Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 119
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Buchführung.

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und Ausgaben werden regelmäßig im allge-
meinen Staatshaushaltsplan aufgenommen. Ihr
Rechnungswesen unterliegt, ebenso wie das der
anderen Ressorts, der Kontrolle durch eine
oberste Rechnungsbehörde und, wo ein solches
besteht, durch das Parlament. Sie werden
deshalb in der Regel auch das gleiche Buch-
führungssystem anwenden, wie diese Ressorts.
Ganz besonders wird das überall dort der
Fall sein, wo die Eisenbahnverwaltung keine
finanzielle Autonomie besitzt. Ist ihr dagegen
eine solche Autonomie eingeräumt und ist
damit das Eisenbahnvermögen von dem übri-
gen Staatsvermögen getrennt und als beson-
derer Wirtschaftskörper konstituiert worden,
so steht nichts entgegen, daß die Eisen-
bahnverwaltung, unabhängig von der in den
übrigen Staatsressorts üblichen Buchführungs-
art, ein ihren besonderen Bedürfnissen besser
angepaßtes Buchführungssystem wählt (Schweiz).
Für die B. der Hauptverwaltungsstellen eines
Eisenbahnunternehmens, d. h. derjenigen Stellen,
an denen das Finanzgebaren entweder des
ganzen Unternehmens oder doch eines in sich
abgeschlossenen größeren Verwaltungsbezirkes
zusammengefaßt wird, sind gegenwärtig fol-
gende Buchführungssysteme gebräuchlich:
a) die kameraiistische B.,
b) die kaufmännische doppelte B.
oder
c) eine Verbindung der Systeme zu a)
und b).
a) Die kameraiistische B. Die kame-
raiistische B. ist die Buchführungsform, die
von den Staatsverwaltungen der meisten Länder
gebraucht wird. Sie wird deshalb auch bei
der überwiegenden Mehrzahl der Staatsbahn-
verwaltungen angewandt.
Ihrem Umfange nach bezieht sich die kame-
raiistische B. auf die Darstellung der Ver-
änderungen der Vermögensbestandteile. Für
sie erschöpft sich das Interesse in der Dar-
stellung des Geldgebarens der Verwaltung.
Die Darstellung der Veränderung des reinen
Vermögens ist ihr fremd. Den Begriff des
Kapitalkontos und der Gewinn- und Verlust-
rechnungen kennt sie daher nicht. Bei der
Zusammenfassung allen Interesses auf die
Geldbewegung ist es naturgemäß, daß sie ihre
Rechnung nach dem Hauptgesichtspunkt der
Einnahmen und Ausgaben einteilt. Das Haupt-
buch der kameralistischen B. enthält auf der
linken Seite das Konto Einnahmen, dem auf
der rechten Seite das Konto Ausgaben ent-
spricht. Die besondere Eigentümltchkeit der
kameralistischen B. ist nun aber die Gegen-
überstellung der Anordnung und der Voll-

ziehung der Einnahmen und Ausgaben. In
einer besonderen Spalte mit dem Kennwort
„Soll" werden alle angeordneten Einnahmen
oder Ausgaben aufgeführt, in einer anderen
mit „Ist" bezeichneten Spalte wird nachge-
wiesen, ob dieser Anordnung entsprochen und
die Einnahme oder Ausgabe geleistet worden
ist. Dadurch wird Verwaltung und Kasse
einander kontrollierend gegenübergestellt Alle
beim Abschluß angeordneten, aber noch nicht
vollzogenen Einnahmen oder Ausgaben werden
als „Reste" entweder in einer besonderen
Restrechnung oder, wie in Preußen, in der
neuen Rechnung vorgetragen. Die Reste sind
entweder Aktiv- oder Passivreste. Diese beiden
Konten der Aktiv- und Passivausstände sind
neben dem Kassenkonto die spezifischen
Konten der kameralistischen B.
Ist bei einer Staatsbahnverwaltung keine be-
sondere Wirtschaftskontrolle eingerichtet, so
wird in den Büchern selber häufig eine Gegen-
überstellung der Ansätze des Wirtschaftsplanes
mit den Ergebnissen der Wirtschaftsführung
vorgenommen. Dadurch ergibt sich alsdann
in übersichtlichster Form ein Nachweis darüber,
in welcher Weise die Wirtschaftsführung dem
Wirtschaftsplan entsprochen hat.
Der neuere Kameralstil hat der kaufmänni-
schen B. eine Eigentümlichkeit entnommen,
die früher als wesentliches Merkmal der kauf-
männischen B. galt: die doppelte Buchung
aller Posten. Sie wird dadurch bewirkt, daß
alle Posten einmal chronologisch im sog.
Hauptbuch (Journal) und dann noch einmal
in Handbüchern (Manuale) systematisch ge-
bucht werden, ln ihren Ergebnissen müssen
beide Buchungsreihen übereinstimmen. Durch
die Einführung dieser Selbstkontrolle, die zu-
erst in Österreich im 18. Jahrhundert erfolgte,
ist die kameraiistische B. außerordentlich ver-
vollkommnet worden.
Die Bücher, die bei der kameralistischen
B. geführt werden, haben bei den einzelnen
Staatsbahn Verwaltungen verschiedene Bezeich-
nungen. Außer dem oben erwähnten Haupt-
buch und den Handbüchern wird regelmäßig
noch vom Kassier ein Kassenbuch geführt,
das die Bewegung des Kassenbestandes nach-
weist und durch die Buchungen im Haupt-
buch über seine Richtigkeit kontrolliert wird.
Ferner müssen stets noch eine Anzahl „Bei-
bücher" geführt werden für Sondernachwei-
sungen, deren summarische Ergebnisse erst in
den Handbüchern aufgenommen werden können
(über laufende Einnahmen, Ausgaben, über
Eagerplatzpachtzinse, Vergütungen der An-
schlußgleisinhaber, über Gehalts- und Lohn-
nachweisungen u. a. m.).
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