Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 122
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Buchführung.

erfahren. Die hauptsächlichsten Arbeiten auf
diesem Gebiete sind am Schluß im Literatur-
nachweis aufgeführt.
c) Die konstante B. Es hat nicht an Ver-
suchen gefehlt, ein gemischtes Buchführungs-
system zu schaffen, das die Vorteile der kauf-
männischen und der kameralistischen B. in
sich vereinigt. Ein solches ist die konstante
B., die von den Schweizerischen Bundesbahnen
mit Erfolg angewandt wird. Dieses Buch-
führungssystem ist aus der Erkenntnis, ent-
standen, daß es erwünscht sei, die Vorzüge
der kaufmännischen EL öffentlichen Verwal-
tungen nutzbar zu machen, ohne doch die
Vorteile aufgeben zu müssen, welche die kame-
ralistische 13. für diese Verwaltungen und für
die staatliche Rechnungskontrolle hat. Die
konstante B. verdankt ihre Entstehung dem
heimischen Staatsbuchhalter Hügli, der sie
zuerst in der B. des Kantons Bern angewandt
hat. Die Verbindung der Vorzüge der kauf-
männischen E3. mit den Gedanken der kamera-
listischen kommt in folgender Weise zu stände.
Die konstante E3. führt wie die doppelte B.
sowohl über die Vermögensbestandteile als
auch über das reine Vermögen Rechnung.
Die Konten sind wie bei der doppelten 13.
über die ganze Rechnung ausgedehnt. Die
Besonderheit dieser 13. ist die Einführung der
kameralistischen Hauptkonten, Aktivausstände,
Passivausstände und der Kontogegenrechnung.
Jede B. wird auf eins der Ausständekonten
bezogen. Dadurch wird erreicht, daß die Be-
zieh ungen der Konten untereinander, von denen
bei der doppelten 13. jedes Gläubiger oder
Schuldner eines anderen sein kann, konstant
werden. Alle Sollposten des Journals (Schulden)
bilden Habenposten des Kontos IMssivaus-
stände, alle Habenposten des Journals (For-
derungen) bilden Sollposten des Kontos Aktiv-
ausstände. Alle Sollposten des Kassabuchs sind
Habenposten des Kontos Aktivausstände und
alle E labenposten des Kassabuchs Sollposten
des Kontos Passivausstände. Im Konto Gegen-
rechnung werden die Posten geführt, die sich
ohne Kassenverhandlung in sich ausgleichen.
Die konstante 13. hat zwei Hauptbücher: das
kontenförmige Journal und das chronologische,
vom Kassierer geführte Kassenbuch. Eine
wesentliche Vereinfachung der Buchungen wird
dadurch erzielt, daß im Geschäftsjournal die
drei speziellen Konten der konstanten Buch-
führung nicht als selbständige Konten ge-
führt werden brauchen. Als solche treten sie
nur in der Bilanz auf. Um sie ohneweiters in
die r3ilanz einstellen zu können, genügt es,
daß im Geschäftsjournal eine besondere sog.
Kontrollspalte geführt wird. Ist eine Buchung

kassenmäßig erledigt, so wird das in dieser
Spalte vermerkt. Die Stellen, bei denen nichts
vermerkt ist, bilden dann in ihrer Gesamtheit
die Konten Aktiv- oder Passivausstände. Iburch
besondere Zeichen in dieser Spalte lassen sich
ferner leicht die I3osten kenntlich machen,
die keine kassenmäßige Behandlung erfordern
! und deshalb auf Konto Gegenreclmung zu
setzen sind.
Durch dieses Verfahren wird erreicht, daß
eine einzige Buchung genügt, um einen IJosten
j auf zwei Konten zu bringen. Auf diese Weise
wird auch das umständliche chronologische
Journal überflüssig und die konstante B. ge-
winnt dadurch vor der doppelten B. den Vor-
zug größerer Anpassungsfähigkeit und Beweg-
lichkeit; damit wird sie sogar befähigt, in
| dieser Beziehung den Wettbewerb mit der
j kameralistischen 13. aufzunehmen, vor der sie
I außer allen Vorzügen der doppelten B. auch
den Umstand voraus hat, daß die Buchungs-
arbeit einfacher ist und daß die Einrichtung
zahlreicher Hilfsbücher (A^anuale) fast ganz
fortfällt.
B. Ebie Organisation der Eisenbahn-
buchführung in verschiedenen Ländern.
1. Preußische Staats bah neu.
Für größere Staatsbahnverwaltungen ist die B.
der preußischen Staatsbahnen vielfach vorbild-
lich geworden. Die B. findet nach dem kamera-
listischen System statt; sie liegt den Eisenbahn-
hauptkassen ob, deren es für jeden der 21
Direktionsbezirke eine gibt. Ibie unter den
Hauptkassen stehenden Stationskassen sind
nur Hilfskassen für die Hauptkasse und legen
keine selbständige I^echnung, entbehren daher
auch einer selbständigen B. Die Abfertigungs-
kassen (Fahrkarten-, Gepäck-, Güterkassen)
sind nur Einhebungsstellen; sie liefern ihre
Bestände regelmäßig an die Stationskassen ab.
Der Zentralverwaltungsstelle, dem Ministerium
der öffentlichen Arbeiten, fehlt eine besondere
Zentralkasse; die einzelnen Hauptkassen liefern
unmittelbar an die Generalstaatskasse ab, die
dem Einanzminister unterstellt ist.
In jeder Hauptkasse werden außer dem
Hauptbuch, das der Rendant, und dem
Kassenbuch, das der Kassierer führt, noch
9 Handbücher (Manuale) und mehrere Hilfs-
bücher geführt. Unter den Hilfsbüchern sind
die wichtigsten: das Abrechnungsbuch mit
den Stationskassen und das Kontogegen-
b u c Ei für den Giroverkehrmitder Reichs-
bank, die als General-Staatskasse fungiert.
Das Hauptbuch wird getrennt nach Ein-
nahmen und Ausgaben geführt. Aus ihm er-
gibt sich eine ununterbrochene Übersicht und
Kontrolle des Kassenverkehres. Die Eintragungen
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