Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 93
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Britisch-Südafrika.

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5. Verträge zwischen Transvaal und Mosambik.
Vor dem südafrikanischen Kriege bestanden
zwischen Transvaal und der portugiesischen
Ko’onie Mosambik Verträge aus dem Jahre
1875, durch die den Boden- und Industrie-
erzeugnissen von Lourengo Markes freie Ein-
fuhr nach Transvaal gesichert war; zugleich
bestand eine Tarifvereinbarung zwischen der
portugiesischen Delagoabahn und der damals
von einer holländischen Gesellschaft verwalteten
Bahn Transvaals. Durch diese Abmachungen
wurde Lourengo Markes entsprechend seiner
bevorzugten geographischen Lage tatsächlich
der Ein- und Ausfuhrhafen von Transvaal.
Als Gegenleistung gestattete die portugiesische
Regierung die Anwerbung von Eingeborenen
aus Mosambik zu den Bergbauarbeiten des
Randbezirkes.
Die hierdurch geschaffene Verquickung der
Arbeiter- und Eingeborenenfrage von Trans-
vaal mit den Verkehrs- und Tariffragen bleibt
seitdem eine Eigentümlichkeit des Eisenbahn-
wesens von Südafrika. Zur Regelung der An-
gelegenheit sind wiederholt Abmachungen
zwischen der beteiligten Regierung und den
Eisenbahnen getroffen worden. Zuletzt ist am
1. April 1909 zwischen der Transvaal-Regie-
rung und der portugiesischen Kolonie Mo-
sambik ein Abkommen auf die Dauer von
zehn Jahren abgeschlossen worden, das nach
zehn Jahren mit einjähriger Erist gekündigt
werden kann.
Hiernach gestattet die Kolonie Mosambik die An-
werbung von Arbeitern aus ihrem Gebiet für die Berg-
werke des „Rand“, während Transvaal gewährleistet,
daß stets mindestens 50, nicht mehr als 55% (nach
Tonnengewicht) aus dem Verkehr aller Übersee-
frachten nach und von dem Bergwerksbezirk des
Rand, (von Johannesburg und Pretoria,) über die
Delagoabucht geleitet werden. Der Rest verbleibt
den Kaphäfen und Durban in einem bestimmten
Verhältnis.
Diese Vorzugstarife haben den Erfolg gehabt,
daß die Delagoabucht im Jahre 1907 58% der Über-
see-Einfuhr Transvaals erhielt, während Durban nur
29%, Ost-London 43/4%, Port Elisabeth im gleichen
Jahre 63/4% und Kapstadt nur noch l1/2% zufielen.
Nach dem neuen Abkommen erscheinen die briti-
schen Küstenkolonien mit ihrem Anteil an dem
Transvaalverkehr wesentlich besser gestellt. Die Ab-
kürzung im Seewege (von der Delagoabucht bis
Kapstadt 1112 Seemeilen, bis Port-Elisabeth 684 See-
meilen, bis Ost-London 553 und Durban 300 See-
meilen) kommt gegen das Mehr an Bahnlänge nur
wenig in Betracht. Da aber Transvaal mit seiner
hochentwickelten Industrie die Arbeitskräfte der
portugiesischen Eingeborenen auf die Dauer unter
keinen Umständen entbehren kann, so vermochte
es von der Kolonie Mosambik weitergehende Zu-
geständnisse für die britischen Küstenkolonien nicht
zu erreichen, auch nicht mit dem neuen Hilfs-
mittel der Südafrikanischen Union, die inzwischen
ins Leben getreten war.

Das Abkommen zwischen Transvaal und Portugal
vom 1. April 1909, das durch den Eintritt von
Transvaal in die neue britisch-südafrikanische
Union nicht berührt wird, behandelt im wesent-
lichen folgende Angelegenheiten:
1. Die Anwerbung von Mosambik-Eingeborenen
für die Johannesburger Bergwerke, die nunmehr
unkündbar zugesichert ist;
2. die Tarife der Delagoabahn von Lourengo
Markes nach Transvaal und die des Hafens von
Lourengo Markes;
3. den Handelsverkehr zwischen den beiden
Kolonien und die Zölle.
Hiervon ist der zweite Abschnitt von politischer
Bedeutung, insofern er im Artikel 26 für die Eisen-
bahnangelegenheiten einen gemeinsamen Verwal-
tungsrat (Joint Board) mit dem Sitze in Lourengo
Markes eingesetzt, der aus zwei portugiesischen und
zwei Transvaal-Mitgliedern besteht. Er sollte bis zum
1. Juli 1909 gebildet werden; eines der portugiesi-
schen Mitglieder soll bei allen Sitzungen den Vor-
sitz führen. Der Verwaltungsrat entscheidet über
die Festsetzung von Eisenbahntarifen, ferner über
die etwaige Erhöhung von Hafen-, Gemeinde- oder
sonstigen Abgaben beim Einfuhrverkehr in Lourengo
Markes, über etwaige FTschwerungen im Durch-
gangsverkehr auf der Delagoabahn nach Transvaal;
endlich über die Eisenbahntarife des Transvaal und
der portugiesischen Kolonie für die Versendung
von gewerblichen oder Bodenerzeugnissen aus
beiden Gebieten. Für Hafenverbesserungen in
Lourengo Markes oder Erleichterungen der Ein- und
Ausfuhr soll der Verwaltungsrat die Kosten veran-
schlagen und für die Kapitalbeschaffung und Bau-
ausführung Vorschläge machen, an die indes keine
der beiden Regierungen fest gebunden ist.
Die beiden Regierungen wünschen nach Art. 22
den Ausfuhrverkehr jeder Art über See aus Transvaal
über Lourengo Markes zu erleichtern und anzu-
regen. Sie bestimmen zu diesem Zweck, daß die
Durchgangsfrachtsätze:
a) von den Stationen an den Zentral-Südafrikani-
schen Bahnen innerhalb der Wettbewerbsgrenze
(competitive area),
b) von Stationen zwischen Germiston, einschließ-
lich Pretoria und Komati Poort,
c) von Stationen an Zweigbahnen, die nach dem
Wettbewerbsgebiet führen, oder an durchgehenden
Linien von Germiston und Pretoria nach Lourengo
Markes, keinesfalls höher sein sollen, als die
irgend einer anderen Ausfuhrlinie, und zwischen
den beiden Eisenbahnverwaltungen nach der Meilen-
zahl (Mileage) verteilt werden sollen, wenn nicht
der Verwaltungsrat anders entscheidet.
Art. 25 des Abkommens schreibt vor:
a) Tarifsätze für die verschiedenen Verkehrsklassen
von Lourengo Markes nach Stationen östlich
Pretoria und nach Stationen zwischen Witbank und
Brakpan und nach Stationen östlich Springs an der
Springs-Breytonerlinie sollen keinesfalls höher sein
als die Sätze nach Pretoria, Brakpan und Springs;
b) Tarifsätze von irgend einem anderen Hafen
im Überseeverkehr nach Stationen östlich Pretoria.
Brakpan oder Springs sollen nicht niedriger sein
als die durchgehenden Sätze von irgend einem
solchen Hafen nach Pretoria, Brakpan oder Springs
nebst den gewöhnlichen derzeitigen Ortsfrachtsätzen,
die für die Entfernung zwischen Pretoria, Brak-
pan oder Springs und den betreffenden Stationen
entfallen.
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