Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 117
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Bruttolast. — Buchfahrkarten.

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griffen, denn die Anwendung größerer Schnellig-
keit erfordert eine stärkere Bauart sowohl der
Wagen als auch der Lokomotiven. Dieser Um-
stand sowie die zunehmenden Einrichtungen für
die Bequemlichkeit bei Personenwagen (Seiten-
gang, Toilette, Heizung, Beleuchtung, Lüftung
u. s. w.), machen vollständig jene Fortschritte
der Technik wett, die eine Verminderung des
Eigengewichts ermöglichen.
Das Ladegewicht der Güterwagen ist in
fortgesetzter Zunahme begriffen, da das Be-
streben vorherrscht, Wagen mit größerem
Laderaum zu bauen. Bei den österreichischen
Staatsbahnen entfallen zurzeit vom gesamten
Güterwagenstand etwa 25 °/0 auf Wagen mit
10 t, etwa 35°/0 au^ Wagen mit 11 — i 2 t und
ebensoviel auf Wagen mit 15 t, endlich 5°/0 auf
Wagen mit 20 und mehr t Ladegewicht. Auf
jede Achse entfallen durchschnittlich etwa 3*3 t
Eigen- und 6-4 t Ladegewicht. Bei den
übrigen österreichischen und den ungarischen
Eisenbahnen sind noch Wagen mit 10 t
Ladegewicht vorherrschend. Die Güterwagen
der preuß.-hessisch. Staatsbahnen hatten im
Jahre 1900 ein durchschnittliches Ladegewicht
von 6’89 t für die Achse.
Die Ausnutzung des vollen Ladegewichts
der Wagen wird teils dadurch verhindert, daß
verschiedene Güter mit Rücksicht auf ihren
Umfang nur die Verladung einer geringeren
Menge ermöglichen, teils dadurch, daß nicht
immer die erforderlichen Gütermengen zur
Füllung des Fassungsraums der Wagen vor-
handen sind.
Das ziffermäßige Verhältnis zwischen Eigen-
gewicht und Tragfähigkeit stellt sich, wie
folgt:
Das Eigengewicht der bedeckten zwei-
achsigen Güterwagen bewegt sich zwischen
6 5 — 7*5 Z, jenes der offenen Wagen (Kohlen-
wagen) zwischen 6'0 — 8‘5 t, gegenüber einem
Ladegewicht von 10 t. Das Eigengewicht be-
trägt demnach bei diesen Wagen etwa 38 bis
46°/0 der gesamten B.
Das Eigengewicht der bedeckten vier-
achsigen Güterwagen beträgt etwa 18 t, jenes
der offenen vierachsigen Güterwagen etwa
12*5 t, so daß also bei diesen Wagen das
Eigengewicht etwa 47‘3, bzw. 38*3°/0 der ge-
samten B. beträgt.
Die Eigengewichtsverhältnisse der Personen-
wagen sind folgende:
Abteilwagen ohne Seitengang (Coupewagen)
mit zwei Achsen haben durchschnittlich 8 bis
10 t, ebensolche Wagen mit Seitengang 12 bis
13 t, dreiachsige 17 bis 20 t, vierachsige 31 bis
34 t Eigengewicht. Vier- und sechsachsige D-
Zugwagen wiegen 33 bis 48 t, Schlafwagen

40 bis 52 t. Auf jeden Sitzplatz entfallen je
nach der Bauart der Wagen in der I. Klasse
500 bis 650, in der II. Klasse 480 bis 600,
in der III. Klasse 175 bis 290 kg totes Ge-
wicht. Diese Zahlen sind jedoch, wie bereits
erwähnt, in stetiger Zunahme begriffen. Schon
jetzt sind Wagen nicht selten, bei denen das
auf einen Platz entfallende Eigengewicht für
die 111. Klasse über 700 kg, für die II. und
1. Klasse über 1000 kg und für einen Schlaf-
platz über 2500 kg beträgt. Die London and
North Western-Eisenbahngesellschaft besitzt
Schlafwagen, die 40*6 t wiegen und nur 1 1
Schlafplätze haben, so daß auf einen Schlaf-
platz 3-7 t Eigengewicht entfallen. — Nimmt
man für jeden Reisenden ein Normalgewicht
von 80 kg an, so stellt sich das Eigengewicht
in der I. Klasse etwa 6*2 bis 8* 1, in der II. Klasse
6 bis 7*5, in der III. Klasse 2’2 bis 3*6mal so
groß, als die mögliche Belastung (s. Totes
Gewicht). Bosshardt.
B r u ttoto nnenkilom ete r (totalton-kilometer;
tonne-kilometre-bmte; tonnellata-kilometro lordo).
| Mit B. bezeichnet man die auf einer Bahnstrecke
beförderte Gesamtlast, vervielfacht mit der
Zahl der durchfahrenen km. Die Gesamtlast
(s. Bruttolast) setzt sich zusammen aus dem
Gewicht der Lokomotive mit ihren Vorräten
an Wasser und Heizmaterial, dem Gewicht
der übrigen Fahrzeuge und dem Gewicht der
in den Zügen beförderten Reisenden und
Güter. Im Gegensatz dazu steht das Nettojtkm,
das Vielfache aus dem Eigengewicht der
beförderten Last Nutzlast — und der Zahl
der durchfahrenen km, und das Tara jtkm, das
| Vielfache aus dem Gewicht der Fahrzeuge -
der toten Last — und der Zahl der durch-
fahrenen km. Die Ermittlung der FL hat für
| den gewöhnlichen Verkehrs- und Betriebs-
dienst keine besondere Bedeutung. Sie ge-
schieht im allgemeinen nur zur Anstellung
von Vergleichen bei Beurteilung von Fragen
über die Bewährung des Oberbaues, dessen
Leistungsfähigkeit von den über die Schienen
bewegten Lasten abhängt. Sowohl in der vom
Reichseisenbahnamt für die deutschen Eisen-
bahnen als auch in der vom VDEV. heraus-
gegebenen Statistik werden die von den Bahn-
verwaltungen alljährlich geleisteten FL, ebenso
wie die geleisteten tkm an Nutzlast und toter
Last in den Tabellen über die Leistungen der
Lokomotiven und Wagen nachgewiesen.
Buchfahrkarten (book tickets; livretcoupons;
biglieiti a libriccino), Fahrkarten in Buchform,
die aus einem oder mehreren, durch die Tarife
bestimmten — hiedurch unterscheiden sie sich
von den zusammengestellten Fahrscheinheften
Gruppen von Fahrscheinen bestehen.
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