Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 168
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168 Canuien-Amboy-Eisenbahn.
liehst hohe Gewinste mit allen überhaupt
möglichen Mitteln herauszuziehen. An der Spitze
der Verwaltung standen fast während der
ganzen Dauer des Monopols zwei geriebene
Geschäftsmänner, Robert Field Stockton und
Edwin A. Stevens. Um die Aufdeckung der
gemeinschädlichen und gesetzwidrigen Hand-
lungen der Gesellschaft hat sich ein besonderes
Verdienst Henry C. Carey erworben. Die
Camden-Amboy-Gesellschaft gilt in der Ge-
schichte der Eisenbahnen der Vereinigten
Staaten als bezeichnendes Beispiel dafür, zu
welchen Mißbräuchen und Schädigungen des
Gemeinwohls die Verwaltung eines Monopols
durch eine Aktiengesellschaft führen kann.
Kurz nach Ablauf ihres Monopols ver-
pachtete die Gesellschaft ihre Linien auf die
Dauer von 999 Jahren an die Pennsylvania
Railroad Company, wozu sie durch ein Gesetz
vom 17. März 1870 ermächtigt wurde. Unter
der Verwaltung dieser Gesellschaft, in deren
Netz die Strecke Camden-Amboy als ein
wichtiger und untrennbarer Bestandteil ein-
gefügt ist, wurde die Bahn unter Aufwand
bedeutender Kosten allmählich verbessert. Der
Bau neuer Bahnen, insbesondere der Über-
landbahnen, die veränderte Richtung, die in-
zwischen Handel und Verkehr genommen,
haben zusammen mit anderen Umständen
dazu geführt, daß die gemeinschädlichen
Wirkungen dieses Monopols heute beseitigt
sind.
Literatur u.a.: North American Review, 1867,
S. 428ff.; — v. der Leyen im Arch. f. Ebw. 1880,
S. lff.; Die nordamerikanischen Eisenbahnen in
ihren wirtschaftlichen und politischen Beziehungen,
Leipzig 1885, S. 31 — 60. — Sayons, Un chapitre
de l'histoire des chemins de fer americains. Henry
C. Carey et la Camden-Amboy-Railroad et Dela-
ware & Raritan Canal Co. Revue d’economie poli-
tique, 1904, Oct./Nov. S. 751 ff. — Haney, A con-
gressional history of Railways, 1. S. 244, II. S.215 -222
(1908, 1910). v. der Leyen.
Canada, s. Britisch-Nordamerika.
Canadian Northern - Eisenbahn. Sie
ist eine Schöpfung zweier kanadischer Eisen-
bahnunternehmer, Mackenzie und Mann, die in
den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts
eine Reihe kleiner Bahnen in Kanada teils für
eigene Rechnung, teils für die kanadische Über-
landbahn gebaut hatten und sich nunmehr
dazu entschlossen, eine neue Überlandbahn
herzustellen, die hauptsächlich für die Getreide-
transporte mit der kanadischen Überlandbahn in
Wettbewerb treten sollte. In ihren Plänen wurden
sie unterstützt durch den EigentümerderNorthern
Pacific-Bahn J. F. Hill, der in der Provinz
Süd-Manitoba Eisenbahnen in einer Länge von
etwa 560 km besaß, die unter dem Wettbewerb
der Überlandbahn litten. Diese Strecken ver-

Canadian-Pacific-Eisenbahn.
pachtete Hill an die Provinz Süd-Manitoba, die
sie an Mackenzie und Mann abtrat. Die Gesamt-
strecken wurden zu einem neuen Unternehmen
der Canadian Northern im Jahre 1899
vereinigt. Im Jahre 1902 war ihre Strecke
Winnipeg-Port-Artluir vollendet, so daß sie sich
schon jetzt an den Getreidetransporten beteiligen
konnte. Mitunterstützung der Bundesregierung
und der Provinzen baute sie diese weiter von
Dauphin nach Prince Albert und nach Edmonton
und später von Prince Albert nach Regina.
Ihr Netz hatte am 30. Juni 1910 eine Länge
von 4247 km eigene und 617 km gepachtete
Bahnen, zusammen von 4864km. Einschließlich
der im Bau befindlichen Linie betrug schon
1908 der Umfang 5458 km. Der größte Teil
der Bahn liegt in den kanadischen weizen-
bauenden Provinzen Ontario, Manitoba, Sas-
katchevan und Alberta, sie erstreckt sich mit
nur 71 km in West-Minnesota. Außerdem
betreibt sie eine Reihe von Strecken gemeinsam
mit anderen Bahnen, wodurch sie in ihrem
östlichen Teil in Schienenverbindung mit Quebec
und Montreal steht. Eine selbständige Linie
nach Osten zu erhalten, ist ihr bis jetzt nicht
gelungen. Nach Westen hin wird sie weiter
gebaut vom Yellowhead-Paß über die Felsen-
gebirge nach Vancouver und Viktoria. Diese
Strecke von 960 km soll in vier Jahren voll-
endet sein. Die Bahn würde dann eine neue
Überlandlinie durch Kanada darstellen. Für
den Bau der letzten, sehr kostspieligen Strecken
nach dem Stillen Ozean ist ihr von der Regierung
von Britisch-Columbia eine Zinsbürgschaft von
4% für Bonds in Höhe von 35.000$ für die
Meile in Aussicht gestellt. Hierzu steht die
Genehmigung der gesetzgebenden Körper-
schaften noch aus. Das Anlagekapital der
Bahn bestand im Jahre 1910 aus 55 Milk Doll.
Aktien und rund 96 Milk Doll. Obligationen.
Sie beförderte 1,268.296 Personen und
106,217.414 Personenmeilen, 3,809.856 t
Güter und 1356,251.140 Gütertonnenmeilen.
Der Überschuß der Gesamteinnahmen über die
Gesamtausgaben stellte sich auf 4,950.860 $.
Literatur: Eversmann, Die kanadische Überland-
bahn. Archiv f. E. 1912, bes. S. 575 ff. und die dort
angegebenen Schriften. v. der Leyen.
Canadian Pacific-Eisenbahn, kanadi-
sche Überlandbahn, ist die älteste der das
britisch-nordamerikanische Festland durch-
schneidenden und eine Verbindung zwischen
dem Atlantischen und dem Stillen Ozean her-
stellenden Überlandbahnen. Ihr östlichster Aus-
gangspunkt war ursprünglich Montreal, von wo
sie sich entlang dem nördlichen Ufer des Oberen
Sees nach Winnipeg (Provinz Manitoba) er-
streckt, um dann weiter die Felsengebirge,
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