und
Lichtanlagen, die Erzeugung von Kraft- und
Leuchtgas, der Werkstättenkraft- und Schmiede-
betrieb, die Heizung von Gebäuden und Wagen
sowie der Betrieb von Speisewasser- Pump-
stationen.
Ungefähr 10% der Welterzeugung von B.
wird von den Eisenbahnen aufgebraucht, die
einen erheblichen Teil ihrer Gesamtbetriebs-
ausgaben auf Beschaffung der B. verwenden (s.
Brennstoffverbrauch).
I. Arten der Brennstoffe. Die B. werden
eingeteilt in feste, flüssige und gasförmige.
Zu ersteren gehören Holz, (das heute fast nur
mehr zur Anfeuerung in Verwendung steht),
weiters Holzkohle zum Schmieden und Löten,
Torf, der nur mehr in sehr geringer Menge
zur Lokomotivfeuerung benützt wird und
(fossile) Kohle.
Diese wird in jüngere Lignit-, ältere eigent-
liche Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit ein-
geteilt. Die außerdeutschen Länder fassen unter
der Bezeichnung Lignit sämtliche Braunkohlen-
gattungen zusammen. Von Eisenbahnen werden
die älteren schwarzglänzenden Braunkohlen
meist zu den Steinkohlen gerechnet, weil sie
bei Lagerung und Feuerung fast gleiche Eigen-
schaften wie diese haben. Fossile Kohle ist für
Lokomotivfeuerung der weitaus wichtigste B.
Zum gleichen Zwecke dienen aus fossiler Kohle
durch Formpressung hergestellte Kohlenziegel
(Briketts) und durch Glühen bei Luftabschluß
hergestellte Koke.
An flüssigen B. kommen für Eisenbahnen
in Betracht: Weingeist (nur versuchsweise),
Benzin und Petrolin bei Kraftfahrzeugen (Motor-
wagen), und bei Kleinmotoren, halbgereinigtes
oder rohes Erdöl, Rohpetroleum dagegen in
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. III.

ausgedehntem Maße im Lokomotivbetrieb.
Petroleum wird entweder unter Kesseln in
freier Luft verbrannt oder wie Benzin in
geschlossenen Gefäßen zur unmittelbaren Kraft-
erzeugung langsam entzündet (System Diesel)
oder in Viertakt (Petrolin, Petroleum und
Rohölmotoren) rasch zur Verpuffung gebracht.
Gasförmige B. (Leuchtgas, Wassergas, Gene-
ratorgas, Hochofengichtgas und Erdgas) dienen
im Eisenbahnbetriebe zur Beleuchtung, Kraft-
erzeugung und zu metallurgischen Prozessen
in den Werkstätten. Die Erzeugung der künst-
lichen, gasförmigen B. aus den Urstoffen wird
von den Eisenbahnen bei Großbedarf meist
selbst in sogenannten Nebenbetrieben besorgt,
bei Kleinbedarf, insbesondere bei Leuchtgasen,
Privaten und Gemeinden überlassen.
A. Holz ffire wood; bois ä bruler; legno
da braciare) kommt heute in Europa und
Nordamerika nur mehr selten für Lokomotiv-
feuerung zur Verwendung, dagegen auf ein-
zelnen Kolonialbahnen insbesondere NordosL-
Asiens.
Das vorzüglichste Brennholz ist hartes
(Buchen-) Holz, an halbharten Sorten dient
zu Feuerungszwecken Kiefer (Föhre) und Birke,
von weichen Hölzern werden Fichten, Tannen
und überseeische Nadelhölzer verfeuert. Holz
für Lokomotivfeuerung wird 90 cm, (Groß-
britannien, Rußland, Amerika) bis 1 m lang
gesägt und je nach Stammdicke 4 — 6 mal ge-
spalten.
Zum Anfeuern der Lokomotiven dient Ab-
fall aus Sägewerken, Waldreisig u. s. w. Das
Anfeuerungs- (Unterzünd-)holz soll rasch an-
brennen und lange Flamme geben, weshalb
weiche harzreiche Nadelhölzer zum Anfeuern
vorgezogen werden.
Zum Anbrennen des Anfeuerungsholzes
werden Hobelspäh ne, gebrauchte Putzwolle
(Jute, Hede— Werg, Lappen) mit oder ohne
Petroleumtränkung verwendet, neuester Zeit
auch eigene Kuchen aus Harzen und Spähnen.
Diese letzteren Stoffe werden von den
Bahnen jedoch meist nicht als B. angesehen.
ln den Oststaaten von Nordamerika wird
mitunter Vorfeuerungsholz, ja selbst Kohle
mittels Gasflammenreihenbrennern unter Preß-
luftzufuhr aus den Hauptbehältern der Druck-
luftbremse in Brand gesetzt.
B. H o 1 z k o h 1 e (charcoal; charbon de bois ;
carbone di legno) wird zur Lokomotivfeuerung
nicht verwendet, sondern ausschließlich zu
metallurgischen Prozessen in den Eisenbahn-
werkstätten.
Ziemlich viel Holzkohle wird bei Eisenbahnen
im Winter zum Schutze von Rohrleitungen der
Lokomotiven vor dem Einfrieren während der Dienst-

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