Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 118
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Buchfahrkarten.

Buchführung.

Sie enthalten in der Regel vor dem ersten
Fahrschein ein der Länge nach geteiltes Blatt,
dessen rechte Hälfte bei der Ausgabe für Kinder
zurückbehalten wird.
Der Umschlag enthält gewöhnlich folgende
Angaben: Zuggattung, Abgangs- und Bestim-
mungsstation, allenfalls mit dem Zusatz „und
zurück", Bezeichnung des Bahnweges, Geltungs-
dauer, Wagenklasse, Fahrpreis, Ordnungsnum-
mer, Platz für den Tagesstempel, Beförderungs-
bedingungen. Die Scheine tragen die Ordnungs-
nummer und die Bestimmungsstation der B.
mit abgekürzter Wegbezeichnung, Nummer
des Fahrscheines, dessen Strecke, etwaige
Ausnahmebestimmungen und Platz für den
Tagesstempel.
Buchführung (book-keeping; comptabilite ;
contabilita).
Inhalt: A. Allgemeines: 1. Organisation des
Buclumgswesens, 2. Die Buchfiihrungssysteme, a) Die
kameralistische Buchführung, b) Die kaufmännische
doppelte Buchführung, c) Die konstante Buch-
führung; B. Die Organisation der Eisenbahnbuch-
führung in verschiedenen Ländern, 1. Preußen,
2. Österreich, 3. Belgien, 4. Italien, 5. Schweiz,
6. Andere Länder; Literatur.
Aufgabe der B. eines Eisenbahnunternehmens
ist die nach bestimmten Grundsätzen vor-
zunehmende Aufzeichnung aller in Geld oder
Geldeswert ausdrückbaren Geschäftsvorfälle des
Unternehmens. Die B. soll zu jeder Zeit einen
klaren Überblick über die Geld- und Wirt-
schaftslage eines Eisenbahnunternehmens er-
möglichen. Bei manchen Eisenbahnverwaltungen
werden die Aufgaben der B. enger gezogen,
indem die B. auf die Darstellung des Kassen-
gebarens (Kassenbuchführung) beschränkt
wird und unabhängig von der B. eine be-
sondere Wirtschaftskontrolle besteht, die
über den Stand der einzelnen Fonds fort-
laufend Aufschreibungen zu machen hat.
A. Allgemeines.
1. Organisation des Buchungswesens.
Die Eigenart eines Eisenbahnunternehmens
macht es unmöglich, Buchungen nur an einer
einzigen Stelle vorzunehmen. Auf jeder Station
entstehen Einnahmen, an zahlreichen verschie-
denen Stellen müssen Ausgaben geleistet wer-
den. Überall aber, wo dies der Fall ist,
müssen darüber Bücher geführt werden.
Weil die Buchführung das Geldgebaren zum
Gegenstand hat, wird ihre Organisation regel-
mäßig von der Organisation des Kassenwesens
eines Eisenbahn Unternehmens abhängen. In
der Kassenorganisation aber bestehen die
größten Verschiedenheiten. Von äußerster Zen-
tralisierung, wie sie bei Privatbahnen, besonders
solchen kleineren Umfanges häufig ist, bis zu
voller Dezentralisation, wo über den Ab-

fertigungskassen jede weitere Kasse fehlt (Bel-
gien), gibt es die verschiedenartigsten Zwischen-
formen. Entsprechend ist auch das Buch-
führungswesen verschieden organisiert. Meist
liegt den äußeren Dienststellen (Bahnhöfen,
Abfertigungen, Expeditionsstellen) keine B.
im engeren Sinne ob. Diese Stellen machen
j in der Regel nur Aufzeichnungen über die
I bei ihnen eingehenden Einnahmen und die
ihnen aufgetragenen Zahlungen, die zumeist
| nur Rückerstattungen betreffen. Sie machen
aber in diesem Fall keine Zusammenstellungen,
die einen Überblick über die finanzielle Lage
, auch nur eines Teiles des Eisenbahnunter-
nehmens gewähren. Die Aufzeichnungen dieser
Dienststellen dienen in solchen Fällen nur als
1 Material für die Buchungen einer übergeord-
neten Stelle, die erst die B. im engeren
I Sinne darstellen. Die Kassen der äußeren
Dienststellen gelten in solchen Fällen auch
nicht als rechnungslegende Kassen.
Liegt dagegen, wie in Belgien, der Schwer-
punkt der B. bei den äußeren Dienststellen,
| so pflegen diese Buchungen an einer über-
i geordneten Stelle kontrolliert und übersicht-
lich zusammengestellt zu werden.
Die Buchführung liegt entweder den Kassen-
! Organen ob (Preußen) oder ist geteilt zwischen
Organen der Kasse und einer besonderen
Finanzabteilung (Österreichische Staatsbahnen)
| oder ist völlig selbständig der Kasse gegen-
übergestellt (Schweizer Bundesbahnen und
Frankreich). In den beiden letztgenannten
j Fällen wird erreicht, daß B. und Kasse sich
! gegenseitig kontrollieren.
2. Die Buchführungssysteme. Wie
hinsichtlich der äußeren Organisation des Buch-
führungswesens, so herrscht auch hinsichtlich
der Systeme, nach denen die Buchungen vor-
zunehmen sind, Verschiedenheit unter den
Eisenbahnverwaltungen.
Die Verschiedenheit des Buchführungs-
systems wird bedingt durch die verschiedene
Organisation und rechtliche Stellung der Eisen-
bahnunternehm ungen. Privatbahnen sind
in der Regel Aktiengesellschaften oder andere
Gesellschaften des Privatrechtes und unterliegen
deshalb den gesetzlichen Vorschriften, die für
die B. solcher Gesellschaften in allen Ländern
gegeben sind. Sie müssen daher Bilanzen auf-
stellen und veröffentlichen, Abschreibungen
vornehmen u. a. m. Sie werden unter diesen
Umständen regelmäßig die kaufmännische
doppelte B. anwenden.
Staatsbahnen unterliegen zumeist den
Rechnungsvorschriften, die für die staatlichen
Verwaltungszweige des betreffenden Landes
erlassen sind. Ihre voraussichtlichen Einnahmen
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