Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 121
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Buchführung.

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Formel: A - (P-\-R) = E ergibt, wobei A
die Aktiva, P die Passiva und R das Rein-
vermögen bedeuten.
Eines der wichtigsten Konten des reinen
Vermögens der Bilanz bildet darnach das Ge-
winn- und Verlustkonto. Der Bilanz wird
regelmäßig von den Eisenbahnverwaltungen
eine Gewinn- und Verlustrechnung beigegeben,
aus der sich ergibt, in welcher Weise das
Gewinn- und Verlustkonto zu stände gekommen
ist. Um in der Bilanz eine richtige Bewertung
der vorhandenen Anlagen sicher zu stellen,
bedient sich die doppelte B. der Abschrei-
bungen oder der Einrichtung eines Er-
neuerungsfonds. Fahrzeuge, Gebäude, Gleis-
oberbau u. a. m. unterliegen im Laufe der
Jahre einer allmählichen Abnutzung und Ent-
wertung. Wollte man in den Aktiven den
Beschaffungswert einsetzen, so würde die
Bilanz ein falsches Bild von der Lage des
Unternehmens geben. Die Abnutzung der ver-
schiedenen Teile eines Eisenbahnunternehmens
erfolgt allmählich innerhalb verschiedener Zeit-
räume, deren Länge erfahrungsgemäß bekannt
ist, aber bei den einzelnen Eisenbahnverwal-
tungen verschieden groß ist. Wird nun bei
einer Eisenbahnverwaltung beispielsweise die
Gebrauchsdauer der Fahrzeuge auf 30 Jahre
angenommen, so müssen entweder von dem
Eahrzeugkonto der Aktivseite jährlich 31/3%
des Beschaffungswertes abgesetzt oder es
müssen, was wegen der größeren Durchsich-
tigkeit der Bilanz vorzuziehen ist, in einem
besonderen Abschreibungskonto (Erneuerungs-
konto) auf der Passivseite alljährlich 31/3%
des Beschaffungswertes der Fahrzeuge ein-
gesetzt werden. Statt Abschreibungen vorzu-
nehmen, kann die Eisenbahnverwaltung einen
Erneuerungsfonds ansammeln, dessen Einlagen
in gleicher Weise berechnet werden, wie die
Abschreibungen (s. auch Anleihen und Bilanz). |
Die Bücher, die bei Anwendung der kauf-
männischen doppelten B. erforderlich sind, sind
verschieden nach Art und Zahl der Konten,
die geführt werden. Welche und wieviel Konten
geführt werden, hängt ganz davon ab, für
wieviele Verwaltungszweige Erfolg oder Ver-
lust nachgewiesen werden soll. Überall aber
werden sich folgende Bücher finden.
a) Das Hauptbuch. Das Hauptbuch dient
zur Bildung des Geschäftsabschlusses auf
Grund des Abschlusses aller besonderen
Kontenbücher. Es enthält entweder nur Aus-
gleichkonten (Kapitalkonto, Gewinn- und Ver-
lustkonto, Bilanzkonto) oder häufiger außerdem
noch Generalkonten, d. h. Übersichten über
die besonderen Abschlüsse der anderen Bücher.

Das Hauptbuch allein ermöglicht eine jeder-
zeitige Übersicht über den Stand des Ge-
samtunternehmens.
(3) Das Journal. Das Journal erhält nach
zeitlicher Reihenfolge eine Darstellung der
Geschäftsvorfälle. Bei dem großen Umfang an
Geschäften, den eine Eisenbahnunternehmung
regelmäßig mit sich bringt, kann das Journal
gewöhnlich nur Sammelposten aufnehmen.
y) Kassenbücher. Die Kassenbücher unter-
richten über den Ein- und Ausgang von Geld
bei den Kassen eines Eisenbahnunternehmens.
Ihre Zahl und Einrichtung hängt von der
Organisation des Kassenwesens des Eisen-
bahnunternehmens ab.
Des weiteren werden bei allen Eisenbahn-
verwaltungen zahlreiche Hilfs-, Abrechnungs-,
Ausgleichs- u. s. w. Bücher unter den ver-
schiedenartigsten Bezeichnungen geführt.
In neuerer Zeit hat es nicht an Versuchen
gefehlt, der kaufmännischen doppelten B. auch
bei den Staatsbahnen Eingang zu verschaffen.
Insbesondere in Deutschland und Österreich
wurde die Frage lebhaft erörtert, ob es nicht
wegen der industriellen Natur des Eisenbahn-
betriebes zweckmäßig sei, auch bei Staatsbahn-
verwaltungen kaufmännische B. anzuwenden.
Den Anstoß zu diesen Erörterungen gab der
Rückgang der Eisenbahnüberschüsse infolge
des Sinkens der Wirtschaftskonjunktur in den
Jahren 1907—1909. Die Anhänger der kauf-
männischen B. behaupten, daß die Ursachen
für die schlechten Ergebnisse des Eisenbahn-
betriebs sich nur mit Hilfe der kaufmännischen
doppelten B. erkennen lassen würden und daß
die Anwendung dieser B. eine bessere Er-
kenntnis über die Bewegung und Verzinsung
des in die Eisenbahnen hineingewagten Ka-
pitals herbeiführen werde. Besonders wurde
der kameralistischen B. hierbei zum Vorwurf
l gemacht, daß sie nicht erkennen lasse, ob die
Überschüsse des Eisenbahnbetriebes nicht viel-
fach auf Kosten des Kapitals erzielt seien (vgl.
Waldschmidt, Staatshaushalt und Bilanz).
Die Anregungen, die durch solche Bemänge-
lungen der bei allen deutschen und fast allen
Staatsbahnen der Erde gebräuchlichen kame-
ralistischen B. gegeben wurden, haben zu wert-
vollen Untersuchungen über die Zweckmäßig-
keit beider Buchführungsarten in staatlichen
Verwaltungszweigen und besonders in staat-
lichen Eisenbahnverwaltungen geführt. Während
über die kaufmännische doppelte B. seit langem
eine umfangreiche Literatur besteht, hat nun
bei dieser Gelegenheit auch die kameralistische
Buchführung eine Würdigung ihrer Grund-
gedanken, ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer
in neuerer Zeit erreichten Vervollkommnung
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