Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 82
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Britisch-Ostafrika. — Britisch-Südafrika.

Mit dem Jahre 1905 ist der Betriebskoeffizient
wesentlich heruntergegangen; gleichwohl ist
auf eine angemessene Verzinsung des beträcht-
lichen Anlagekapitals noch nicht zu rechnen; für
den Anleihezinsendienst der Bahn hat das
Mutterland jährlich über 2 Milk M. aufzubringen.
Die Fahrpreise betragen 1/32 Rupie f. d.
engl. Meile in der niedrigsten Klasse, d. s.
2*6 Pf. f. d. km) die Zwischenklasse hat den
doppelten, die zweite den dreifachen, die erste
den sechsfachen Satz. Der niedrigste regel-
mäßige Frachtsatz ist 1 Anna = 1/16 Rupie
f. A.t und engl. Meile = etwa 5*3 Pf. f. d. t km, ein
für afrikanische Verhältnisse sehr niedriger Satz.
Betriebsergebnisse k

Befördert:
1903
1905
1908
1909
1910
Personen . . .
58 199
178.190
284.871
293.052
403.224
Güter// ....
15 210
39.657
57 226
60.213
77.478
Stück Vieh . . .

12 825
9.528
-
-
Einnahme in £
aus dem :
Personenverkehr
28.391
43.188
52.547
52.380
59.192
Güterverkehr
66.254
137.299
146.607
159.098
196.942
Seeverkehr . . .
6.019
22.340
30.697
30.719
42.272
Verschiedenes .
2.632
2.101
2.859
4.399
1.710
Zusammen . .
131.567
204.928
232.700
246.146
300.116
Betriebsausgaben
191.668
148.250
167.800
180.279
201.596
Fehlbetrag . . .
Überschul) . .
60.101
56.678
64.838
65.867
98.519
Betriebsziffer
145-68
72-35
72-13
73-24
67-17
Verzinsung des
Anlagekapitals
(5-4 Mill. 1)
in %: . . . .

1-05
1-198
1-21
1-82

Die wichtigsten Ausfuhrgüter der Bahn sind
Elfenbein, Gummi, Felle und Häute, Vieh,
Körnerfrüchte, Erdnüsse, Kopra, Pflanzenfasern,
Sesamsaat, Bohnen, Reis und Tabak.
Zur weitern Erschließung des britisch-
ostafrikanischen Schutzgebiets werden neue
Eisenbahnen geplant. Zunächst soll die Uganda-
bahn unter Benutzung der Wasserstraße des Nils
vom Viktoriasee (-J- 1190///) bis an den Albert-
see (-)- 680 m) verlängert werden, um das
Gebiet des Albertsees leichter erreichbar zu
machen. Der Nil bildet bei seinem Austritt
aus dem Viktoriasee die Riponfälle und er-
weitert sich bei dem Orte Kakindu zu dem
buchtenreichen 800 km2 großen Kiogasee, den
er oberhalb Mruli verläßt; er ist von den
Riponfällen bis Mruli ohne Hindernis schiffbar.
Die Fälle werden zunächst durch eine Eisen-
bahn umgangen, die bei Jinja am Nordufer des
Viktoriasees beginnt und bei Kakindu endet.
Diese in der Landschaft Busoga gelegene,
daher auch als „Busogabahn" bezeichnete
Bahn wurde auf dem rechten Ufer des Nil
im November 1910 begonnen und, nebst einer
11 km langen Stichbahn nach Namasagala, in
der 1 ///-Spur mit 98 km Gesamtlänge, am
. 1 Das Rechnungsjahr beginnt mit 1. Aprii.

1. Januar 1912 vollendet. Die Kosten betrugen
etwa 33.000 N[./km. Sie verbindet einen wich-
tigen Baumwollbezirk des Ugandaprotektorats
mit dem Viktoriasee.
Eine zweite Bahn soll den Strom unterhalb
des Kiogasees mit dem Albertsee verbinden:
entweder durch eine Linie von Mruli in west-
nordwestlicher Richtung zum Ostufer des
Albertsees, nach Butiaba, oder weiter strom-
abwärts, von Foweira westsüdwestlich nach
Butiaba.
In Zukunft würde man dann von Mombassa
nach Butiaba in etwa 14 Tagen gelangen können,
während man heute für diese Reise von der
Ostküste noch mehr als sechs Wochen braucht.
Ferner wird als Vorläufer einer künftigen
Bahn von Nairobi in nordöstlicher Richtung
nach Fort Hall, der Hauptstadt der Kenia-
Provinz, zunächst auf der dahin führenden Land-
straße ein Schienengleis in der 1 ///-Spur bis
zum Thikafluß, etwa 48 km lang, hergestellt,
auf dem Dampfstraßenbahnwagen fahren sollen
(sog. Thikatrambahn).
Wegen Herstellung einer Bahn von der
Station Kin, südöstlich Nairobi, in südwest-
licher Richtung nach dem Magadisee, etwa
150 km lang, zur Ausbeutung seiner angeblich
reichen Natronschätze, schweben Verhandlungen
mit einer Privatgesellschaft. Der Magadisee
liegt einige 20km nordöstlich von dem großen
deutschostafrikanischen Natronsee, der den
englischen an Größe wesentlich übertreffen soll
und dessen Erschließung und Ausbeutung durch
eine deutsche Bahn, anschließend an die Usam-
barabahn, erwogen wird.
Literatur: Zentral bl. d. Bauverw. 1908, S. 97 f.
Deutsches Kolonialblatt 1911, S. 169 ff. Baltzer.
Britisch-Südafrika. (Vgl. Karte, Tafel IV).
Der Südafrikanische Staatenblind.
Das Eisenbahnnetz in B. hat sich un-
gemein rasch entwickelt. Die erste Eisenbahn
entstand in Natal im Jahre 1860 von Durban
nach Point, die nächste von Kapstadt nach
Earste River, die im Jahre 1862 nach Wel-
lington verlängert wurde. Im Jahre 1873 be-
gann die Regierung den Rückkauf der Kap-
ländischen Bahnen; damals waren etwa 100 km
im Betriebe, im Jahre 1885 dagegen bereits
2575 km. Heute zählt B. etwa 14.000 km Eisen-
bahnen.
Den wichtigsten Teil des britisch-südafri-
kanischen Bahnnetzes bildet das aus drei
gesonderten Bahnlinien zusammengesetzte Netz
der Kapländischen Bahnen, das von den drei
Häfen Kapstadt, Port Elisabeth und East
London, der Südküste ausgehend in nörd-
licher Richtung in das Land eindrang und
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