Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 100
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Brücken. — Brückenauswechslung'.

gemeinen Bestimmungen für Eisenbahn- und
Straßenbrücken und mit besonderen Bestim-
mungen für eiserne Brücken, neuestens in einigen
Ländern auch für Brücken aus Eisenbeton er-
lassen worden. So besteht in Österreich die
Verordnung des Eisenbahnministeriums vom
28. August 1904 für Eisenbahnbrücken, jene
des Ministeriums des Innern vom 26. März 1906
für eiserne Straßenbrücken und des Arbeitsmini-
steriums vom 15. Juni 1911 für Straßenbrücken
aus Eisenbeton. — In Deutschland bestehen
keine einheitlichen Bestimmungen für Straßen-
brücken; für die Brücken der deutschen
Staatseisenbahnverwaltungen gelten in Preußen
die Vorschriften vom 1. Mai 1903, in Bayern
jene vom 1. Februar 1908, in Württemberg
jene vom April 1894 und Februar 1909, in
Sachsen jene von 1895 mit Nachtrag vom
April 1905, in Baden jene vom Februar 1903.-
In Frankreich ist eine Brückenverordnung
durch das circulaire ministerielle vom 29. August
1891 erlassen worden. — In Belgien gilt die
Brückenverordnung vom 27. November 1897.
Für die Eisenbahnbrücken der Schweiz
gilt die Verordnung des Bundesrates vom
19. August 1892. In Rußland besteht eine
Verordnung aus dem Jahre 1884 u. s. w.
Die Brückenverordnungen enthalten zunächst
Angaben über die der statischen Berechnung
zugrunde zu legenden Belastungen (s. „Be-
lastungsannahmen für Brücken"), ferner über
die zulässige Inanspruchnahme der Bau-
stoffe, weiters Vorschriften über die Aus-
führung der Brücken, nämlich über die
geforderten Eigenschaften der Baustoffe und
deren Erprobung (Zerreiß-, Biege-, Druck-
lind Bruchproben u. s. w.), über die Aus-
führungsarbeiten, insbesonders bei eisernen
Brücken über die Arbeiten in der Werkstätte und
bei der Aufstellung (Bearbeitung des Materiales,
Lochen, Bohren der Nietlöcher u. s. w.). Ein
weiterer Abschnitt der Brückenverordnungen
betrifft die Erprobung der Brücken und
enthält die Vorschriften über die Zeit, die
Dauer und die Art und Weise, in der die
Brückenproben (s. d.) vorzunehmen und die
Prüfungsergebnisse festzustellen sind.
Vgl. die Artikel : Aquäduktbrticken, Balken-
brücken, Betonbrücken, bewegliche Brücken, Blech-
träger, Bogenbrücken, Brückenauswechslung, Brücken-
belastung, Brückenbuch, Brückeneinstürze, Brücken-
probe, Brückenrevision, Drehbrücken, Durchbiegung,
Durchgehende Balken, Durchlässe, Eisenbahnbrücken,
Eisenbetonbrücken, Eisenbrücken, Fachwerksträger,
Frei aufliegende Balken, Gerberträger, Gewölbe,
Gründung, Hängebrücken, Holzbrücken, Lehrgerüste,
Lichtweite der Brücken, Montierung der eisernen
Brücken, Pfeiler, Schiffbrücken, Steinbrücken, Straßen-
brücken, Transportable Brücken, Viadukte, Viereu-
deelträger. Mclatt.

Brisckenauswechslung, der unter Auf-
rechthaltung oder wenigstens mit nur geringer
Störung des Verkehrs vor sich gehende Ersatz
eines den Anforderungen des Betriebs nicht mehr
entsprechenden Brückentragwerks durch ein
neues. Der neue Brückenüberbau kommt dabei
gewöhnlich auf die alten Pfeiler und Widerlager
oder wenigstens in die gleiche Brückenachse
zu lagern, und es bedingt die Vermeidung
längerer Verkehrsunterbrechungen einen mög-
lichst raschen Arbeitsvorgang, wodurch sich
eine B. von einem gewöhnlichen Brücken-
umbau unterscheidet, bei dem der Verkehr
entweder zeitweise ganz unterbrochen ist oder
über eine Notbrücke geführt wird. In diesem
Sinne kommen B. nur bei Eisenbahnen vor,
und handelt es sich da entweder um den Er-
satz hölzerner Brückenüberbauten durch eiserne
oder um die Auswechslung älterer Eisenbrücken,
die infolge Mangelhaftigkeit des Systems
(z. B. Schifkornbrücken, Flacheisengitterbrücken)
oder zu schwacher Abmessungen nicht mehr
die nötige Sicherheit bieten und bei denen
eine vollständige Erneuerung einer Verstärkung
(s. Verstärkung der eisernen Brücken)
vorgezogen wird.
Der Vorgang bei der Auswechslung kann
ein verschiedener sein: 1. Das neue Tragwerk
wird gleich in endgültiger Lage an der Stelle
der bestehenden Brücke montiert. Es ist dazu
notwendig, das Gleis zu unterbauen und von
provisorischen Stützen tragen zu lassen, so
daß der alte Überbau abgebrochen und das
neue Tragwerk aufgestellt werden kann, wobei
meist eine provisorische Nivellettehebung not-
wendig sein wird, um die Arbeiten ohne Störung
des Betriebs vornehmen zu können. Dieser Vor-
gang wird aber nur tunlich erscheinen, wenn
die Brücke in nicht zu großer Höhe liegt und
das Unterbauen des Gleises keinen Schwierig-
keiten begegnet. Sonst kann man bei ent-
sprechender Querschnittsanordnung die neue
Brücke so in die alte hineinbauen, daß der
Verkehr auf letzterer so lange geführt wird,
bis in einer Betriebspause die Übertragung
der Lasten von den alten Fahrbahnträgern auf
die neuen stattfinden kann. Immerhin ist aber
mit dieser Ausführungsweise eine beträchtliche
Erschwernis und Verteuerung der Montage-
arbeiten verbunden. 2. Die neue Brücke wird
seitlich neben der alten Brücke auf einem
Hilfsgerüst montiert, dann wird der alte Über-
bau während einer Betriebspause auf ein auf
der anderen Seite des Betriebsgleises errichtetes
Gerüst abgesetzt oder bei Holzbrücken stück-
weise abgetragen und der neue Überbau in
seine endgültige Lage eingeschoben. Bei diesem
Vorgänge sind ebenso wie bei der dritten
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