Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 214
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Dänische Eisenbahnen.

Kommission mit der Aufgabe betraut, zu erwägen,
in welcher Weise dem Wettbewerb zu begegnen
sei, der dem dänischen Durchgangsverkehr durch
die von den norddeutschen und den Hansa-
städten geplanten Eisenbahnen zwischen Nord-
lind Ostsee drohte. Gestützt auf die Arbeiten
dieser Kommission, begann man mit dem Bau
der 100 km langen Altona-Kieler Eisenbahn,
die am 18. September 1844 eröffnet wurde und
jetzt ebenso wie die im folgenden Jahre dem
Betrieb übergebenen Bahnstrecken Elmshorn-
Glückstadt (am 20. Juli 1845 mit 16*7 km Länge)
und Neumünster-Rendsburg (am 18. September
1845 mit 34’58 km Länge) zum preußischen
Staatsbahnnetz gehören. Der Plan einer Fort-
setzung letzterer Bahnstrecke durch Schleswig
und weiter hinauf durch Jütland gab Veran-
lassung zu ernsten Meinungsverschiedenheiten
und hatte zur Folge, daß ein anderer Plan, eine
Querbahnverbindung von Husum über Flens-
burg-Alsen-Eünen nach Seeland, ausgeführt
wurde. Man nahm an, daß eine solche Verbindung
einesteils dem Handel der Stadt Kopenhagen, der
nur von geringer Bedeutung war, von Nutzen
sein würde, während sie andernteils hemmend
auf den bestehenden lebhaften Handelsverkehr
zwischen Hamburg und Jütland wirken müßte.
Es ist als ein Sieg der Anhänger dieser letzteren
Eisenbahnpolitik zu betrachten, daß die Quer-
bahn Husum-Flensburg bald zur Ausführung
kam, während es sehr lange dauerte, bis die
natürliche Längsbahn durch Schleswig gebaut
wurde. Nur dem privaten Unternehmungsgeist
ist zu verdanken, daß am 27. Juni 1847 die
erste Eisenbahn im Königreich, die etwa 30 km
lange Eisenbahn Kopenhagen-Roskide, eröffnet
werden konnte.
Gegen Ende 1840 erschien eine von zwei
Staatsbeamten S^ren Hjorth und Peder
Skram — verfaßte Schrift, in der für den Bau
von Eisenbahnen, vor allem der von Kopenhagen
nach Roskilde eingetreten wurde. Der Kopen-
hagener Industrieverein erhielt am 25. Mai 1844
die Konzession auf die Dauer von 100 Jahren.
Die Bahn wurde im Juni 1847 eröffnet. Die
Baukosten beliefen sich auf 130.000 Kr. —
146.250 M. für das km.
Die Erwartungen, die man in bezug auf die
Rentabilität der neuen Bahn hegte, verwirklichten
sich, wenigstens in den ersten Jahren, nicht.
Aber nach und nach zeigte sich Aussicht auf
eine angemessenere Verzinsung, und allmählich
ergab sich reges Interesse für den Eisenbahnbau.
Von allen Teilen des Landes liefen Anträge auf
Konzessionierung neuer Linien ein.
Gleich nach Erteilung der vorerwähnten Be-
willigung trat der Kopenhagener Industrieverein
diese an eine Aktiengesellschaft, die am 2. Juli

1844 gegründete seeländische Eisenbahngesell-
schaft, ab. Laut Gesetz vom 27. Februar 1852
erhielt die Gesellschaft die Genehmigung zur
Verlängerung der Bahn bis Korsör; auch über-
nahm der Staat die Bürgschaft für eine 4 % ige
Verzinsung des Anlagekapitals. Die Strecke
Roskilde-Korsör wurde am 27. April 1856
eröffnet. In Jütland und auf der Insel Fünen
hatte man bis dahin noch keine Eisenbahnen
gebaut. Erst nach Erlaß des Gesetzes vom
10. A4ärz 1861, das die Regierung ermäch-
tigte, Konzessionen für verschiedene Eisen-
bahnen in diesen Landesteilen in einer Ge-
samtlänge von 500 km zu verleihen, konnten
von der dänischen Eisenbahnbetriebsgesell-
Schaft folgende Bahnstrecken dem Betrieb
übergeben werden: Aarhus-Randers (3. Sep-
tember 1862), Langaa-Viborg (20. Juli 1863),
Viborg-Skive (17. Oktober 1864), Nyborg-
Middelfart (7. September 1865), Skive-Struer
(17. November 1865), Struer-Holstebro-Fre-
dericia-Vamdrup (Landesgrenze) und Middel-
fart-Strib (1. November 1866). Auf Grund
des Gesetzes vom 14. März 1867 übernahm
| der Staat vom 1. September 1867 ab den
Betrieb der Bahnen in Jütland und Fünen;
die Strecken Aarhus-Fredericia (eröffnet 4. Ok-
tober 1868) und Randers-Aalborg (eröffnet
19. September 1869), die gleichfalls auf
Grund des vorerwähnten Gesetzes vom
10. März 1861 gebaut wurden, sind somit als
die ersten Staatsbahnen Dänemarks anzusehen.
Inzwischen war das Bahnnetz auch auf die
Insel Seeland ausgedehnt durch Eröffnung der
nach dem Gesetz vom 9. Februar 1861 von
der seeländischen Eisenbahngesellschaft gebauten
Eisenbahnstrecken Kopenhagen-Klampenborg
(22. Juli 1863), Hellerup-Lyngby (1. Oktober
1863) und Lvngby-Helsingör (9. Juni 1864).
Am 1. Januar 1870 umfaßte das Netz der
dänischen Eisenbahnen auf der Insel Seeland
etwa 167 km Privatbahnen, in Jütland und
Fünen etwa 494 km Staatsbahnen. In den
Siebzigerjahren ließ man sich den weiteren
Ausbau dieses Netzes angelegen sein, so daß
auf Seeland am 4. Oktober 1870 die Strecke
Roskilde-Masnedsund (Gesetz vom 26. Februar
1869), am 30. Dezember 1874 die Strecke
Roskilde-Kalundborg (Gesetz vom 26. Februar
1869) und am 17. Juni 1879 die Strecke Fre-
deriksberg-Frederikssund (Gesetz vom 24. Mai
1875) dem Betrieb übergeben werden konnte.
In Jütland baute der Staat auf Grund der Gesetze
vom 24. April 1868 und 16. April 1873 die
Strecken Skanderborg-Silkeborg (eröffnet am
2. Mai 1871), Nörre-Sundby-Fredrikshavn
(16. August 1871), Lunderskov-Varde (3. Ok-
tober 1874), Holstebro-Ringkjöbing (31. März
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