Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 115
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Brunnen.

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noch brauchbar; in letzterem Falle ist jedoch
eine chemische Reinigung empfehlenswert. Die
Kesselsteinbildner sind (unlösliche) Karbonate
und Sulfate des Kalziums und Magnesiums. In
erster Linie kommen in Betracht: Kalk (CaO),
der fast in jedem Wasser in gewisser Menge
enthalten ist, kohlensaurer Kalk (Ca C03), der
besonders in kohlensäurehaltigem Wasser nach
Entweichen der Kohlensäure durch Übergang
des gelösten doppeltkohlensauren Kalkes in das
unlösliche (Ca C03) entsteht, ferner Gips
(Ca S04) und Magnesia (Mg O). Das Wasser
wird nach dem Gehalt an diesen Kesselstein-
bildnern durch die Zahl der „Flärtegrade“
gekennzeichnet. In 1 / ergeben: 10mg CaO
oder 7'15 mg Mg O einen deutschen Härte-
grad (H. Gr.), 10 ///^ Ca C03 einen französi-
schen, 7 mg Ca C03 einen englischen Härte-
grad. Die nicht als Einheit dienenden Salze
werden jedesmal mit Hilfe der Molekular-
gewichte in gleichwertige Mengen der Grund-
stoffe umgerechnet. 1 deutscher Härtegrad -
L25 englischen = L79 französischen Härte-
graden. Bei mehr als 15 deutschen Härte-
graden ist eine Reinigung ins Auge zu fassen,
gegebenenfalls ist die Verwertung von
Oberflächenwasser vorzuziehen (vgl. Wasser-
stationen).
Nach der Verwendung unterscheidet man
im Eisenbahnbetrieb: Hausbrunnen und
Wasserwerksbrunnen. Erstere versorgen die
kleinen Bahnhöfe und Haltepunkte (die keinen
Anschluß an Gemeindewasserwerke haben),
die Wärterstellen auf der Strecke und
Wohngebäude. Sie unterliegen vor allem
den gesundheitlichen Bedingungen. Ihre Er-
giebigkeit braucht nicht groß zu sein, weil
sie nur zeitweise Wasser zu liefern haben.
Hierfür sind Schachtbrunnen geeignet, in
denen sich das langsam zusickernde Wasser
ansammeln kann. Einfache Rohrbrunnen
(Abb. 102), z. B. Rammbrunnen, werden jedoch
bei tiefem Grundwasserstand angewendet und
verdienen im allgemeinen den Vorzug, weil
sie, vollkommen gegen fremde Einflüsse ab-
geschlossen und auf beliebige Tiefe gebohrt,
den gesundheitlichen Bedingungen besser ge-
nügen. Da bei Hausbrunnen das Wasser meist
von Hand zu den Verwendungsstellen ge-
fördert wird, sind sie in möglichster Nähe
von diesen anzulegen. Wasserwerksbrunnen
(Wasserstationsbrunnen) dagegen bilden Zu-
behörteile von größeren Anlagen, die als
Wasserstationen in Werkstätten und Bahnhöfen
errichtet werden und häufig eine anhaltende
und bedeutende Wasserförderung bewältigen.
Nur wo der Bezug von Trinkwasser aus Ge-
meindewasserwerken unmöglich oder sehr un-

wirtschaftlich ist, muß zugleich auch solches
beschafft werden. Die ganze Anlage muß hier-
bei den verschiedenartigen Bedingungen ge-
nügen. In erster Linie muß das Wasser für die
Kessel Speisung geeignet und die Brunnen an läge
genügend ergiebig sein. Diese ist von den
Größenverhältnissen der Pumpanlage und der
Hochbehälter abhängig. Letztere ermöglichen
trotz der häufig auftretenden, durch den Fahr-
plan bedingten plötzlichen Wasserentnahme eine
möglichst gleichmäßige Beanspruchung der
Pump- und Brunnenanlage. Die Zeit, inner-
halb der eine bestimmte Wassermenge zu
liefern ist, ebenso wie die Pausen, die der
Erholung der B. günstig sind, lassen sich
hiernach von vornherein ermitteln. Jedoch
sollen die Anlagen zur Wassergewinnung
reichlich bemessen sein, damit bei Änderung
der Fahrpläne und in trockenen Jahren keine
Schwierigkeiten entstehen. Ihr Umfang ist sehr
verschieden; bei kleineren genügt ein Schacht-
oder Rohrbrunnen, bei größeren sind mehrere
Rohrbrunnen erforderlich, die durch Heber-
leitungen, selbsttätig oder (bei großen Ent-
fernungen oder ungünstigen Höhenverhält-
nissen) unter Zuhilfenahme von Zubringe-
pumpen, das Wasser einem Sammelbrunnen
zuführen (Abb. 99). Diese Leitungen werden
mit Vorrichtungen zum Entlüften und zum
Auffüllen versehen, ferner mit Fußventilen,
die ein Ablaufen der Wassersäule bei Still-
stand verhindern, und mit Ventilen, die ein
Absperren der einzelnen B. ermöglichen (zwecks
Instandsetzung, Verteilung der Leistung, Vor-
nahme von Messungen u. s. w.). B., die aus
der gleichen Grundwasserströmung schöpfen,
legt man quer zu ihr an. Diejenigen, aus
denen das Pumpwerk fördert, müssen in
dessen Nähe liegen, damit im Interesse der
Betriebssicherheit die Saugleitungen kurz
werden. Die Pumpen werden zur Verringe-
rung der Saughöhe auch im Brunnenkessel
untergebracht (Abb. 99 und 100). In diesem
Falle können die Maschinen durch ein zu
hohes Ansteigen des Wasserstandes gefährdet
werden. Daher läßt man durch seinen Einfluß
etwa vorhandene Zubringepumpen ein- und
ausschalten (Fernschaltung mit Hilfe des elek-
trischen Stromes, bei der meistens gleichzeitig
optische oder akustische Signale gegeben werden.)
Die Förderung des Wassers aus tiefen
B. erfordert besondere Anordnungen, weil
günstigenfalls nur eine Saughöhe von 7 bis
8 m erzielt werden kann. Um das Abreißen
der Wassersäule und die sich daraus ergeben-
den Betriebsstörungen und Schäden an den
Pumpen mit Sicherheit zu vermeiden, ist je-
doch nur mit geringeren Werten zu rechnen,
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