Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 129
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0142
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Buchführung. - Budapester Untergrundbahn.

129

gung gewisse Hilfsbuchungen vor, die sämtlich
erst noch der endgültigen Buchung durch den
Hauptbuchhalter bedürfen. Notwendige Bestand-
teile des Buehführungssystems der Schweizer
Bundesbahnen sind die Kreisbuchhalter nicht.
6. In England, den Niederlanden,
Amerika und bei den französischen Eisen-
bahngesellschaften wird die kaufmännische
doppelte B. angewandt. Die Organisation der
Verwaltung und der B. ist so eingerichtet, daß
sich für jeden Geschäftszweig das besondere
Wirtschaftsergebnis möglichst fortlaufend er-
mitteln läßt, damit jeder einzelne Geschäfts-
zweig ein lebhaftes Interesse an wirtschaft-
lichem Gebaren im eigenen Ressort erhält.
Falls das Eisenbahnunternehmen nicht zu groß
ist, erfolgt die Einteilung der Verwaltungs-
stellen nicht nach geographischen Bezirken,
sondern nach Sachgegenständen (Betrieb, Bau,
kommerzieller Dienst, Maschinen, Werkstätten,
Magazine u. s. w.). Jeder Verwaltungszweig
führt über Einnahmen und Ausgaben seines
Ressorts besondere Aufzeichnungen, die an
einer Zentralstelle zusammenlaufen (in den
Niederlanden: Allgemeene Komtabiliteit; in
England: Chief accountant; in Frankreich:
Comptabilite generale et des finances). In
Amerika liegt das Buchungswesen in der Hand
des Comptroller, der dem Präsidenten unmittel-
bar unterstellt ist und eine überaus einfluß-
reiche Stellung hat, weil er allein dauernden
Überblick über die finanzielle Lage des Unter-
nehmens besitzt.
Die Eisenbahngesellschaften, die kaufmänni-
sche B. anwenden, sehen regelmäßig von Auf-
stellung eines vollständigen Jahreshaushalts-
planes ab. Dagegen werden vielfach Voran-
schläge für gewisse Ausgabenarten aufgestellt.
So macht beispielsweise die Niederländische
Staatsbahngesellschaft Voranschläge der Aus-
gaben für Unterhaltung und Erneuerung der
vorhandenen Anlagen und der Fahrzeuge, für
Signal- und Telegrapheneinrichtungen und einen
weiteren Voranschlag über die auf Kapital-
konto zu nehmenden Arbeiten, um die Höhe
der etwa notwendigen Anleihe zu ermitteln.
Der Jahresabschluß erfolgt regelmäßig in
Form einer kaufmännischen Bilanz; die Rech-
nungskontrolle ist erheblich einfacher und
weniger kostspielig als bei den Staatsbahnen.
Literatur. 1. Über kaufmännische B. Veit Simon,
Bilanzen der Aktiengesellschaft, 3. Aufl. Berlin. —
Dr. Waldschmidt, Staatshaushalt und Bilanz,
Bankarchiv, 10. Jahrg., Nr. 13—15; — kaufmännische
B. in staatlichen und städtischen Betrieben. Berlin
1908, Verlag von Otto Liebmann. -Prof. Sei dl er,
Artikel in der österreichischen Zeitschrift für Volks-
wirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung. Bd. 10,
Heft 1, 1907. - 2. Über kameralistische B. Glau-
bach, B. für die Stadt- und Gemeindeverwaltung,
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. III.

Vorzüge und Nachteile des kameralistischen und
des kaufmännischen Systems. Berlin 1911, Verlag
von Heymann. - Kramer, kameralistische oder
kaufmännische B., preußisches Verwaltungsblatt 1910,
Nr. 13. — 3. Konstante B. Hügli, Die konstante
B. Bern 1894, Verlag von K. Wyss. — 4. B. ein-
zelner Eisenbahnverwaltungen. — Offenberg, Soll
die preußische Staatseisenbahnvewaltung die kauf-
männische B. einführen? Ztg. d. VDEV. 1909, Nr. 17).
Quaatz, Der preußische Eisenbahnetat. Berlin
1910. Verlag von Julius Springer. Apergu de 1',or-
ganisation du Service de la comptabilite de l’Etat
Beige, Bruxelles 1905. — Bulletin 1905, Comp-
tabilite (question XIV, 7° Session). — Von der Leyen,
Die Nordamerikanischen Eisenbahnen in ihren wirt-
schaftlichen und politischen Beziehungen. Leipzig
1885. — H off u. Schwabach, Nordamerikanische
Eisenbahnen. Berlin 1906. — Schapper, Kauf-
männische B. und Staatseisenbahnen. Arch. f. Ebw.
1910, S. 1327. Österr. Eisenbahnztg. 1909, Nr. 21
u. 23, Soll bei den Staatsbahndirektionen an dem
kameralistischen Verrechnungswesen festgehalten
werden? Schapper.
Büchereien (librairies; bibliotheques;biblio-
teche) der Eisen bahn Verwaltungen sind Samm-
lungen von Büchern, Sammelwerken und Zeit-
schriften, die zum Eigentum der Eisenbahnver-
waltung gehören. Sie sind, außer bei den zustän-
digen Ministerien, auch bei den Generaldirek-
tionen, Staatsbahndirektionen und Eisenbahn-
direktionen eingerichtet, bestehen ihrem Zweck
entsprechend hauptsächlich aus Werken fach-
wissenschaftlichen Inhalts und dienen den
Beamten zum Nachschlagen sowie zur Be-
lehrung und Erweiterung ihrer Kenntnisse.
Nicht selten umfassen derartige Büchereien
10.000-20.000 und mehr Bände.
Besonders reichhaltig sind die B. der
größeren amerikanischen Eisenbahnen. Die B.
der Baltimore und Ohio Eisenbahn umfaßt
15.000 Bände, die der Zentralwerkstätte der
Pennsylvania Eisenbahn in Altoona 35.000
Bände.
In neuerer Zeit haben auch viele Wohlfahrts-
und Beamtenvereine (s. d.), wie z. B. die bei
der preußisch-hessischen Staatseisenbahn Ver-
waltung bestehenden Eisenbahnvereine, der Klub
österr. Eisenbahnbeamten eigene B. errichtet.
Schließlich sind auch die Aufenthalts- und
Übernachtungsgebäude, die den unterwegs be-
findlichen Zug- und Lokomotivbediensteten un-
entgeltlich zur Verfügung stehen, mit Büchern
anregenden Inhalts ausgerüstet. Seydel.
Budapester Untergrundbahn (Franz-
Josef-elektrische Untergrundbahn). Konzes-
sioniert 1894, eröffnet 1896. Sie beginnt in
der Vigadogasse in der Nähe der Donau und
führt unter dem Giselaplatz, der Harminczad-
gasse, dem Deäk-Ferencz-Platz, dem Weitzner-
Boulevard und der Andrässystraße bis zum
Stadtwäldchen, woselbst der Aufstieg in das
Niveau in einem offenen Einschnitt erfolgt und
9
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list