Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 207
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Clearing House. - Cöln-Mindener Eisenbahn.

Eisenbahnen Englands; Berlin 1876, S. 158 ff.;
Wehr mann, Reisestudien über Anlagen und Ein-
richtungen auf englischen Eisenbahnen; Elberfeld
1877. - Frahm, Das englische Eisenbahnwesen;
Berlin 1911. Roll.
Cochemtunnel, Kaiser - Wilhelm - Tunnel
genannt, an der Moselbahn, mit 4205 m Länge,
der längste 2gleisige Tunnel der preußischen
Staatsbahnen. Er durchschneidet in gerader
Linie den Cochemer Krampen, einen Gebirgs-
rücken, der von der Mosel in einer etwa
2200 m langen Windung umflossen wird,
wodurch eine wesentliche Abkürzung der
Moselbahn, die im übrigen der Hauptsache
nach dem Moseltale folgt, erreicht wird.
Das durchfahrene Gebirge gehört dem
rheinischen Schiefergebirge an und besteht
zumeist aus Tonschiefer, Kieselschiefer, Grau-
wackenschiefer, Grauwacke in geschlossenen

Abb. 153.
Bänken, Quarziten und reinen Quarzgängen.
Die Neigungsverhältnisse sind aus bei-
stehendem Längenschnitte (Abb. 153) zu er-
sehen.
Damit mit den Stollenarbeiten von Hand
vor Fertigstellung der maschinellen Einrich-
tungen an mehreren Stellen gleichzeitig be-
gonnen und die Bauzeit gekürzt werden
konnte, wurden an der Nordseite bei Cochem
im Abstande von 217 m und 490 m vom
Munde 2 Schächte von 18*4 m und 33 m
Tiefe abgeteuft; auch an der Südseite bei
Eller wurde ein 19 m tiefer Schacht her-
gestellt. Der Tunnelausbruch wurde mit einem
Sohlstollen von 3-5 m Breite und 3 m Höhe,
also 10*5 m2 Querschnitt begonnen. Im festen
Gebirge wurden die Löcher anfänglich von
Hand und nach Fertigstellung der Einrich-
tungen mit 6 Ferrouxmasehinen auf einem
Bohrwagen hergestellt. Als Sprengmittel diente
Dynamit. Die Kompressoren wurden durch
Dampfmaschinen angetrieben.

Die Förderung im Tunnel erfolgte auf
einem vollspurigen Gleis mit großen Förder-
wagen, was sich nicht als zweckmäßig heraus-
steilte.
Dem Ausbruch des Sohlstollens folgte der
des Firststollens und sodann der Vollausbruch.
Die Zimmerung wurde in den wenig
drückenden Strecken mit Langträgern und
einer Mittelschwelle, in den Druckstrecken
auch als Sparrenzimmerung, mit Längsver-
pfählung und mit Benutzung von Hilfslang-
trägern ausgeführt. Die Widerlager wurden
in unbearbeiteten Bruchsteinen, die Gewölbe
in bearbeiteten Bruchsteinen in Trassmörtel
hergestellt. Nur in sehr nassen Strecken
wurde Zementmörtel verwendet.
Die Bauarbeiten sind auf der Südseite im
auf der Nordseite im Juli 1874 be-
gonnen worden. Der
Stollendurchschlag erfolgte
am 4. Mai 1877, die Bau-
vollendung am 22= De-
zember 1877, so daß eine
Bauzeit von 32/3 Jahren
erforderlich war. Die Bau-
kosten des 2gleisigen Tun-
nels betrugen 2100 M./rn.
L itemtur: L e n g e 1 i n g,
Der Cochemtunnel. Dt. Bau-
ztg. 1876, — Ztschr. für Bw.
1886. Dolezalch.
Cockerill, John, be-
rühmter Industrieller, ge-
boren am 3. August 1790
zu Haslington in Lanca-
shire, gestorben 19. Juni
1840 zu Warschau, gründete die große welt-
berühmte Anstalt zu Seraing, wo sich ein ge-
waltiges Eisenbahnschienenwalzwerk und eine
große Lokomotivfabrik befindet; diese hat
für fast sämtliche Bahnen des Festlandes
Lokomotiven gebaut. Jährlich werden gegen
100 Lokomotiven geliefert. Nach dem Tode C.
wurde das Etablissement von einer Gesell-
schaft übernommen unter dem Namen Soeiete
anonyme John Cockerill.
Cöln-Mindener Eisenbahn. Durch Gesetz
vom 10. Dezember 1879 ist die C., die eine
der ältesten und wichtigsten preußischen Privat-
bahnen war, in der damaligen Länge von
1108*46 ^///, vom Staate erworben, zunächst
für dessen Rechnung betrieben worden und
am 1. Januar 1886 in das Eigentum des Staates
übergegangen.
Die C. ist die Nachfolgerin der unterm
21. August 1837 konzessionierten Rhein-Weser-
Eisenbahnaktiengesellschaft, die den Bau einer
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