Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 87
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Britisch-Südafrika.

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Die Hauptlinie des Bahnnetzes führt von
Durban zunächst westlich über Point und
Pietermaritzburg, dann nordwestlich über
Ladysmith (304 km), durch Natal und Zulu-
land nach Volksrust in Transvaal und hier
weiter über Heidelberg nach Johannesburg,
rund 779 km.
ln Ladysmith zweigt nordwestlich die nach
der Oranjefluß-Kolonie führende Bahn ab, die
über Brackwal, Harrismith und Bethlehem bei
Kroonstadt in die Stammbahn Port Elisabeth-
johannesburg-Pretoria einmündet.
Am 20. Juni 1905 übernahm die Regierung
die von einer Privatgesellschaft nahe der Ost-
küste erbaute Zululand bahn von Tugela
nach Somkele, 158 km, zum Preise von
14-7 Mill. M. (d. s. 93.100 M. f. d. km). Diese
Bahn hatte sich im Jahre 1904 mit 5% ver-
zinst.
Im Jahre 1909 hatte das Schatzamt von
Transvaal der Kolonie Natal 500.000 £ —
rund 10 Mill. M. zum Zinsfuß von 3Y2% vor-
geschossen. Das Geld sollte zum Bau weiterer
Bahnlinien, insbesondere zum Ausbau des
Bahnnetzes in Zululand verwendet werden.
Der Bahnbau daselbst war aus strategischen
Gründen, zur Bekämpfung von Aufständen,
und für die Erschließung des Landes, zur
Ausnutzung der landwirtschaftlichen Möglich-
keiten und der vorhandenen Mineralschätze
wertvoll.
Ferner wurde zwischen Natal und der Kap-
kolonie eine Eisenbahnverbindung hergestellt.
Sie zweigt in Pietermaritzburg von der Natal-
schen Stammbahn in südwestlicher Richtung
ab und führt mit 153 km Länge bis zur
Grenze von Griqualand nach Creighton; diese
Strecke ist seit Mai 1906 im Betriebe. Eine
neue Strecke, 19*3 km, bis Riverside wurde
1909 vollendet; die letzten 6 km liegen bereits
auf kapländischem Gebiet; die Kapregierung
baut zunächst in der Richtung auf Natal zu
die Strecke Llewellyn-Riverside.
Mit der Schmalspur von 61 cm wurde eine
Bahnlinie im Süden von Natal, von Esperanza
über Stuartstown nach Donnybrook, 156 km
lang, hergestellt und 1908 dem Betriebe über-
geben.
Erhebliche Mittel werden dauernd auf-
gewendet, um auf der Stammbahn die zahl-
reichen noch vorhandenen starken Steigungen
in Krümmungen umzubauen. Infolge dessen
hat sich die Wirtschaftlichkeit des Betriebes
beträchtlich gehoben.
Der starke wirtschaftliche Niedergang auch
bei den Staatsbahnen von Natal zeigte sich
darin, daß während die Bahnlänge von 1022 km

im Jahre 1902 auf 1415 im Jahre 1906 zunahm,
die Zahl der Reisenden in derselben Zeit von
2.805.000 auf 2,639.000 zurückging; erst das
Jahr 1907 zeigt wieder eine Steigerung der
Reisenden auf 3,035.000 bei einer Zunahme
der Bahnlänge auf 1545 km. Die Menge der
beförderten Güter nahm ziemlich stetig von
1.500.000 t im Jahre 1901 auf 2,676.000 t im
Jahre 1908 zu; dagegen hat die Roheinnahme
f. d. engl. Meile vom Jahre 1903 bis 1908 stetig
und erheblich abgenommen, nämlich von
3607 £ im Jahre 1903 auf 1877 £ im Jahre
1908. Dies dürfte im wesentlichen auf den
Wettbewerb der Delagoabahn im Durchgangs-
verkehr zurückzuführen sein. So betrug der
Anteil an diesem Verkehr in Durban im
Jahre 1904 40-08%, im Jahre 1907 nur noch
28-91%. Die Entfernung von Johannesburg
nach Durban beträgt auf der Bahn 778*9 km,
nach Lourenqo Markes nur 590*6 km. Auch
leidet die Wirtschaftlichkeit der Natal-Bahnen
daran, daß die kilometrischen Anlagekosten
auffallend hoch sind: für 1907 14.897 £
f. d. engl. Meile, d. s. rund 189.000 M./km,
während die Kapländischen Bahnen nur etwa
125.000 ^A./km gekostet haben. Die Verwaltung
ist daher eifrig bemüht, durch Einschränkung
des Zugverkehrs die Betriebsausgaben herab-
zudrücken. Während die Reineinnahmen 1905
und 1906 nicht nur zur Verzinsung und
Tilgung des Anlagekapitals ausreichten, sondern
noch einen Reingewinn von 295.148 £ für
1905, 62.368 £ für 1906 übrig ließen, ging
dieser im Jahre 1907 auf 8974£ zurück; er ist
inzwischen im Jahre 1908 wieder auf 12.212 £
und 1909 noch weiter gestiegen. — Seit 1909
hat der Kohlenverkehr auf der Bahn erheblich
zugenommen. Die Kohlenförderung steigerte
sich von 270.290 t im Jahre 1900 auf
1,870.147 t im Jahre 1908; der Bahn er-
wuchsen hieraus Kohlenfrachten 1900 von
217.702 t, 1908 dagegen 1,571.919 t, d. s.
58’7 % aller in diesem Jahre beförderten
Gütertonnen.
Die Entwicklung des Bahnnetzes von Natal
gestaltete sich seit dem Jahre 1881 wie folgt:

1881
1S90
1900
1909
Betriebslänge (Meilen)
981/2
2S5
567
T
ro
Tt«
o
o
Anlagekapital in (£. .
1,204.000
3,651.000
7,808.000
13,811.3241)
Verzinsung.
4 94%
5-21%
4-50%
5-92 %
Betriebsziffer.
65-61 %
6S-63%
71-73%
58-63%
!) Für 1 Meile: 14.724 ^ -
rund 187.000 M.\km.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bahnen
im Jahre 1909 zeigt die folgende Zusammen-
stellung:
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