Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 75
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I

Brennstoffverbrauch der Lokomotiven. -
dynamischen Sinne — geleisteten Arbeit im
Zusammenhang; es können daher diese Maß-
einheiten bei Beurteilung des B. und Vorhanden-
sein einer geeigneten Grundlage vornehmlich
nur zu Vergleichszwecken herangezogen
werden.
Als dynamische Leistungseinheit, die allein
eine vollständig einwandfreie Beurteilung des
B. zuläßt, dient die indizierte oder effektive

Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn. 75
Pferdestärke in der Stunde. Bei Anwendung
der indizierten Leistung ist der Bewertung das
Dampfdiagramm zu Grunde zu legen, während
die effektive Leistung in Abhängigkeit von der
Zugkraft am Triebradumfang steht, die aus
einer Widerstandsformel oder durch einen Brems-
versuch zu ermitteln ist.
Der B. für 1 indizierte Pferdekraftstunde
beträgt bei

Naßdampfzwillinglokomotiven (mit 10
Naßdampfverbundlokomotiven ( „ 13
Heißdampfzwillinglokomotiven ( „
Heißdampfverbundlokomotiven ( „

13
15

13 Atm. absoluter Kesselspannung) P91 - P68 kg
15 „ „ „ ) P42 - P38 „
) P17 — PI 1 „
) 1-12- 1-05 „

Hierbei wird Brennstoff mit einem Heizwert
von 7500 W.E. bei einem Kesselwirkungsgrade
von (F6 vorausgesetzt.
Naßdampfverbundlokomotiven ergeben im
allgemeinen gleich leistungsfähigen Naßdampf-
zwillinglokomotiven gegenüber eine Brennstoff-
ersparnis von 10 — 15% ; bei Lokomotiven mit
zweistufiger Dampfdehnung kommt der Vorzug
der geringeren Wärmeverluste durch Abkühlung
an den Zylinderwandungen zur Geltung, die
Ausnützung des Brennstoffes ist günstiger, da in-
folge des geringeren Druckes des Dampfes zu Be-
ginn der Vorausströmung weniger unverbrannte
Kohle in die Rauchkammer mit gerissen wird;
auch ist die Möglichkeit einer weitergehenden
Gesamtdehnung des Dampfes und somit die
Anwendung höherer Kesseldrucke vorhanden.

Die bei Heißdampfzwillinglokomotiven er-
zielbaren Brennstoffersparnisse betragen gegen-
über Naßdampfzwillinglokomotiven durch den
Wegfall der Niederschlagverluste sowie infolge
des hohen, dem überhitzten Dampf innewoh-
nenden Wärmewertes bei gleichen Schlepp-
leistungen je nach dem Grade der Überhitzung
bis zu 20 % .
Heißdampfverbundlokomotiven sind den Heiß-
dampfzwillinglokomotiven gegenüber im B. um
beiläufig 5—10% günstiger.
Im Betrieb bedient man sich für Überschlag-
rechnungen des Kohlenverbrauches öfters an-
genäherter, durch die Erfahrung festgestellter,
mittlerer Werte. So wird bei Verwendung von
Kohle mit 7‘5 Öfacher Verdampfungsfähigkeit
angenommen:

für 1 Zugkilometer auf Flachland- und Hügellandbahnen .bei Schnellzügen 12 kg
„ Personenzügen 10 „
„ Güterzügen 16 „
für 1 m2 Heizfläche stündlich .bei Schnellzügen 7*5 „
„ Personenzügen 5’6 „
v Güterzügen 4-4 „
für 1 Tonnenkilometer je nach der Fahrgeschwindigkeit bei Zwillinglokomotiven 4*6 6*4 „
„ Verbundlokomotiven 3'9 — 4-9 „
bei der Fahrt mit geschlossenem Regulator für 1 in2 Rostfläche und Stunde.40 „
im Bereitschaftsdienst für 1 m2 Rostfläche und Stunde .15-20 „
im Verschiebedienst je nach der zu leistenden Arbeit für die Stunde .20-60 „
zum einmaligen Anheizen für 1 m3 Kesselinhalt .40 60 „

Werden genaue Werte gefordert, so empfiehlt
es sich, den B. von Fall zu Fall durch Be-
obachtung und Messung zu bestimmen.
Der hohe Kostenaufwand für den Brennstoff
der Lokomotiven erfordert nicht nur eine wirt-
schaftliche Feuerungstechnik durch Ausmittlung
der vorteilhaftesten Feuerungsart, sondern auch
eine ständige Schulung und Beaufsichtigung des
Personals. Außerdem sichern noch viele Bahn-
verwaltungen den Lokomotivmannschaften be-
stimmte Anteile an dem Werte ersparter Brenn-
stoffmengen zu, ein Verfahren, das günstigen
Einfluß auf den B. ausübt. Die Brennstoff-

prämiierung erfolgt gewöhnlich in der Weise,
daß für alle vorkommenden Zug- und Neben-
dienstleistungen auf allen in Betracht kommenden
Strecken für jede einzelne Lokomotivgattung die
zulässigen Brennstoffverbrauchsmengen bestimmt
und aus den erzielten Ersparnissen den Loko-
motivmannschaften bestimmte Anteilswerte ver-
gütet werden (s. Frsparnisprämien).
Melnitzky.
Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisen-
bahn frühere preußische Privateisenbahn-
gesellschaft mit dem Sitz in Breslau, durch Ge-
setz vom 24. Januar 1884 vom Staate erworben,


II
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